Pfäffikon ZH

20. Oktober 2017 13:30; Akt: 20.10.2017 13:30 Print

Kirche verbietet WG, Flüchtling aufzunehmen

Eine Wohngemeinschaft wollte einen Beitrag zur Integration leisten und einen Flüchtling aufnehmen. Doch ihre Vermieterin, reformierte Kirchgemeinde, pfiff sie zurück.

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Die reformierte Kirchgemeinde Pfäffikon vermietet auch Wohnungen. (Bild: Google Streetview )

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Eine neunköpfige Wohngemeinschaft in Pfäffikon ZH lud im Mai auch Asylsuchende zum Mitbewohner-Casting ein. Bei einem jungen, vorläufig aufgenommenen Mann aus Eritrea stimmte die Chemie sofort. Doch die Vermieterin, die reformierte Kirchgemeinde Pfäffikon, machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Im Mietvertrag hielt sie sogar fest, dass der Einzug für Asylbewerber grundsätzlich verboten ist.

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Für die Wohngemeinschaft unverständlich. Denn laut Bewohnerin Eva Wrubel wurden Ein- und Auszüge bisher völlig unkompliziert und locker gehandhabt. «In den vergangenen Jahren haben diverse Leute aus der Region, aber auch aus verschiedenen Ländern in der WG gewohnt – sie wurden von der Vermieterin problemlos akzeptiert», sagt sie zum «Zürcher Oberländer».

«Gemeindekasse nicht belasten»

Doch die Vermieterin hat gegenüber der WG plötzlich neue Argumente vorgebracht: Der Wohnraum sei für junge Leute in Ausbildung gedacht und man wolle mit dem Zuzug eines Asylsuchenden aus einer anderen Gemeinde die Pfäffiker Gemeindekasse nicht zusätzlich belasten. Auch äusserte man Bedenken darüber, den Mann später nicht mehr aus der WG herauszubekommen.

Laut der Präsidentin der Kirchgemeinde, Margrit Hugentobler, wurde das emotionale Thema in der Behörde lange diskutiert. Details kann sie jedoch nicht nennen. Ihr sei klar, dass dieser Entscheid für die Betroffenen bitter und nicht nachvollziehbar sei. «Aber er wurde so gefällt und an ihm wird in den nächsten Monaten auch festgehalten.» Das Thema sei jedoch nicht für immer vom Tisch.

Flüchtlings-Quote erfüllt

«Vorerst engagieren wir uns als Kirchgemeinde anderweitig», sagt Hugentobler. Etwa mit Deutschkursen, einem Spieltreff, Geldern oder privatem Engagement der Mitglieder. «Uns ist bewusst, dass man im Vergleich zu anderen Kirchgemeinden am Engagement noch arbeiten kann.»

Viele Einwohner und die katholische Kirchgemeinde von Pfäffikon äusserten gegenüber der Zeitung ihr Unverständnis über den Entscheid. Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma sagt jedoch, dass die Gemeinde an einem weiteren Flüchtling nicht interessiert sei. «Es wäre tatsächlich eine zusätzliche Belastung für die Gemeinde, da wir die Kosten übernehmen müssten.» Was die derzeitige Anzahl Flüchtlinge in der Gemeinde anbelange, habe Pfäffikon die Quote erfüllt.

(20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • COL am 20.10.2017 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vermieter

    Da gint es von den Mietern gar nichts einzuwenden. Fakt ist, der Vermieter darf noch immer entscheiden wer in seiner Wohnung wohnt und das ist richtig so! Da muss man nicht gleich zur Presse mit!

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  • Kevin am 20.10.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    keine Diskussion nötig.

    was gibt es da zu diskutieren? im Mietvertrag ist dieser fall ja anscheinend klipp und klar ausgeschlossen. die Kirchgemeinde ist niemandem Rechenschaft über diesen entscheid schuldig. sonst ist die Bevölkerung auch immer froh, wenn die gemeinde so wenig Flüchtlinge wie möglich aufnimmt.

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  • Simba74 am 20.10.2017 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meine Meinung

    find ich gut....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lidia am 06.11.2017 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Eine richtige Entscheidung, Bravo!

  • terra am 05.11.2017 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leidiges Thema

    Ach ja das leidige Thema von Flüchtlingen und Wohnungen. Ich bin ja grundsätzlich offen gegenüber diesen Wohnungsinteressenten, jedoch hatte ich bisher nur Probleme mit Ihnen. Ich verwalte für unsere Erbgemeinschaft 3 Häuser beziehungsweise 7 Wohnungen. Ich hatte bisher 4 Bewohner mit Migrationshintergrund und ich durfte bei drei dieser Mietern die Wohnung komplettsanieren. Es wurde geraucht, nie gelüftet usw. Es gab sogar einen der hat ohne pfanne die Herdplatte benutzt.... Das solche komplettsanierungen die Kaution mehr als übersteigt und man nicht mehr aus Ihnen rausbekommt macht das ganze für Vermieter zu einem Risiko das sie zu umgehen versuchen. Ich für meinen Teil gebe Ihnen nur eine Chance wenn sehr viele Punkte erfüllt werden. zB längere Zeit angestellt in einer Firma, die Dauer des letzten Mietverhältnisses sollte auch über einem Jahr liegen usw.

  • Mandala am 05.11.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektieren oder Kündigung der WG einreichen....

    Diese WG sollte die Richtlinien und Entscheidungen der Vermieter respektieren! Das Gegenteil finde ich eine Frechheit. Flüchtlinge in eine Studenten-WG passt einfach nicht zusammen. Und die Gemeinde Pfäffikon sollte nicht zusätzlich belastet sein. Es ist schon genug die Sozialhilfe Belastung die alle Gemeindekassen tragen müssen

  • Chiara am 25.10.2017 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begreiflich

    Er bleibt der Gemeinde für immer auf der Kasse sitzen.

  • Piitsch am 23.10.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Quote vor Menschlichkeit

    Die Quote geht natürlich vor...