Mehr Schwerverletzte

14. März 2017 11:14; Akt: 14.03.2017 19:00 Print

In Zürich wird Velofahren immer gefährlicher

In der Stadt Zürich sind letztes Jahr mehr Menschen mit dem Velo verunfallt als mit dem Auto. Besonders alarmierend: Darunter sind auch deutlich mehr Schwerverletzte – und zwei Tote.

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Wer mit dem Velo in der Stadt Zürich unterwegs ist, lebt gefährlich: Das zeigen die Zahlen der Verkehrsunfallstatistik 2016: Demnach verunfallten 460 Personen auf dem Velo – das sind 36 mehr als 2015 und sogar 136 mehr als im Fünfjahresdurchschnitt 2011 bis 2015. Es sind sogar mehr Menschen auf dem Velo verunfallt als mit dem Auto (427).

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Auffällig bei den Velounfällen ist inbesondere die Zunahme der Schwerverletzten: Es sind 96 – 20 mehr als im Vorjahr. Zudem sind zwei Tote zu beklagen. Vergleicht man diese Zahlen noch mit der Tatsache, dass der Veloverkehr in der Stadt Zürich im letzten Jahr gemäss Velozählstellen wetterbedingt um etwas mehr als ein Prozent zurückgegangen ist, dann hat sich das Unfallrisiko für Velofahrer definitiv erhöht.

Velofahrer sensibilisieren, Infrastruktur verbessern

Ein Drittel der verunfallten Velofahrer wurden durch andere Verkehrsteilnehmer bei Kollisionen verletzt. «Ein Drittel der Velounfälle sind hingegen auf Kollisionen wegen Unachtsamkeit, mangelnder Beherrschung des Velos oder wegen einer Regelwidrigkeit seitens der Velofahrenden zurückzuführen», wird Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit bei der Dienstabteilung Verkehr in einer Mitteilung zitiert, «beim letzten Drittel der Unfälle handelt es sich um Stürze ohne Fremdeinwirkung.»

Neben notwendigen Ergänzungen und Verbesserungen an der Infrastruktur und der Sensibilisierung der anderen Verkehrsteilnehmer bestehe Handlungsbedarf bei der Schulung und Sensibilisierung der Velofahrenden sowie auch bei der Durchsetzung der Verkehrsregeln. Denn zwei Drittel aller Unfälle lassen sich von den Velofahrenden selbst verhindern, manchmal sogar noch mehr, wenn von anderen ausgehende Gefahren frühzeitig erkannt und abgewendet werden können.

Pro Velo ist besorgt

«Wir sind besorgt über diese Entwicklung – haben aber auch keine schnelle Lösung parat», sagt Dave Durner, Präsident von Pro Velo. Bis jetzt habe man die steigenden Unfallzahlen noch mit der Zunahme an Velofahrern erklären können – das sei ja nun nicht mehr der Fall.

Als mögliche Gründe für die vielen verunfallten Velofahrer sieht Durner einerseits das Brechen von Verkehrsregeln: «Zürich ist keine Velo-Stadt, auf vielen Strassen fehlen beispielsweise Velostreifen – das verführt die Velofahrenden dazu, Regeln zu brechen.»

Andererseits stellt er aber auch eine gewisse Überforderung fest: «Ich war heute mit dem für die Velowege zuständigen Stadrat Filippo Leutenegger auf dem Velo durch die Stadt unterwegs – er meinte selber, man müsse die ganze Zeit auf Schilder achten und denke deshalb zu wenig an den Verkehr.»

«Sie nehmen das Velofahren zu wenig ernst»

Zwar lernten Kinder in der Schule, wie man richtig Velo fährt, «doch die 14- bis 18-Jährigen fahren kaum Velo, weils uncool ist und man das Handy nicht brauchen kann», so Durner. Genau diese Leute würden etwa während des Studiums wieder auf den Velosattel sitzen, «und überschätzen dann ihre Fähigkeiten.»

Das zeige sich nicht zuletzt mit Blick auf die 30 Prozent Selbstunfälle: «Zu viele Leute nehmen das Velofahren in der Stadt zu wenig ernst», sagt Durner. «Sie sagen sich, sie könnten auch nach zwei, drei Bier noch tiptop fahren – und täuschen sich.»

Deshalb gehe Pro Velo ab diesem Frühling gezielt an Gymnasien und Berufsschulen, um den Schülern dort die wichtigsten Regeln des Velofahrens in Erinnerung zu rufen. «Wir schaffen aus Kapazitätsgründen allerdings nur etwa 20 Klassen pro Jahr – abe immerhin», so Durner. «Generell müssen wir alle Velofahrer daran erinnern, die Regeln einzuhalten und fahrtechnisch nicht über den Verhältnissen zu leben.»

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 14.03.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Kein Wunder, Kopf runter und durch bei rot... Der Autofahrer wird dann schon bremsen.

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  • Andrea am 14.03.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    bei 90% der Fahrer kein Mitleid haben

    Also wenn ich sehe wie 90% der Velofahrer in der Stadt Zürich unterwegs sind, da kann ich manchmal schon vorher sagen, dass diese Person einen Unfall bauen wird. Ohne Licht im Dunkeln, rote Ampeln nicht beachten, kein Vortritt beachten, Stoppschilder ignorieren, noch vor dem Tram oder Auto hindurch wollen, Fussgängerstreifen ignorieren... ehrlich gesagt, kein Wunder wenn diese stürzen und daher absolut kein Mitleid. Dass es so viele Unfälle gibt, hat bei 90% mit der Fahrweise der Velofahrer zu tun.

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  • Fabian Schlegel am 14.03.2017 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Die Velofahrer in Zürich haben auch das Gefühl dass die Verkehrsregeln nur für die anderen Verkehrsteilnehmer gelten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • occampa am 15.03.2017 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    kamikaze velofahrer

    die Velofahrer sind selber schuld. die fahren wie kamikaze piloten. das ist auch in basel so.

  • Cappuccino am 15.03.2017 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wollen die Behörden?

    Die Stadt will keine Autos und für die Radler gibt es keine sicheren Velowege.

  • PROLLTRASH am 15.03.2017 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach

    vor dem gesetz alle gleich behandeln. wer den fehler macht zahlt. egal ob auto lkw oder velo. nur durch diese massnahme kann das problem innerhalb von 4 monaten gelöst werden. ich weiss, für velofahrer unvorstellbar. aber es geht nicht anders. sie sollten auch verantwortung übernehmen. für sich und ander

  • Stadtfix am 15.03.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder gibt es so viel Tote bei diesen vielen

    Wenn man diese Kommentare liest wundert es mich dass wir nicht hunderte von toten Velofahrern pro Jahr haben. So viel Hass von Menschen welche sich vermutlich noch nie selber auf Velo gesetzt haben, sonst hätten sie vielleicht noch einen Funken von Fairness im Hinterkopf. Dass man nun die Velofahrer schulen möchte, nach dem die rot-grüne Regierung nach Jahrzehnten nicht den Hauch einer velofreundlichen Stadt zu Stande bringt, ist ja wohl der Gipfel der Ironie.

  • Roger H am 15.03.2017 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nichterfüllung der Pflichten

    Solange die zuständigen Ämter und Politiker von Zürich die Verkehrsvergehen der Velofahrer wissentlich unterstützen und offensichtlich lieber wegschauen als ihre Pflicht zu erfüllen, werden sich diese Zahlen leider nicht verbessern!