Zürcher Obergericht

11. Mai 2012 15:38; Akt: 11.05.2012 15:42 Print

1.-Mai-Amok-Fahrer erneut verurteilt

von Attila Szenogrady - Der Amok-Fahrer vom 1. Mai 2008, der sich drei Jahre später eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte, kommt nicht frei. Das Zürcher Obergericht hat ihn schuldig gesprochen.

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Diese Aufnahmen gingen um die Welt - das Geschworengericht Zürich verurteilte D.B.* für die Tat zu sieben Jahren Haft (Video: «Tele Züri»). Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Das Amateur-Video vom 1. Mai 2008 schockierte die ganze Schweiz. Der Film zeigte auf, wie ein weisser Personenwagen bei der Langstrasse in eine Menschmenge hineinfuhr und gleich drei Passanten überrollte. Eines der Opfer wurde über 78 Meter weit unter dem Wagen mitgeschleift und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Zwei Jahre später wurde der ausfindig gemachte Lenker vom Zürcher Geschworenengericht wegen mehrfachen Tötungsversuchs, Gefährdung des Lebens und weiteren Delikten zu einer hohen Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Beim Angeschuldigten handelte es sich um einen heute 34-jährigen Metallbauschlosser aus Fällanden. Da er den Fall an die nächste Instanz weiterzog, ist der Entscheid der Geschworenen bis heute noch nicht rechtskräftig.

Rückfall am 1. Mai 2011

Allerdings sitzt der Amok-Fahrer seit dem 1. Mai 2011 wieder im Gefängnis. Grund dafür: Er leistete sich erneut eine brandgefährliche Strolchenfahrt. Ausgerechnet wieder am Tag der Arbeit. Der Beschuldigte war an jenem Morgen nicht nur betrunken, sondern auch bekifft. Wobei er das Fahrzeug seines Vaters entwendete und nach Zürich fuhr. Dort fiel er einer Polizeipatrouille auf, als er ausgangs des Schöneichtunnels rechts überholte.

Es folgte eine wilde Verfolgungsjagd, wobei der Blaufahrer diverse Automobilisten mit rund 150 km/h rechts überflügelte und mehrere Sicherheitslinien überquerte. Bei Brüttisellen verliess er die Autobahn und missachtete wiederholt ein Rotlicht. Danach raste er weiter in Richtung Dübendorf und verübte diverse weitere grobe Verkehrsdelikte. Zum Schluss landete er in einem Baum und setzte die Flucht zu Fuss fort. Allerdings vergebens, da er kurz darauf von der Polizei festgenommen wurde.

Verteidigung für sofortige Haftentlassung

Im letzten Januar wurde der Rückfalltäter vom Bezirksgericht Uster wegen diversen schweren Verkehrsdelikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Die Hälfte davon unbedingt. Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht nicht nur eine Strafsenkung auf 18 Monate, sondern auch die sofortige Haftentlassung ihres Klienten.

So sollte die Sanktion zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben werden. Die Staatsanwaltschaft widersprach und setzte sich für eine 30-monatige Freiheitsstrafe unbedingt ein. Der Beschuldigte selber zeigte sich zwar in rechtlicher Hinsicht geständig, machte jedoch einen völligen Filmriss geltend.

Beschuldigter verbleibt in Haft

Das Obergericht kaufte dem Beschuldigten die Erinnerungslücken nicht ab und sprach von einem schweren bis sehr schweren Verschulden. Es bestätigte die 30 Monate von Uster fest und rechnete die 377 Tage im Gefängnis an. Zudem schoben die Oberrichter in formeller Hinsicht den Strafvollzug zugunsten einer ambulanten Psychotherapie auf.

Allerdings ohne Auswirkungen auf eine Entlassung aus der Haft. So hielt das Obergericht fest, dass der Beschuldigte im Hinblick auf eine möglicherweise lange Freiheitsstrafe nicht auf freien Fuss gesetzt werde. Wegen der sehr grossen Rückfallgefahr wäre dies unvernünftig, führte der Gerichtsvorsitzende aus. Fest steht damit, dass der 1.Mai-Amokfahrer noch für längere Zeit hinter Gitter bleibt.

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