Zum zweiten Mal

12. Dezember 2012 07:39; Akt: 12.12.2012 09:19 Print

Zwillingsmord von Horgen vor Gericht

Die erschütternde Tötung zweier Kinder an Weihnachten 2007 wird heute vor dem Bezirksgericht Horgen erneut verhandelt. Die 2010 verurteilte Mutter wurde im ersten Prozess ungenügend verteidigt.

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Am 26. März 2010 wurde Bianca B., die Mutter der getöteten Zwillinge Mario und Céline, vom Zürcher Geschworenengericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Während Jahren bestritt sie, mit der Tat in Verbindung zu stehen und rekurrierte gegen das Urteil. Am 12. Dezember 2012 gestand sie die Tat vor dem Bezirksgericht Horgen schliesslich. Was damals geschah: Kurz vor 2.30 Uhr am 24.12.2007 meldeten Bianca und Franz B. der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich, dass ihre beiden Kinder umgebracht worden seien. Die Sanität rückte aus, konnte die beiden Kinder aber nicht mehr retten. Noch am selben Tag wurden die Eltern wegen dringendem Tatverdacht verhaftet. Die Tat erschütterte Horgen. Niemand sah irgendwelche Anzeichen für Probleme in der Familie. Freunde, Verwandte und Mitschüler der beiden Erstklässler Céline und Mario waren tief bestürzt. Ein älteres Foto des kleinen Mario. Céline als sie noch etwas jünger war. Lange war unklar, was sich in der Nacht auf Heiligabend im Innern der Wohnung im ersten Stock abgespielt hat. Beide Eltern blieben in Haft und beschuldigen sich dort gegenseitig. Ende März 2007 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass Franz B., der Vater der Kinder aus der Haft entlassen wurde. Der Verdacht gegen die Mutter hingegen habe sich erhärtet. Man erfährt auch: Bianca B. soll die beiden Kinder erstickt haben. Kurz darauf alarmierte ihr Mann die Polizei. Während Mario schon tot war, lebte Céline noch, als die Rettungskräfte eintrafen. Die Reanimationsversuche blieben jedoch ohne Erfolg und Céline verstarb ebenfalls. Franz B. hat am 24.12.2007 alles verloren: Seine beiden Kinder, seine Frau und sein bisheriges Leben. Bei der Verhandlung vor dem Geschworenengericht stellte sich jedoch heraus, dass vieles in diesem Leben nur Schein war: Bianca B. hatte zum Zeitpunkt der Ermordung der Zwillinge zwei heimliche Liebhaber. Gutachter Frank Urbaniok verglich das Leben von Bianca B. mit einem Kessel, in dem der Druck stark angestiegen sei. Zudem habe Bianca B. die Angewohnheit gehabt, nicht mehr tragbare Situationen einfach radikal abzuschneiden. Bianca B. hingegen versuchte zuerst, die Schuld ihrem Mann in die Schuhe zu schieben: Er habe die Kinder wegen ihrer Seitensprünge ermordet, sagte sie. Das Geständnis von Bianca B. erfolgte dann am 12. Dezember 2012 vor dem Bezirksgericht Horgen. Vor dem Geschworenen-Gericht hatte sich Bianca B.noch in zahlreiche unerklärliche Widersprüche verstrickt. Diese hat sie mir ihrem umfassenden Geständnis nun bereinigt.

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Der Prozess beginnt mit einem Paukenschlag: Bianca B. gesteht, ihre Zwillingen erstickt zu haben. Sie sei aufgewacht und ins Zimmer von Mario gegangen. Sie schaute ihm zu, wie er schlief. Aus dem Nichts heraus habe sie das Kissen genommen und ihm ins Gesicht gedrückt, bis er sich nicht mehr bewegte. Dann ging sie zu Céline ins Zimmer und nahm auch dort das Kissen. «Celine wehrte sich so fest und ich musste mich auf sie drauf sitzen, um sie zu ersticken.» Als sie sich nicht mehr wehrte, sei sie von ihr runter, habe Licht gemacht und sei wahnsinnig erschrocken. Sie sei in der Wohnung umhergeirrt und habe sich gefragt: «Was habe ich gemacht, was habe ich gemacht.»

Dann sei sie auf die Idee gekommen, einen Einbruch vorzutäuschen und habe das Fenster aufgemacht und die Sachen ausgeleert. Sie habe sich darauf ins Bett gelegt, konnte aber nicht schlafen und habe ihren Mann geweckt. Als sie dann das Gesicht von Mario sah, habe sie gedacht: «Das war ich nicht, das war ich nicht.» Das habe sie sich die ganzen vergangenen fünf Jahre gesagt.

Dann kommt ein weiterer Paukenschlag: Bianca B. gesteht, sie habe ihrer ersten Tochter Lisa den Mund zugehalten, weil sie immer so geschrieen habe. Bianca B. kann fast nicht reden. Ihre Stimme ist tränenerstickt. Sie erzählt wie Lisa an jenem Morgen schrie und schrie. «Sie hat immer viel geschrien und ich habe auch schon Rat gesucht.» An jenem Morgen sei sie zu ihr hingegangen. «Sie schrie und dann hielt ich ihr einfach den Mund zu bis sie ruhig war.» Dann sei sie duschen gegangen. Als sie wieder aus der Dusche kam, habe sie gesehen, dass ihr Kind tot ist. «Sie war ganz blau.» Sie habe dann sofort den Notarzt gerufen. Die Schuld habe sie nicht eingestehen können.

Nebst dem Mord an ihren Kindern gesteht Bianca B. auch zwei vorgetäuschte Einbrüche in ihre Wohnung in Reichenburg. Ausserdem soll sie ihre Ex-Schwägerin bestohlen haben, indem sie mit ihrer Karte Geld abhob.

Am 26. März 2010 sprach das Zürcher Geschworenengericht die heute 39-jährige Bianca B. des mehrfachen Mordes an ihren Zwillingen schuldig und verurteilte sie zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Ein Motiv wurde im zweiwöchigen Prozess nicht erkennbar. Die gesamte Beweislage überzeugte aber das Geschworenengericht.

In der Nacht auf Heiligabend 2007 hatte Bianca B. gemäss Anklage die beiden Erstklässler Céline und Mario in ihren Betten erstickt. Um von sich als Täterin abzulenken, täuschte sie einen Einbruch vor.

Mutter strengte neuen Prozess an

Die Mutter, die bis heute ihre Unschuld beteuert, akzeptierte das Urteil nicht. Nach dem Prozess engagierte sie einen neuen Verteidiger und machte beim Zürcher Kassationsgericht geltend, sie sei ungenügend verteidigt gewesen.

Das Kassationsgericht rügte daraufhin mehrere gravierende Mängel im Plädoyer. Es hiess die Beschwerde gut, hob das Urteil auf und wies den Fall zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Weil das Geschworenengericht inzwischen abgeschafft wurde, ist nun das Bezirksgericht Horgen zuständig.

Die Verhandlung ist auf drei Tage angelegt: Den heutigen 12., und den 18. und 19. Dezember. Befragt werden die Beschuldigte sowie der inzwischen von ihr geschiedene Franz B., der Vater der Kinder. Dieser, anfänglich ebenfalls verdächtigt, wurde inzwischen als Täter ausgeschlossen. Der Psychiater, der beide Eltern begutachtet hatte, kommt ebenfalls nochmals zu Wort.

20 Minuten Online berichtet laufend vom Prozess

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alecia am 12.12.2012 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Worte 

    Für so was gibt es keine Worte!Seine eigenen Kinder töten einfach nur abscheulich.Wahrscheinlich war Sie phychisch krank wird dan gesagt dan ne Therapie.Sorry aber für so eine Tat gibt es keine Endschuldigung.

  • RolfK am 12.12.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verwahrung

    Diese Frau ist psychisch krank und gehört lebenslänglich weggesperrt! Es ist unfassbar, seine eigenen Kinder umzubringen.

  • regi am 12.12.2012 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    ab in den knast

    ich hoffe sie verdient die höchststrafe! wie krank muss man sein, um seine eigenen kinder zu töten? einfach nur abscheulich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • SabineH am 12.12.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Lebenslängliche Verwahrung

    Diese Kindermörderin gehört für immer weggesperrt! 3 Kinder auf dem Gewissen zu haben, unfassbar. Vielleicht werden es ja sogar noch mehr, will es aber nicht hoffen.

  • CélineO am 12.12.2012 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Eiskalte Dreifachmörderin

    Ihre drei eigenen Kinder umgebracht, unvorstellbare Abgründe tun sich hier auf. So jemand muss vielleicht krank sein.

  • RolfK am 12.12.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verwahrung

    Diese Frau ist psychisch krank und gehört lebenslänglich weggesperrt! Es ist unfassbar, seine eigenen Kinder umzubringen.

  • geschockt! am 12.12.2012 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geiermutter

    WIE KANN MAN NUR?!? als mutter zweier kinder zerreisst es mir das herz!!! mein beileid an den vater, möge er die kraft haben diesen unnötigen verlust zu überstehen!

  • Alecia am 12.12.2012 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Worte 

    Für so was gibt es keine Worte!Seine eigenen Kinder töten einfach nur abscheulich.Wahrscheinlich war Sie phychisch krank wird dan gesagt dan ne Therapie.Sorry aber für so eine Tat gibt es keine Endschuldigung.

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