Population bedroht

08. Januar 2014 12:30; Akt: 08.01.2014 16:41 Print

Schweizer Krebse gehen im Türlersee zugrunde

Wegen der Krebspest sind im Türlersee Tausende einheimischer Krebse gestorben. Es war die wohl grösste Population von Krebsen im Kanton Zürich. Experte Rolf Schatz ist alarmiert.

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Die einheimischen Krebsarten sind vom Aussterben bedroht. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Wo es vor einem Jahr noch einen gesunden Bestand an einheimischen Krebsarten im Türlersee gab, sieht es heute düster aus: «Tausende Krebe sind im Türlersee diesen Sommer verendet», sagt der Zürcher Krebs-Experte Rolf Schatz.

Bei einer Erhebung hat er zusammen mit freiwilligen Helfern festgestellt, dass die einheimischen Krebsarten dort ausgestorben sind. Die Krebspest, eine Pilzerkrankung, die von amerikanischen Krebsarten nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde, lässt die einheimischen Krebse elend zugrunde gehen. Einmal davon befallen, greift der Pilz die Gelenke an und innert zehn Tagen fallen dem Krebs die Beine ab. Dadurch ist laut Schatz die wohl grösste noch bestehende einheimische Population im Kanton ausgestorben. Eingewanderte Krebse sind gegen die Krebspest immun.

Einheimische Krebse schützen

«Die Situation ist dramatisch», sagt Schatz zum «Tages-Anzeiger». Nur ein einziger von der Krebspest befallener Amerikanischer Sumpfkrebs reiche aus, um in einem Gewässer den ganzen einheimischen Bestand auszulöschen. Dass er im Türlersee aber keinen ausländischen Krebs entdeckt hat, beweise, dass die Krebspest auch von Wasservögeln in andere Gewässer übertragen werden kann. Auch durch Gummistiefel und andere Fischerutensilien könne sie verschleppt werden. Es sei also wichtig, die Gewässer im Kanton zu schützen, in denen noch einheimische Krebsarten leben.

In einem Postulat fordert nun GLP-Kantonsrätin Barbara Schaffner, dass diesem Thema besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie verlangt vom Regierungsrat einen Aktionsplan zur Rettung der einheimischen Krebsarten. Der Regierungsrat entscheidet noch diesen Monat. Auslöser für diese Forderung war eine Entdeckung des Krebs-Experten im Furttal. Während er in einem Bach in Dällikon noch einen guten Bestand von einheimischen Krebsen fand, gab es im Katzensee eine Invasion des Amerikanischen Sumpfkrebses, des «Roten Amerikaners».

Seminar zur Rettung von Krebsen

Weil diese sich rasant vermehren, suchten sie neuen Lebensraum und wanderten in Richtung Dällikon. Krebsschwellen – Rampen, die nur für Fische passierbar sind – könnten Abhilfe schaffen: «Damit könnte kurzfristig verhindert werden, dass ausländische Krebsarten ihre Gewässer verlassen und in noch intakte Gewässer einwandern», sagt Kantonsrätin Schaffner.

Gemäss Schatz ist das Problem auch nicht einfach durch Abfischen gelöst: «Sie haben keine Chance, alle zu erwischen.» Er setzt aber auf die Bevölkerung: In einem Seminar für Werkhofmitarbeiter will er zusammen mit der Hochschule Wädenswil in diesem Sommer aufzeigen, wie mit Schweizer Krebsarten umgegangen werden muss und wie die Ausbreitung ausländischer Bestände verhindert werden kann. «Die Rückzugsgebiete der einheimischen Krebse müssen abgeschottet werden», so Schatz. Über das Postulat zur Rettung der einheimischen Krebse wird der Regierungsrat noch diesen Monat entscheiden.

(blu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sascha Blaser am 09.01.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Migration bringt doch nur Vorteile durch Synergien, von einer Verdrängung der Einheimischen, Platznot oder Überlastung der Infrastruktur zu sprechen sind doch nur populistische Worthülsen ohne Belege. Jedenfalls beim Menschen. Und Krankheiten werden schon gar keine eingeschleppt. Haben die einheimischen Krebse (bzw. deren Schützer) denn schon versucht Integrationsprogramme, interkulturelle Dialoge oder workshops zum gemeinsamen Zusammenleben durchzuführen? Gibt es keine Krebsintegrations- und Krebsgleichstellungsbeauftragte? Wie sieht es mit im Land geborenen Secondokrebsen aus?

  • Unglaeubiger am 08.01.2014 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Experten-Schatz

    Juhui, schon wieder ein 'Schatz' als Experte! 20min muss wirklich alle Schubladen voller selbsternannter Experten haben. Je dümmer das Thema, umso mehr 'Experten' bieten sich an! Jeder fühlt sich geehrt, wenn er aufgerufen wird, auch wenn er meistens nichts zu sagen hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sascha Blaser am 09.01.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Migration bringt doch nur Vorteile durch Synergien, von einer Verdrängung der Einheimischen, Platznot oder Überlastung der Infrastruktur zu sprechen sind doch nur populistische Worthülsen ohne Belege. Jedenfalls beim Menschen. Und Krankheiten werden schon gar keine eingeschleppt. Haben die einheimischen Krebse (bzw. deren Schützer) denn schon versucht Integrationsprogramme, interkulturelle Dialoge oder workshops zum gemeinsamen Zusammenleben durchzuführen? Gibt es keine Krebsintegrations- und Krebsgleichstellungsbeauftragte? Wie sieht es mit im Land geborenen Secondokrebsen aus?

  • Unglaeubiger am 08.01.2014 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Experten-Schatz

    Juhui, schon wieder ein 'Schatz' als Experte! 20min muss wirklich alle Schubladen voller selbsternannter Experten haben. Je dümmer das Thema, umso mehr 'Experten' bieten sich an! Jeder fühlt sich geehrt, wenn er aufgerufen wird, auch wenn er meistens nichts zu sagen hat.