Zürich

19. März 2014 18:46; Akt: 19.03.2014 20:25 Print

Zwei Betrüger nach Schubladen-Coup verurteilt

von Attila Szenogrady - In Winterthur wollten Profi-Trickbetrüger einen Schweizer um 240'000 Franken prellen. Dabei spielte ein in einem Möbelstück versteckter Kleinwüchsiger eine zentrale Rolle.

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So ähnlich wie dieses Möbel aus einem Fall aus der Region Genf im Dezember 2013 dürfte das gute Stück der international tätigen Betrügerbande beim missglückten Coup in Winterthur ausgesehen haben. (Bild: Grenzwache Genf)

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Der grosse Coup sollte am 12. April 2013 im Hotel Ibis in Winterthur stattfinden. Eine international tätige Betrügerbande hatte einen Schweizer Immobilienhändler zu einem lukrativen Devisengeschäft überredet. Demnach sollte der Kaufmann 240'000 Franken gegen 200'000 Euro eintauschen und dafür eine Provision von 10'000 Euro erhalten.

In Wahrheit ging es den gebürtigen serbischen Romas nur darum, dem Geschädigten falsche Euro-Noten anzudrehen und ihn auszunehmen.

«Napoleon» im Möbelstück versteckt

Die Betrüger gingen raffiniert vor, indem sie vor dem Treffen im reservierten Konferenzraum ein vorpräpariertes Möbelstück mit einem Hohlraum hineingeschmuggelt hatten. Darin versteckte sich ein kleinwüchsiges Mitglied der Bande. Der Mann namens «Napoleon» hatte von innen her Zugriff zu einer linken sowie zu einer rechten Schublade und nahm damit eine zentrale Rolle ein.

Zwei elegant gekleidete Betrüger nahmen den Geschädigten danach in Empfang und liessen ihn ein Bündel mit 40 echten 500-Euro-Noten abzählen. Dann gab das Opfer das Geld seinem Geschäftspartner zurück. Worauf dieser das Geld demonstrativ in die rechte Schublade des präparierten Möbelstücks legte und das vermeintlich nächste Bündel vorbereitete.

Dann schlug «Napoleon» zu. Er nahm die echten Noten heimlich aus der rechten Schublade und steckte sie flink ins linke Fach. Im Gegenzug füllte er die rechte Seite mit falschen Spielgeld-Euro-Scheinen auf. Wobei jeweils zuoberst eine echte Banknote à 500 Euro lag. Das Opfer bemerkte indessen nicht, dass es jedes Mal das gleiche Bündel abzählte.

«Napoleon» konnte entwischen

Doch die Betrüger hatten Pech. Nach dem neunten Tauschvorgang tauchte plötzlich die Polizei auf und nahm die beiden mutmasslichen Täter fest. Der misstrauische Geschädigte hatte vor dem geplanten Geschäft zur Sicherheit die Fahnder informiert.

Allerdings war die Polizeiaktion nicht nur von Erfolg gekrönt. Da die Beamten vom Hohlraum erst später erfuhren, konnte «Napoleon» in einem günstigen Augenblick das Möbelstück verlassen und sich vom Tatort absetzen.

Mit gleichem Trick bereits drei Millionen Euro erbeutet

Die Winterthurer Behörden mussten die Untersuchung gegen die beiden verhafteten Täter schon bald an die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat abgeben. Der Grund: Die mutmasslich gleichen Trickbetrüger hatten bereits im Dezember 2012 in einem Stadtzürcher Hotel ein gutgläubiges deutsches Ehepaar um drei Millionen Euro betrogen. Auch in diesem Fall hatten die Täter bei einem Tauschgeschäft mit einem ebenfalls präparierten Möbelstück aus Mailand operiert.

Allerdings konnten die Ermittler den gefassten Männern diesen Betrug nicht nachweisen. Dafür legten diese beim Winterthurer Versuch ein umfassendes Geständnis ab.

In Abwesenheit verurteilt

Am Mittwoch fand der Prozess gegen die beiden Betrüger am Bezirksgericht Zürich im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens statt. Beide Täter waren inzwischen aus dem Gefängnis entlassen worden und wurden nun in entschuldigter Abwesenheit von ihren Rechtsanwälten vertreten. Gemäss dem Urteilsvorschlag beider Parteien kassierte der heute 45-jährige serbische Haupttäter wegen versuchten Betrugs eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. 299 Tage hat er bereits verbüsst.

Sein heute 27-jähriger Komplize erhielt als Mittäter zehn Monate bedingt und 500 Franken Busse. Er hatte 62 Tage im Gefängnis abgesessen. Das Gericht liess die beschlagnahmte Barschaft von 22'500 Euro einziehen. Das Falschgeld von 502'000 Euro sowie die Tischkommode sollen dagegen vernichtet werden. Gemäss den Angaben eines Verteidigers haben die Fahnder inzwischen auch «Napoleon» ermittelt. Er soll sich noch in einem anderen Prozess vor Gericht verantworten.