Zürcher Stadtrat

03. Mai 2017 17:30; Akt: 03.05.2017 17:32 Print

Stadt beantragt mehr Geld – wegen Gammelhäusern

Zusatzkredite von insgesamt 40 Millionen Franken hat der Zürcher Stadtrat in einer ersten Serie beantragt. Höhere Ausgaben gibt es unter anderem wegen den umstrittenen Gammelhäuser.

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Das sind zwei der drei sogenannten Gammelhäuser, die der Zürcher Stadtrat Anfang Februar 2017 für total 32,3 Millionen Franken gekauft hat. Die beiden Häuser sind seit Mitte Januar geschlossen und verbarrikadiert. Zuvor herrschten in beiden Gebäuden «inakzeptable Zustände», wie der Stadtrat es formuliert hat. Hier der Blick am 4. Januar in eines der Zimmer. Überall am Boden liegt Unrat, es hat unzählige Spritzen und Blutflecken. Die Häuser gehörten Peter S.* Er und drei seiner Mitarbeiter - darunter der Hauswart - wurden im Herbst 2015 vorübergehend festgenommen. Verhaftet wurden die vier wegen des Verdachts auf Mietwucher. Am Dienstagmorgen, 20. Oktober 2015, hatte die Polizei die Neufrankengasse abgesperrt und die Bewohner der beiden Hausnummern 6 und 14 sowie eines Hauses an der Magnusstrasse befragt. So sah es im Treppenhaus der Hausnummer 14 am Tag der Polizeikontrolle am 20. Oktober aus – überall lag Abfall herum. Die Türen, auch jene des Lifts, waren teils demoliert. Der 43-jährige Ljubisa Grulovic wohnte damals in einer angeblichen Eineinhalbzimmer-Wohnung mit rund 15 Quadratmetern im dritten Stockwerk und bezahlt dafür 1100 Franken im Monat. Die Wohnung ist vermutlich Teil einer einst grösseren Wohnung - daraus wurden später zwei. Denn die Küche hier scheint nachträglich eingebaut worden zu sein und verfügt bloss über zwei mobile Herdplatten. Nicht einmal ein Spülbecken hat es. Auf der anderen Seite des Gangs, der die Küche sein soll, gibt es lediglich dieses kaputte Lavabo. Dieses gehört aber eigentlich ... ... zur Dusche und dem WC daneben. Die Duschkabine ist voller Essensreste, da ja das Lavobo kaputt ist. Blick in das Badezimmer einer anderen Wohnung. Andreas Widmer wohnte damals in der Neufrankengasse 6 – für seine 1-Zimmer-Wohnung bezahlt er ebenfalls 1100 Franken. Die Kosten übernimmt das Sozialamt. In seinem Badezimmer ist das Lüftungsrohr zum Schutz vor Ungeziefer zugeklebt. Nebst Sozialhilfeempfängern, Drogensüchtigen und Prostituierten lebten auch Familien hier: Sharmin Akther mit Sohn Saifan Khan in ihrer Wohnung an der Neufrankengasse 6. «Hier werden keine Drogen verkauft!» Warnhinweise an einer Wohnungstür. Nach der Razzia sah es in den Häusern an der Neufrankengasse ordentlicher aus. Ein neuer Hauswart putzte. Vorher lagen hier überall Zigarettenstummel und teilweise auch Spritzen herum. Ein Sanierungsfall blieb die Liegenschaft gleichwohl. Auch im Keller war es nach dem Eingreifen der Polizei ordentlicher.

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Der Zürcher Stadtrat beantragt dem Gemeinderat in einer ersten Serie Zusatzkredite in der Höhe von insgesamt 40 Millionen Franken. Höhere Ausgaben fallen in der Laufenden Rechnung unter anderem an wegen der «verzugslosen Renovation» der per umstrittenem Dringlichkeitsbeschluss gekauften Gammelhäuser. Die Renovation der Liegenschaften Neufrankengasse 6 und 14 schlage mit 2,5 Millionen Franken zu Buche, teilte der Stadtrat am Mittwoch mit.

900'000 Franken mehr benötige die Stadtreinigung. Diese hat einen milden Winter budgetiert, und das erwies sich schnell als falsch. Durch die vermehrten Winterdienst-Einsätze im Januar sei das Budget der Stadtreinigung für den Winterdienst nämlich bereits aufgebraucht.

Grösser Posten: Neue Verbuchungspraxis beim ERZ

In der Investitionsrechnung führt die Beschaffung eines Gehörschutzsystems mit Kommunikationsintegration für den Ordnungsdienst der Stadtpolizei zu Mehrausgaben. Diese betragen 1,8 Millionen Franken.

Den grössten Brocken bildet jedoch die ab 2017 neu angewandte Verbuchungspraxis im Geschäftsbereich Abwasser von ERZ Entsorgung Recycling Zürich. Sie führt zu einer erheblichen Kreditübertragung, nämlich einerseits zu einer Belastung von 32,9 Millionen Franken im Investitionskonto, und andererseits aber auch zu einer Entlastung in der Laufenden Rechnung von 32,5 Millionen Franken.

Stadt kauft Gammelhäuser


Rundgang durch die Gammelhäuser

Räumung der Gammelhäuser


(SDA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas 73 am 03.05.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich....

    Dieser Dilettantismus. Wenn dieser Winter schneereich und streng war, dann frage ich mich, was denn ein richtiger Winter ist. Ein neues Rechnungssystem einführen welches so ungeplant zu buche schlägt, macht ist für mich unverständlich und fassungslos. Dann kommen noch die Gammelhäuser, welche ungefragt und eigenmächtig zu überteuert gekauft wurden, treibt mich zur Weissglut. Gratis Tip, Migrowägeli holen und damit die Steuergelder gleich in die Limat kippen, das Geld ist so auch weg aber wenigstens kein Schrott gekauft.

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  • Zürcherin am 03.05.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähige Stadtregierung mit zu hohen Löhnen

    Das ist wieder eine Frechheit sondergleichen.Der Stadtrat macht was er will!Es wäre an der Zeit beim ERZ anständigere Löhne zu bezahlen.Für Fr.4000.-kann ein Familienvater kaum überleben,obwohl diese Männer täglich unsere Stadt sauberhalten.

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  • wucher am 03.05.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    skandal

    ich verstehe nicht wiso die stadt den eigentümer dieser häuser nicht einfach enteignet hat. wäre viel billiger gekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas am 04.05.2017 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Gewinn privatisieren und Verlust sozialisieren. Auch mit den Gammelhäusern wird diese Masche durchgezogen.

  • Schnabias am 04.05.2017 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rot-grüne Ökonomie

    Die Investitionspolitik von GRAL kann man lediglich als Witz titulieren. Ob da nur einer dieser Entscheidungsträger eine kaufmännische Ausbildung hat, ist zu bezweifeln. Eher bewahrheitet sich meine Theorie, dass vor allem die Meinung vorherrscht, dass das Geld wie Manna vom Himmel fällt, um anschliessend mit der grossen Schaufel zum Fenster hinaus geschmissen zu werden. Ein privatwirtschaftlicher Betrieb wäre längst pleite und der Besitzer wegen betrügerischen Konkurses hinter Schloss und Riegel.

  • Ausgehviertel-Nebenkosten am 04.05.2017 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    a propos Reinigung...

    Wie wäre es, wenn die Stadt die Reinigungskosten für die Ausgehviertel den Bars, Klubs und Kiosks belastet? Unglaublich, was da am Wochenende immer auf der Strasse landet. Einerseits die ganzen Alkoholika-Behälter, anderseits die ganzen Zigarettenstummel (damit niemand zum Rauchen animiert wird, dürfen anscheinende keine Aschenbecher vor Bars und Clubs aufgestellt werden. Und auch wenn's jeweils sehr schmutzig ist: Es leuchtet mir nicht ein, weshalb gleich mehrmals gereinigt wird. Das erste Mal um 4 (nachtruhe hat hier eh niemand...) und dann im Laufe des Morgens miestens noch 1 bis 2 Mal.

  • L T am 03.05.2017 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antrag stattgeben und mehr Steuern bezahlen

    Ist doch egal, die Zürcher Bevölkerung hat ja eine Linke Regierung gewählt und für die Gammelhäuser müssen die Zürcher ja selber Steuern bezahlen. Also lassen wir sie Ihren Stumpfsinn machen.

  • Thomas Krieger am 03.05.2017 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalismus

    Skandalös wie kann man nur das zu lassen einfach nicht fair.