Street-Art

15. Februar 2017 06:00; Akt: 15.02.2017 08:23 Print

Zürcher Graffiti-Künstler verschönern Tschernobyl

Drei Graffiti des Street-Art-Kollektivs Bane und Pest prangen seit kurzem an Wänden der kontaminierten Stadt Prypiat. Sie entstanden während einer abenteuerlichen Reise.

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Die Geisterstadt Prypiat ist alles andere als eine übliche Reisedestination: Rund drei Kilometer neben dem AKW gelegen wurde sie beim Gau von Tschernobyl im Jahr 1986 radioaktiv verseucht und musste vollständig evakuiert werden.

Dem Street-Art-Kollektiv Bane und Pest liegen jedoch Orte fernab von Touristenmassen: Rund um die Welt haben die beiden Künstler aus Thalwil ZH laut «Zürichsee-Zeitung» bereits sozialkritische Graffiti hinterlassen – da darf natürlich eine Gegend wie Tschernobyl nicht fehlen. Deshalb machten sich Fabian Florin alias Bane und Yiannis Hadjipanayis alias Pest auf in die Ukraine.

Mit 50 Kilo Dosen über die Grenze

«Crazy» bezeichne die Reise wohl am besten, sagt Florin zu 20 Minuten. Das Wort treffe nur schon auf die Planung zu: Über ein halbes Jahr habe es gedauert, bis alle Bewilligungen da waren – fast alle. Denn auf jene für den Import von Spraydosen warteten Bane und Pest vergeblich. Die Lösung: Sie flogen nach Budapest im Nachbarstaat Ungarn, organisierten ein Auto und schmuggelten die Dosen mit einem Gesamtgewicht von rund 50 Kilogramm über die ukrainische Grenze.

In der Sperrzone angekommen, habe sich ihnen eine völlig neue Welt offenbart. «Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine solche Stille erlebt hatte – und das mitten in einer Stadt», so Florin. Auch fürs Auge habe der Ort einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Florin: «In der Turnhalle wuchsen Bäume, der Fussballplatz war ein Wald.»

Der Trailer zur Reise-Doku. (Produktion: Pixel Love)

Chillen mit Fuchs

Die Kraft der Natur war es dann auch, die Bane und Pest inspirierte. Sie widmeten ihre Graffiti den Wildtieren, die sich die Stadt nach und nach zurückerobern. Florin: «Wir chillten beispielsweise mit einem Fuchs, der eine Zeit lang bei uns sass und uns beobachtete. Das war ein magischer Moment.»

Sieben Tage lang verbrachten die Künstler in der Sperrzone und mussten stets auf ihren Geigerzähler achten, um stark verseuchte Gebiete zu erkennen. «Mir wurde schon etwas mulmig, als das Gerät in der Nähe des Reaktors Knackgeräusche von sich gab», so Florin. Beachte man jedoch die Sicherheitsregeln, habe man nichts zu befürchten.

Die Dokumentation «Recover – Streetart in Chernobyl» wird am 18. März im Laden Dosendealer in Zürich-Seebach vorgestellt.

(ced)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GraffitiFan am 15.02.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe kritiker

    Es sind 3 Graffitis und ihr habt sie ja noch gar noch gesehen....vielleicht mal etwas abwarten :)

  • F.D. am 15.02.2017 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das sein?

    Kann man diese Stadt nicht einfach ruhen lassen?

    einklappen einklappen
  • Pudins am 15.02.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chur

    Sie zwei haben in Chur das Lachen Schulhaus verschönert, anschauen lohnt sich !

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.T.A.L.K.E.R. am 16.02.2017 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    Call of Pripyat

    War auch längere Zeit in Pripyat - aber nur im Game - und habe dort Aufträge erledigt. Mit verschiedenen Waffen. Eine Farbpistole war aber nicht dabei. Es war toll! Ich warte auf eine Fortsetzung. Stoff gibt es ja leider leider genug. Das Spiel S.T.A.L.K.E.R. wurde in der Ukraine entwickelt.

  • Butch am 16.02.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Prophylaktisch

    Ich hätte zur Sicherheit ein paar Jodtabletten geschluckt. Nur so zur Sicherheit.

  • Graf fiti am 15.02.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big up!

    Ich bin sehr gespannt auf den Film!

  • mr. 1234,56 am 15.02.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    kunst liegt im angesicht des betrachters

    es ist immer wieder schön zu sehen, wie die menschen, die von einem Thema am wenigsten ahnung haben, den mund immer am weitesten aufreisen!! aber so ist es wohl!! grossen reapekt an bane und pest!!! und an alle anderen: leben und leben lassen, auch wenn ihr das vlt nicht so seht!!

  • No Urban Art am 15.02.2017 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Egal wie "schön" diese Graffitis sein mögen: es ist Schändung einer historischen Stätte, nur für die berühmten paar Minuten Aufmerksamkeit. Die Namen sind ja bekannt, der illegale Grenzübertritt auch.