Zürich

07. September 2014 13:53; Akt: 10.09.2014 15:58 Print

Polizei verhaftet chinesischen Meisterdieb

Die Zürcher Kantonspolizei hat einen international gesuchten Trickdieb gefasst, der Schmuck im Wert von 1,8 Mio. Franken gestohlen haben soll. Seinen Komplizen liess man ziehen.

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Überwachungsaufnahmen zeigen «Meng» (links) und sein Komplize beim Besuch einer Bijouterie an der Zürcher Bahnhofstrasse am 28. August. (Bild: ho)

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Adrett gekleidet betraten die beiden Chinesen am Donnerstag, dem 28. August die besten Juweliergeschäfte an der Zürcher Bahnhofstrasse: Sie gaben sich als schwerreiche Geschäftsleute aus und liessen sich die teuersten Schmuckstücke zeigen. Doch anstatt diese zu kaufen, sollten sie diese in einem unbemerkten Moment mitgehen lassen. Denn die Chinesen sind Meister ihres Fachs und gehören zu den meistgesuchten Juwelendieben der Welt. Interpol fahndet seit November 2013 mit einem internationalen Haftbefehl nach einem der Männer namens «Jianguo Meng», wie die «Sonntags-Zeitung» schrieb.

In den letzten zwölf Monaten soll er in Bijouterien umgerechnet über 1,8 Millionen Franken Schaden hinterlassen haben. In London, Bahrain, Wien, Antwerpen und Berlin gelang es ihm, teuren Schmuck zu stehlen. In Hamburg, München und Paris zog er ohne Beute ab, ebenso am 28. Mai in Genf. Laut Martin Winckel vom internationalen Juwelier-Warndienst in Lünen (D) gehört Meng international zu den Top Ten der Juwelendiebe. «Er ist ein Profi, hat ein gutes Auge für wertvollen Schmuck. Meistens arbeitet er mit einem oder zwei Komplizen.» Der Zürcher Begleiter «Mengs» etwa soll bei Trickdiebstählen mit Beute im Wert von über 600'000 Franken geholfen haben.

Chinese wird am Hauptbahnhof gefasst

Am vergangenen Montag hatten die Trickdiebe jedoch Pech. Schon in der zweiten ­Bijouterie erkannte ein Mitarbeiter «Meng». Ein privater Sicherheitsdienst und Zivilpolizisten nahmen an der Zürcher Bahnhofstrasse die Verfolgung auf. Im Hauptbahnhof nahm die Kantons­polizei die beiden Chinesen fest. Laut Communiqué hält die Polizei die Uhren der beiden für «wahrscheinliches Diebesgut». Für «Meng» liegen dem Bundesamt für Justiz laut Sprecher ­Folco Galli über Interpol mehrere internationale Haftbefehle vor.

Am Tag nach seiner Verhaftung wurde «Meng» nach Luzern überführt: Am 17. Mai 2012 soll er dort einen Trickdiebstahl versucht haben. «Er befindet sich in Haft. Das Zwangsmassnahmengericht hat drei Monate Untersuchungshaft bewilligt», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Strafverfolgungs­behörden. «Meng» ist nicht geständig. Laut Kopp hat Bahrain per Interpol-Meldung bereits die Auslieferung beantragt.

Komplize ist auf freiem Fuss

«Mengs» mutmasslicher Komplize dagegen ist auf freiem Fuss. Nach der Festnahme in Zürich liess ihn die Staatsanwaltschaft noch am gleichen Tag ziehen – obwohl ihm die Polizei eine mutmasslich gestohlene Uhr abgenommen hat und Aufnahmen aus Kuala Lumpur, Hamburg und Antwerpen ihn bei Trickdiebstählen zeigen. «Der zweite Mann ist kurz nach der Verhaftung freigekommen», bestätigt Corinne Bouvard, Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft. «Es gab keine konkreten Hinweise auf ein deliktisches Verhalten.»

Juwelendieb-Jäger Winckel ärgert sich. «Das führt sämtliche Arbeiten meines Dienstes wie auch jene der Polizei in der Schweiz und allen betroffenen Ländern ad absurdum und tritt die Kriminalprävention mit Füssen.» Eine Woche nach der Freilassung sucht die Polizei wieder nach dem mutmasslichen Komplizen. Die Luzerner Behörden haben ihn zur Festnahme ausgeschrieben.

(som)