Zürich-Werdinsel

22. Juli 2016 05:39; Akt: 22.07.2016 08:48 Print

Böötler in letzter Sekunde vor dem Wehr gerettet

Dramatische Szenen haben sich am Mittwochabend beim Hönggerwehr abgespielt, weil ein Böötler den Ausstieg aus der Limmat verpasst hat – kein Einzelfall dort.

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Wer sich mit dem Schlauchboot vom Escher-Wyss-Platz bis nach Dietikon die Limmat hinuntertreiben lassen will, muss den Fluss beim Hönggerwehr rechtzeitig verlassen – sonst kann das im schlimmsten Fall tödlich enden. Einem Böötler wurde dies am Mittwochabend fast zum Verhängnis.

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«Ich sah, wie ein Mann den Ausstieg verpasst hat und in Richtung Wehr trieb», sagt Augenzeuge A. Ein Passant habe daraufhin ein Seil ins Wasser geworfen. In letzter Sekunde konnte sich der Böötler festhalten und auf die Brücke gezogen werden. «Die Strömung war so stark – ich hatte wirklich Angst, dass er das Seil nicht erwischt», so A. Er war ebenfalls mit dem Boot unterwegs und kennt die Gefahr dort: «Ich steige deshalb immer schon vorher bei der Europabrücke aus.»

Boot landete in der Wasserwalze

Beim Hönggerwehr kommt es öfter zu gefährlichen Situationen. An schönen Sommertagen lassen sich Hunderte auf Booten im Fluss treiben – nicht wenige davon genehmigen sich unterwegs Alkohol. Am letzten Sonntag beobachtete auch R.N.* eine Frau und zwei Männer, die auf das Wehr zutrieben: «Sie sind zwar vom Boot ins Wasser gesprungen, um ans Ufer zu schwimmen.» Ein Typ habe aber versucht, das Boot noch hinter sich herzuziehen. «Als sie dem Wehr immer näher kamen, riefen die Leute am Ufer, dass er endlich das Boot loslassen solle», sagt N.

Die Stimmung an Land sei schon fast panisch gewesen, weil man nicht wusste, ob sie es schaffen würden. Der Mann habe dann zum Glück das Boot losgelassen. «Alle drei konnten sich im letzten Moment ans Gitter klammern», sagt N. Dort seien sie von den Leuten hochgezogen worden. Ihr Boot wurde das Wehr hinuntergeschwemmt und blieb in der Wasserwalze stecken. N. sagt: «Die Leute sahen nicht betrunken aus, sie waren wohl einfach ortsunkundig.»

Doppelt so schnell wegen des vielen Wassers

Für Ortsunkundige stellt das Wehr tatsächlich eine grosse Gefahr dar, findet auch S.M.* Er war am Sonntag ebenfalls mit dem Boot unterwegs: «Kenner halten sich nach dem Einstieg unterhalb des Escher-Wyss-Platzes stets links, so ist der Ausstieg vor dem Hönggerwehr locker zu schaffen.» Allerdings sei die Strömung momentan sehr stark. M: «Normalerweise braucht man für diese Strecke etwa 15 Minuten – wegen des hohen Wasserstandes ging es am Sonntag jedoch doppelt so schnell, das darf man nicht unterschätzen.»

Wegen der grossen Abflussmenge und der starken Strömung ist es schwieriger, den Ausstieg zu erwischen, bestätigt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Aber auch sonst sei das Wehr gefährlich: «Man kann sagen, dass es ein Gefahren-Hotspot ist.» Der rechtzeitige Ausstieg sei sehr wichtig, ansonsten könne es tödlich enden: «Wenn man in die Wasserwalze gerät, ist es sehr schwierig, wieder rauszukommen.» Die Polizei will deswegen zusätzliche Warnschilder an der Europabrücke anbringen.

«Wasserwalzen sind Todesfallen»

Philipp Binaghi, Sprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, weist ebenfalls auf die Gefahren von Wasserwalzen hin: «Ohne fremde Hilfe kommt man nicht mehr raus. Wehre sind Todesfallen.» Da das Wasser dort mit Luft angereichert werde, trage es keinen Schwimmer. Das bedeutet: Man geht unter. Zusätzlich entstehen Rotationsbewegungen wie in einer Waschmaschine. Die führen dazu, dass ein in das Wehr geratener Mensch nicht mehr rauskommt. Hinzu kommt: Wasserwalzen sind künstlich vom Mensch gebaut, der Rand ist gemauert. Binaghi: «Niemand kann da rausklettern.»

*Namen der Redaktion bekannt

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Purzelkaktus am 22.07.2016 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panik.

    Mir wird schon bei den Bildern und dem Gedanke unwohl. Gut, dass man ihn aufhalte konnte.

  • Tim am 22.07.2016 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Wen wunderts? Überall wird Werbung gemacht wie lustig es ist sich auf den Flüssen der CH treiben zu lassen. Das es fast überall sehr schnell sehr gefährlich werden kann liest man nirgends. Am besten ist der Tipp mit dem Rheinfallbecken. Wer da sein Schlauchboot ins Wasser wirft ist so gut wie tot. Da ist das Wehr wie ein Kindergeburtstag.

  • Rotes Gummiboot am 22.07.2016 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie beim Autofahren...

    ...da muss man auch nach vorne schauen! Wenn hier so ein Theater gemacht wird wegen Wehren, da müssten ja auch all die gefährlichen Kräuzungen und Brückenpfeiler auf den Strassen abgeschafft werden, DAS sind Todesfallen! Nein ernsthaft: Augen auch und vorausschauen beim bötlifahren!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Ball am 23.07.2016 01:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht wieder mehr Selbstverantwortung

    Leider wird die Selbstverantwortung immer mehr delegiert.

  • Max Alt am 22.07.2016 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine ausreichende Beschilderung

    Endlich werden mal neue Schilder angebracht! Die einzigen Schilder die frühzeitig vor dem Wehr warnen sind ca. 300m weiter vorne, auf deutscher Sprache zwischen dem Gestrüpp angebracht. Piktogramme sind erst an der Brücke des Wehrs selber angebracht. In einer Touristenstadt wie Zürich unverständlich.

  • Johnny Weissmüller am 22.07.2016 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Natürliche Aussiebung der Menschen

    Wer Gefahren nicht erkennen vermag, wird mit dem Leben bezahlen. Ein einfaches Naturgesetz, das die nicht-überlebensfähigen vor der Vermehrung hindert. Die rot-grünen Politiker sind der traurige Beweis, dass wir uns zu stark in die Naturgesetze einmischen.

  • Stefan am 22.07.2016 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Sogar auf dem Photo

    sieht man klar und deutlich das Fahrverbotsschild (Rot-weiss-rot) sowie das Blaue Gebotsschild "Rechts ausbooten". Wie kann man nur so blind sein.

  • Chris am 22.07.2016 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehr, Wasserstandregelung

    Bei der Werdinsel gibt es ein Elektrizitätswerk welches von einem geregelten Fluss Niveau abhängig ist. Somit dient dieses Wehr der Wasserstandsregelung.