Neonazi vom Niederdorf

07. Mai 2012 17:40; Akt: 03.07.2012 19:16 Print

Wollte Sebastien N. zu seiner Freundin?

von Annette Hirschberg - Nach den Schüssen im Zürcher Niederdorf floh Sebastien N. nach Hamburg. Dort hat er Beziehungen in die gewaltbereite rechte Szene. Auch an einschlägigen Demos nahm er schon teil.

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Im Rahmen einer international angelegten Razzia am 17. Juli 2013 in der Schweiz, in Deutschland und in den Niederlanden wurde auch die Gefängniszelle des Schweizer Neonazis Sebastien N. durchsucht. Die Behörden ermitteln gegen ein internationales rechtsextremes Terrornetzwerk. Der 24-jährige Sebastien N. (r.), der vermutlich am 5. Mai 2012 im Zürcher Niederdorf auf einen 26-Jährigen schoss und diesen schwer verletzte, wurde Anfang Mai 2012 in Hamburg verhaftet und später an die Schweiz ausgeliefert. In Hamburg hat der Schweizer seit vielen Jahren beste Beziehungen zur rechtsradikalen Szene der Stadt. Die Aufnahmen hier stammen vom 1. Mai 2008, als Sebastien N. in Hamburg an einer rechtsradikalen Demonstration teilnahm. Unter dem Motto «Arbeit und soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen - Gemeinsam gegen Globalisierung!» hatte die NPD die äusserste Rechte Deutschlands nach Hamburg gerufen. 1500 Rechtsradikale und Tausende Gegendemonstranten reisten an. Zusammen mit Sebstien N. war auch sein Kumpel und Gesinnungsgenosse Jonas Schneeberger an jenem 1. Mai in Hamburg. Beide hatten gute Verbindungen zur Weisse-Wölfe-Terrorcrew. Die Fangruppierung einer rechtsradikalen Rockband gilt als gewaltbereite und aggressive Neonazi-Truppe. Jonas Schneeberger war medial bekannt geworden, weil er sich 2011 von den Schweizer Demokraten für die Nationalratswahl aufstellen liess. Drei Wochen vor der Wahl am 23. Oktober 2011 wurde seine braune Gesinnung bekannt, als dieses stossende Foto von Schneeberger aus der KZ-Gedenkstätte Buchenwald publiziert wurde: Vor den Opfern der Nazizeit hebt er den Arm zum Hitlergruss. Zusammen mit Schneeberger hatte Sebastien N. zudem im September 2006 in Grenchen einen Jugendlichen angegriffen. Insgesamt werden dem heute 24-jährigen Sebastien N. 42 Delikte zur Last gelegt. Dazu gehören Angriff, Köperverletzung, Raufhandel, Rassendiskriminierung und Drohung gegen Beamte. Seit den frühen Morgenstunden des Samstags, 5. Mai 2012, als Sebastien N. mutmasslich auf einen 26-jährigen Mann geschossen hat, ist ein Tötungsversuch hinzugekommen. Dem 24-Jährigen, der bereits zu 39 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, droht nun eine lange Haftstrafe.

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Nachdem in der Nacht auf Samstag ein Mann im Zürcher Niederdorf auf einen 26-Jährigen geschossen und diesen schwer verletzt hatte, gab die Zürcher Polizei am Sonntagnachmittag den Namen des mutmasslichen Täters heraus: Sebastien N., ein bekennender Neonazi und vorbestrafter Gewalttäter. Als dieser davon Wind bekam, muss er sich sofort nach Deutschland abgesetzt haben: Er nahm zwischen 17 und 18 Uhr einen Zug in Richtung Hamburg. Dort wurde er in den frühen Morgenstunden am Bahnhof Hamburg-Harburg festgenommen.

In Norddeutschland hat Sebastien N. spätestens seit dem 1. Mai 2008 gute Freunde in der rechtsradikalen Szene. Damals hatte die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bundesweit zu einer Demonstration unter dem Motto «Arbeit und soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen – Gemeinsam gegen Globalisierung!» aufgerufen. 1500 Rechtsradikale und Tausende Gegendemonstranten reisten an. Der 1. Mai 2008 entwickelte sich in Hamburg zu einem der gewalttätigsten in der Geschichte der Stadt mit stundenlangen Strassenschlachten, 20 verletzten Polizisten und 250 festgenommenen Demonstranten. Mittendrin: Sebastien N. und sein Kumpel Jonas Schneeberger.

Hitlergruss in KZ-Gedenkstätte

Schneeberger wurde medial bekannt, weil kurz vor den Nationalratswahlen - für die er als Miglied der Schweizer Demokraten kandidierte - ein Bild auftauchte, auf dem er in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald vor einem Bild mit Opfern des Nationalsozialismus den Arm zum Hitlergruss erhebt. Im September 2006 war Schneeberger aufgefallen, als er mit mehreren Rechtsradikalen - darunter auch Sebastien N. - einen Jugendlichen in Grenchen angriff und verletzte.

In Hamburg hatten Sebastien N. und Schneeberger Kontakt zur «Weissen Wölfe Terrorcrew», einer aggressiv auftretenden und gewaltbereiten Neonazi-Truppe. Ursprünglich gegründet als Fanclub der rechtsradikalen Band «Weisse Wölfe», fiel sie schon bald durch Gewalttaten auf. Mehrere Mitglieder der Gruppe lieferten sich etwa eine Auseinandersetzung mit türkischstämmigen Personen oder belästigten und schlugen eine Afrikanerin.

Freundin oder gute Beziehungen in Hamburg

Gemäss unbestätigten Informationen soll Sebastien N. in ebendiesen Kreisen eine Freundin haben. Um umzusteigen und zu ihr zu fahren, könnte er in Hamburg-Harburg ausgestiegen sein. Vielleicht wollte er auch bei anderen Neonazi-Kollegen untertauchen. Harburg gilt wie das Arbeiterviertel Bramfelds in Hamburg als Quartier mit grossem Neonazi-Netzwerk.

Sebastien N. hoffte vermutlich, in Deutschland der drohenden Haft zu entgehen. Dagegen hatte er sich schon bisher mit allen Mitteln gewehrt: Eine Gefängnisstrafe von 40 Monaten und 20 Tagen, zu der er im Mai 2010 vom Solothurner Amtsgericht verurteilt wurde, hat er durch alle Instanzen durch bekämpft. Sie ist derzeit vor Bundesgericht hängig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cs am 07.05.2012 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange bekannt, tja

    Ist ja toll liebes bundesgericht, seit 2010 bleibt es bei euch hängen?? Muss schon eine schussverletzung geschehen, dass es dann nun endlich im schneckentempo weitergeht? Weiss nicht warum gerichtliche entscheide so lange dauern, gesetze über gesetze. Ist nun mir eigentlich egal ob der links oder rechts oder was auch immer ist. Er soll dafür die richtige strafe bekommen.

  • Marc Hubertus am 07.05.2012 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was für

    Parolen und Lösungen hat die SVP für solche Täter!?

  • schweizer rechtssystem am 07.05.2012 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich 

    Das ist einfach unglaublich da sind wieder einmal die behörden schuld weil sie so lange warten bis sie massnahmen ergreifen! Diesen schuss auf den mann in zürich hätte man so leicht verhindern können

Die neusten Leser-Kommentare

  • schweizer rechtssystem am 07.05.2012 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich 

    Das ist einfach unglaublich da sind wieder einmal die behörden schuld weil sie so lange warten bis sie massnahmen ergreifen! Diesen schuss auf den mann in zürich hätte man so leicht verhindern können

  • Marc Hubertus am 07.05.2012 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was für

    Parolen und Lösungen hat die SVP für solche Täter!?

  • Cs am 07.05.2012 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange bekannt, tja

    Ist ja toll liebes bundesgericht, seit 2010 bleibt es bei euch hängen?? Muss schon eine schussverletzung geschehen, dass es dann nun endlich im schneckentempo weitergeht? Weiss nicht warum gerichtliche entscheide so lange dauern, gesetze über gesetze. Ist nun mir eigentlich egal ob der links oder rechts oder was auch immer ist. Er soll dafür die richtige strafe bekommen.