Absurde Bürokratie-Fälle

30. September 2016 18:59; Akt: 30.09.2016 18:59 Print

Gaht's-no!-Preis für Tischverbot am Zürichsee

Keine Tische am See, Zelte 20 Meter weg vom Ufer – Fischer's-Fritz-Pächter Michel Péclard hatte viel Ärger mit den Behörden. Balsam auf seine Seele ist nun der FDP-Preis.

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Für absurde Bürokratie-Fälle hat die Zürcher FDP am Freitagabend zum siebten Mal den Gaht's no!-Preis verliehen. Eine fünfköpfige Jury hat aus diversen Geschichten, die von der Bevölkerung eingereicht wurden, drei nominiert und sich für das Fischer's Fritz von Gastronom Michel Péclard als absurdesten Bürokratie-Fall 2016 entschieden.

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Gewinner Péclard freuts: «Ich hoffe, der Preis bringt die Behörden dazu, trotz der vielen Vorschriften für Gastronomen auch mal den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.» Er hat den Campingplatz Wollishofen seit 2010 von der Stadt Zürich gepachtet. In den letzten sechs Jahren investierte Péclard rund zwei Millionen Franken in den Um- und Weiterbau der Anlage, etwa in das bekannte Restaurant Fischer's Fritz.

Doch dann pfiffen die Behörden ihn wegen der «stetigen Ausweitung des Gastronomie- und Campingbetriebes» zurück und forderten eine Baueingabe. Der Bauentscheid folgte Anfang Jahr. Demnach musste er etwa die Esstische am See entfernen und in ein Zelt verschieben, auch die zwölf Safari-Zelte mussten wegen des Gewässerschutzgesetzes 20 Meter vom Ufer weg. Weiter untersagten die Behörden Reservationen für Gesellschaften und eine ganzjährige Öffnung des Restaurants. Begründung: Hauptnutzungsform des Areals sei das Camping.

100'000 Franken für Bauentscheid

«Man muss sich das vorstellen», sagt Péclard. «Wir dürfen das Zelt vom Fischer's Fritz nur von Juni bis August betreiben. Der beste Monat ist aber eigentlich der Mai. Da wollen alle raus und zu uns auf den Campingplatz. Auch dieser Super-September, mit sehr vielen internationalen Campern, war einfach nicht zu bewältigen mit den wenigen bewilligten Plätzen.»

Trotzdem hat Péclard den Bauentscheid, der ihn laut eigenen Angaben über 100'000 Franken gekostet hat, akzeptiert: «Aber ich bleibe dabei – es ist verrückt, dass ich von der Stadt ein Restaurant in einem desolaten Zustand übernommen und zum Laufen gebracht habe und dafür nun laufend Steine in den Weg gelegt bekomme.»

«Besonders absurd»

Für die Preis-Jury fiel die Wahl auf Péclard, weil dieser Fall «besonders absurd» sei, wie FDP-Vorstands- und Jurymitglied Peter Werder sagt: «Vereinfacht gesagt verschmutzen reservierte Tische das Seewasser – so jedenfalls kann man den Entscheid der Behörden lesen, die streng nach Paragrafen entschieden haben.» Hinzu komme, dass es Unklarheiten gegeben habe bezüglich Zuständigkeiten von Stadt und Kanton.

«Der dritte Grund, weshalb wir uns fürs Fischer's Fritz entschieden haben, ist, dass wir in diesem Fall politisch aktiv werden können», sagt Werder. Ein Zürcher FDP-Gemeinderat suche demnach das Gespräch mit dem Hochbaudepartement. Falls sich so keine Lösung finden lasse, sei auch ein politischer Vorstoss denkbar.

Neben dem Fischer's Fritz waren für den Gaht's-no!-Preis auch noch ein Schlauchböötler nominiert, der alle sechs Jahre zur Kontrolle antraben muss, und eine Frau, die wegen einer Handyhülle vor Gericht landete.

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mensch am 30.09.2016 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Tatsache

    Leider haben viele Angestellte der Behörde den gesunden Menschenverstand verloren. Das schlimme aber ist, dass diese Leute es selber gar nicht merken. Das Umfeld die das eben merkt, sollte diesen Leuten helfen ihn wieder zu finden.

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  • Erode Terribile am 30.09.2016 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es scheint,

    dass die Baubehörden in Basel und Zürich etwas gemeinsam haben - ein grünrotes Blickfeld. Für solche Sachen ist das kollektiv berühmt. Es braucht eben Geld damit diese Politik auch entsprechende Flausen umsetzten kann. Da ist jedes Mittel recht und wer kein Menschenverstand besitzt kann diesen auch nicht einsetzten.

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  • Albin Pfister am 30.09.2016 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An den Taten erkennt man sie...

    So weit kommt es, wenn man das Feld den rot-grünen Aparatschniks überlässt. In Zürich können insbesondere die Gastronomen ein Lied vom üblen linken Beamtentum singen. Diese Beamtenschaft erkennt man schon am Umgang mit besetzten Liegenschaften. Wo bleibt da die Einhaltung der Normen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Egli am 01.10.2016 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Beamten gehen über Leichen

    Ich habe den Beamtenwahnsinn selber erlebt. Ich wollte in Kloten ein Eventlokal eröffnen und wurde von einer alten frustrierten Beamtin nur schikaniert. Ich wollte nur Arbeitsplätze schaffen, sie meinte: "solange ich meinen Lohn habe interessiert mich das nicht." Letzte Jahr habe ich die tödliche Malaria tropica eingefangen. Ich lag einige Tage im Koma und hatte den Code für den Geldautomat vergessen und brauchte dringend Geld. Ich wurde irgendwie zur Schweizer Botschaft gebraucht und bat die Schweizer Beamten um Hilfe. Die Antwort war- ich sei alt genug und könne mir selber helfen!

  • T. Brunner am 01.10.2016 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenns einem nutzt

    Vielleicht sollte die FDP auch mal den gesunden Menschenverstand firdern, wenns um Steuerdelikte geht! Oder weshalb bekommen Steuerbetrüger 70% Rabatt auf Steuernachzahlungen?

  • Abstrusius am 01.10.2016 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkühr

    Die Tische verschmutzen den See, was ist dann mit der Enteignungen bei der See Uferpromenade. Werden die Spaziergänger nicht den See verschmutzen. So eine abstruse Behördenpolitik!

  • Ohne Denkmal für den Stapi am 01.10.2016 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Biel - in Frieden leben

    Die Bieler Behörden sollten auch so einen Preis bekommen, für den absurdesten Farbenstreit um das Orange Haus. Auch die merken das nicht, wie sollen sie auch, sie, die sie sich sämtliche Privilegien zuschaufeln. Die merken gar nicht, dass es noch Bürger hat, die mit einem Bruchteil ihrer Saläre auskommen müssen und nur eines wollen, in Ruhe und Frieden leben.

  • Suny am 01.10.2016 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand...

    ...ist wie ein Deo. Diejenigen die ihn am meisten benötigen, benutzen ihn nicht.