Ehedrama in Moschee

02. März 2016 08:01; Akt: 03.03.2016 00:26 Print

«Dass er seine Frau so verletzt, schockiert uns»

Ein 40-Jähriger hat am Dienstagabend in Nänikon versucht, seine Frau zu überfahren. Sie flüchtete in eine Moschee, wo er sie zu erstechen versuchte. Er wurde verhaftet.

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Bei einem Tötungsversuch in Nänikon (Gemeinde Uster) ist am Dienstagabend eine Frau schwer verletzt worden. Es begann mit einem Streit kurz vor 19 Uhr: Ein 40-jähriger Schweizer mit irakischer Herkunft versuchte an der Zürichstrasse seine 38-jährige Frau mit dem Auto zu überfahren, wie die Kantonspolizei am Mittwoch mitteilte.

Diese konnte sich in die nahegelegene Moschee flüchten. Dort wurde sie von ihrem Mann eingeholt und mit einem Messer schwer, jedoch nicht lebensgefährlich am Oberkörper verletzt.

Mann konnte verhaftet werden

Während der mutmassliche Täter flüchtete, wurde das Opfer von Angehörigen der Kulturgemeinschaft bis zum Eintreffen der Rettungssanität betreut. Im Verlauf der grossangelegten Fahndung konnte der Schweizer gegen 20.30 Uhr in der Stadt Zürich angehalten und verhaftet werden.

Die Kantonspolizei Zürich und die Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte untersuchen nun laut Mitteilung den genauen Tathergang und das Motiv. Zudem standen die Stadtpolizei Uster sowie Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich (FOR) im Einsatz.

«Unser Imam hat der Frau das Leben gerettet» (Video: Camille Kündig / Vroni Fehlmann)

Paar hat zwei Kinder

Der Mann war bisher polizeilich nicht bekannt, wie ein Sprecher der Kantonspolizei zu 20 Minuten sagte. Das Paar lebt in der Region und hat zwei Kinder. Diese werden derzeit betreut.

Die Anwohner scheinen nicht allzu viel vom Vorfall mitbekommen zu haben. «Ich habe mich nur gewundert, wieso so viele Polizeiautos vorfuhren», sagt eine Frau. Ein anderer Mann hat ein mulmiges Gefühl: «Ich sah, wie die Frau mit Hilfe der Sanitäter noch allein zum Krankenauto gehen konnte.» Dass es ausgerechnet hier zu massiver Gewalt kam, beunruhigt ihn: «Sonst passiert das doch immer woanders.»

«Dass sie zu uns geflüchtet ist, ist purer Zufall»

Ein anderer Anwohner findet es schön, dass die verletzte Frau in der Moschee betreut wurde: «Gerade in Zeiten, in denen Moscheen oft in der Kritik stehen, ist das eine gute Nachricht.»

Bis kurz vor Mittag war vor der türkischen Moschee ein Putzinstitut mit den Reinigungsarbeiten beschäftigt. Sekretär Nedim Coskun sagt auf Anfrage, dass man das Paar in der Gemeinde nicht kennt: «Bei uns verkehren vor allem Türken.» Er vermutet, dass die Frau beim geschlossenen Bahnübergang in der Nähe aus dem Auto ausgestiegen ist und sie der Mann dort überfahren wollte: «Ich glaube, es war purer Zufall, dass sie zu uns geflüchtet ist.»

Imam leistete erste Hilfe

Wie die Frau in der Moschee mit dem Messer verletzt wurde, habe man nicht gesehen, erzählt der Imam Abdullah Firat: «Es waren nur wenige Personen da.» Ein Gemeindemitglied habe ihn gegen halb acht Uhr informiert, dass eine Frau im Treppenhaus liege: «Sie hatte Stichwunden am Hals und blutete.» Um die Blutungen zu stoppen, habe er ihr ein Tuch um den Hals gewickelt. Der Sekretär habe dann die Rettungskräfte verständigt. Den Ehemann hat der Imam aber nicht gesehen. Er sei zu diesem Zeitpunkt schon verschwunden gewesen.

Die Gemeindemitglieder sind froh, dass die Frau überlebte, sagt Sekretär Coskun: «Dass ein Mann seine Frau aber derart verletzt, schockiert uns zutiefst.» Gewalt gegen Frauen sei im Islam verboten: «Wir können nur hoffen, dass er hart bestraft wird.»


*In einer ersten Mitteilung teilte die Kantonspolizei Zürich mit, dass es sich beim Ehepaar um Iraker handelt. Inzwischen hat sich laut der Kapo herausgestellt, dass sie eingebürgert wurden und einen Schweizer Pass besitzen.

(som/vro)