An Nichte vergangen

22. Oktober 2012 19:32; Akt: 23.10.2012 13:52 Print

Sex ja, Vergewaltigung nein

von Attila Szenogrady - Jeweils in der Weihnachtszeit hat ein Onkel seine sieben- bis neun-jährige Nichte sexuell missbraucht. Das Gericht verurteilt ihn zu einer bedingten Strafe, Vergewaltigung liege aber nicht vor.

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Es war am 21. März 2011, als die Zürcher Polizei einen heute 47-jährigen Schweizer aus dem Sarganserland festnahm. Während der Untersuchungshaft von 58 Tagen legte der Mann ein Teilgeständnis ab.

Demnach hatte er sich zwischen den Jahren 1997 und 1999 jeweils in der Weihnachtszeit an seiner 1990 geborenen Nichte sexuell vergangen. Bei den ersten Übergriffen küsste er die Schülerin, streichelte sie und knetete ihre Brüste. Wobei er ihr erklärte, dass das normal sei. Tatort war eine Wohnung in Birmensdorf.

Auch eine Vergewaltigung eingeklagt

Laut Anklage schlug der Beschuldigte ein Jahr später erneut zu. Diesmal im Luftschutzkeller der Birmensdorfer Wohnung , wo er die Geschädigte nicht nur sexuell missbrauchte, sondern auch laut Staatsanwältin mit seinem Penis gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr zwang.

Die Vorwürfe gründeten auf den Darstellungen des Opfers, das als 21-jährige, erwachsene Frau den Mut fand, ihren Onkel zu belasten. Dieser soll bereits viel früher die um zehn Jahre ältere Schwester der Geschädigten regelmässig sexuell genötigt haben. Allerdings waren diese Taten allesamt verjährt.

Viereinhalb Jahre Freiheitsentzug gefordert

Am Montag musste sich der Sextäter vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Er gab die sexuellen Handlungen zu, stellte jedoch die Vergewaltigung wie schon in der Untersuchung in Abrede. Seine zugegebenen Übergriffe begründete er mit seinem damaligen häufigen Alkoholkonsum.

Die zuständige Staatsanwältin sprach von einer erheblichen Tatschwere und verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Der Mann habe sich egoistisch und rücksichtslos verhalten, plädierte sie.

Im Gegensatz zum Verteidiger, der aufgrund von Widersprüchen der Nichte einen Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung forderte und die übrigen Delikte als verjährt einstufte. Im schlimmsten Fall sei eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 50 Franken angemessen.

18 Monate bedingt

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein und verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Beim Hauptvorwurf der Vergewaltigung kamen die Richter aufgrund von nicht unüberwindbaren Zweifeln zu einem Freispruch. Einerseits spielte der grosse Zeitabstand zwischen den Übergriffen und der Anzeige eine grosse Rolle. Anderseits seien beim Kind nach dem angeblichen Geschlechtsakt keine Verletzungen festgestellt worden. Zudem sei bei der Anzeigeerstattung noch keine Rede von einer Vergewaltigung gewesen. Der Gerichtsvorsitzende schloss nicht aus, dass der Täter seinen Finger und nicht den Penis eingesetzt hatte.

Allerdings gingen die Richter von einer erheblichen Tatschwere aus. So habe der Beschuldigte seine Vertrauensstellung als Onkel krass missbraucht. Aufgrund des Teilgeständnisses, der seit damals verstrichenen Zeit und des langjährigen Wohlverhaltens seither setzte das Gericht eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten fest. Da die Geschädigte im Frühjahr 2011 auf finanzielle Ansprüche verzichtet hatte, verwies es ihre neuen finanziellen Forderungen auf den Zivilweg. Immerhin sprach es der Nichte eine Prozessentschädigung von 6500 Franken zu.

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