Verhaftungen bei An'Nur

22. Februar 2017 13:10; Akt: 22.02.2017 13:10 Print

«Sie drohten, ihm den Kopf abzuschlagen»

Es gibt verschiedene Versionen darüber, was bei der Attacke in der An'Nur-Moschee passiert ist. Einem der Opfer drohten die Angreifer angeblich mit der Enthauptung.

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Die Polizei hat am Dienstag in Winterthur zehn Personen verhaftet, die zwei Personen eingeschlossen, geschlagen und misshandelt haben sollen. Sie seien beschuldigt worden, Informationen an den Journalisten Kurt Pelda weitergegeben zu haben. Der ehemalige Vereinspräsident sagte zu 20 Minuten, Pelda habe zwei Spione dafür bezahlt. Der Journalist konterte auf Anfrage: «Ich beschäftige und bezahle keine Spione.»

Jemand, der in eine Moschee gehe, sei kein Spion, ergänzt Pelda im Talk Täglich von Tele Züri. «Sie sind der Moschee gegenüber nicht verpflichtet. Es ist vielleicht sogar ihre Pflicht, es nach aussen zu tragen, wenn sie sehen, dass radikale Dinge passieren.»

An'Nur-Moschee gilt als Anlaufstelle für IS-Sympathisanten

Er habe mit dem Anwalt der Opfer gesprochen, erzählt Pelda weiter. Die beiden seien geschlagen und bespuckt worden. Die Misshandlung sei zudem gefilmt worden. «Einem hat man gedroht, ihm den Kopf abzuschlagen», so Pelda. «Man hat ihm gesagt: ‹Dein Blut ist so dreckig, das vergiessen wir nicht hier in der Moschee, wir schneiden dir den Kopf woanders ab.›»

In der Sendung erklärt Pelda, dass es höchste Zeit für einen Schlag gegen die Szene gewesen sei. «Wenn das stimmt, was die Staatsanwaltschaft schreibt, dann sind hier zwei Menschen in einem Gotteshaus schwerstens misshandelt worden. Und das können wir in der Schweiz einfach nicht akzeptieren.» Rund zwei Dutzend Mitglieder der Szene könne man als radikal bezeichnen. Pelda selbst hält fast alle Vorstandsmitglieder des Vereins, die beim Freitagsgebet das Sagen hätten, für radikal. Unter Jihad-Sympathisanten gelte die Moschee in Winterthur als Anlaufstelle.

Opfer sollten Code für Handy herausrücken

Die meisten der zehn Verhafteten seien integriert und könnten Schweizerdeutsch sprechen. «Sie wollen Probleme machen, sie sind sich dessen bewusst und sie hassen unseren Staat», so Pelda. Laut dem «Tages-Anzeiger» soll es sich bei den Festgenommenen um den ehemaligen Imam, dessen Sohn, einen italienischen Konvertiten, einen Nordafrikaner, einen Afghanen und zwei Brüder mit Wurzeln in der Türkei handeln. Über die restlichen Verhafteten ist nichts bekannt.

Laut der Zeitung soll der Ex-Imam die Beteiligten zu beruhigen versucht haben, als diese den Opfern drohten. Es sei auch ein Messer im Spiel gewesen. Die Opfer sollten den Code ihrer Mobiltelefone verraten, damit ihre Peiniger den Kontakt zu Pelda nachweisen konnten.

Politik soll handeln

Gemäss dem ehemaligen Vereinspräsidenten hingegen wurden die Opfer nicht verletzt. Ein Bekannter eines der Opfer sagt jedoch zum «Landboten», es habe eine Gehirnerschütterung erlitten. Ein Insider sagt der Zeitung zudem, dass gemässigte Moscheengänger regelmässig bedroht würden. Sie versuchten zwar, den Verein in eine andere Richtung zu lenken, fänden dafür aber auch von aussen kaum Unterstützung. Ein Austritt aus der Gemeinschaft sei schwierig: «Solche Leute würden sofort als Verräter an den Pranger gestellt», so der Informant.

Auch Pelda warnt vor der Gefahr, die von den radikalen Vereinsmitgliedern ausgeht. Er fordert die Politik zum Handeln auf. Man müsse ein Zeichen setzen. Ausserdem müssten Zeugen in dem Fall Schutz erhalten. Denn wahrscheinlich würden die meisten Verhafteten bald wieder frei gelassen.

(vro)