Zürich Kreis 4

03. Februar 2017 11:27; Akt: 03.02.2017 14:35 Print

2500 Polizei-Einsätze in Gammelhäusern seit 2012

Der Zürcher Stadtrat hat den Gammelhäuser-Kauf in eigener Kompetenz bewilligt – der Verkäufer machte Druck. Das Parlament kann sich erst in ein paar Jahren dazu äussern.

Das sagen Sozialvorsteher Raphael Golta und Finanzvorsteher Daniel Leupi zum Kauf.
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Was das Sozialdepartement bereits als Absicht geäussert hat, wird nun Tatsache: Die Stadt Zürich kauft dem umstrittenen Liegenschaftsbesitzer Peter S. drei frühere Problem-Liegenschaften im Kreis 4 ab. Zwei Häuser an der Neufrankengasse für 11,484 und 14,566 Millionen Franken sowie ein Haus an der Magnusstrasse für 6,25 Millionen Franken.

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Der Zürcher Stadtrat hat den Kauf in eigener Kompetenz genehmigt, gestützt auf die Gemeindeordnung und trotz der Höhe des Preises. Grund: S. machte gemäss Mitteilung des Stadtrats zur Bedingung, dass die Verträge vor den Sportferien beurkundet werden müssen. Deshalb, so der Stadtrat, dulde das Geschäft keinen Aufschub.

«Die Häuser stehen leer, dem Besitzer gehen Einnahmen verloren und wir waren nicht die einzigen Interessenten, entsprechend macht ein Immobilienbesitzer Druck, denn er sitzt ja am längeren Hebel», sagt Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne). Dies komme immer wieder mal vor. Zudem bewege sich der Preis «im marktüblichen Rahmen». Auf dem regulären Weg über das Stadtparlament hätte es laut Leupi zu lange gedauert.

Räumung Gammelhäuser – ein Schrecken ohne Ende?

Dieses kann sich erst zum Kauf äussern, wenn die Liegenschaften später ins Verwaltungsvermögen übertragen werden. Das wird allerdings erst in ein paar Jahren sein. Falls das Parlament die Übertragung einzelner oder aller Liegenschaften ablehnen sollte, stehen laut Leupi die Chancen gut, dass die Häuser zum Erwerbspreis weiterverkauft werden können.

Alle drei Gebäude sind in einem schlechten Zustand, was beim Kaufpreis berücksichtigt wurde. Es ist geplant, die beiden Häuser an der Neufrankengasse erst mittelfristig instand zu setzen. Bis es soweit ist, sollen sie zwischengenutzt werden. Der Stadtrat hat deshalb Objektkredite von 1,95 und von 1,8 Millionen Franken bewilligt, um sofort die gröbsten Mängel zu beheben. Da die gesprochenen Mittel nicht im Budget 2017 enthalten sind, hat der Stadtrat hierzu zwei dringliche Zusatzkredite bewilligt. «Wir sprechen hier von einer einfachen Sanierung», so Leupi.

2500 Polizeieinsätze

«Hinter dem Kauf steht ein ganz hohes städtisches Interesse, bei diesen Liegenschaften zu intervenieren», sagt Sozialvorsteher Raphael Golta (SP). Die Zustände seine inakzeptabel gewesen und selbst Massnahmen hätte nicht mehr gegriffen. «Seit Herbst 2012 kam es dort zu rund 2500 Polizeieinsätzen», so Golta. Deshalb habe man irgendwann den Kauf in Erwägung gezogen. «Zudem waren die Häuser eine enorme Belastung für das Quartier.»

Die 30 Einzimmer an der Magnusstrasse will die Stadt zu einem kostendeckenden jährlichen Netto-Mietzins von 214'000 Franken gesamthaft an die Asyl-Organisation Zürich vermieten In den 44 Kleinwohnungen an Neufrankengasse 8 soll ein «offener Kreis» von Mietern einquartiert werden. Dies bei Netto-Mietzinsen für eine 22 bis 23 Quadratmeter grosse 1-Zimmer-Wohnung zwischen 879 und 919 Franken.

In den 37 Kleinwohnungen an der Neufrankengasse 14 werden sucht- und psychisch kranke Menschen Unterschlupf finden. 19 bis 23 Quadratmeter 1-Zimmer-Wohnungen kosten 678 und 821 Franken. «Um Zustände wie bisher zu verhindern, wird es hier eine Eingangskontrolle brauchen und einen Hauswart, der für Ordnung sorgt», so Golta. Ein solches Haus sei auch für die Stadt ein Experiment. «Es handelt sich ja nicht um betreutes Wohnen.»

Wie lange die Instandstellungen dauern und wann die Häuser wieder bezogen werden können, ist noch unklar. Leupi: «Das geschieht so rasch wie möglich.»

*Name der Redaktion bekannt

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 03.02.2017 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schmierfink

    Aus meiner Sicht hätte man den Hausbesitzer zu einer Busse wegen Wuchers verurteilen sollen und ihm eine Auflage zu machen, die Häuser wieder in einen normalen Zustand zu bringen. Falls nicht, bleiben sie ungenutzt. Diesen schmierigen, egoistischen Immobilienbesitzer sollte man das Handwerk legen.

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  • Nanadina am 03.02.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll..

    Für das haben sie wieser genug Geld, aber für Bildung und Medizin nicht... Ich bin in solchen Situationen richtig stolz darauf, eine Schweizerin zu sein - ironie off

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  • Claude am 03.02.2017 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    ... und ich dachte die Stadt Zürich müsse sparen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr.Spock am 04.02.2017 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    katastrophe

    Ein Kolleg von mir Wohnt in einem der 3 Wohnblöcke. Es ist einfach schlimm dort. War paar mal dort. Katastrophal ca 2 mal pro woche gehen bei ihm Dealer am abend klopfen an der Türe. Und das Treppenhaus und alles ist schlimm. Mittlerweile siehts aber auch wieder einbischen besser.

  • Mary Rüdi am 04.02.2017 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat - dem wird gegeben

    Wie kann man so mit Steuergelder umgehen??? Peter S. hat bereits ein grosses Vermögen und wird durch die Steuerzahler noch reicher. Unglaublich

  • Lorena am 04.02.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie es war...

    Ich bin Nachbarin der zwei Häuser an der neufrankengasse, die Stadt wird mit ihrem Konzept wieder genau das gleiche Elend herbringen! Die ganze Räumung hat in diesem Fall nichts gebracht und eine kleine Sanierung bringt hier nichts mehr....

    • Markus am 04.02.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      derselben Ansicht

      Wohne auch nicht weit entfernt. Und schliesse mich Ihnen an. Nur sind die Kosten für den Steuerzahler mit dem neuen Modell dann noch höher und es wird noch mehr Aufwand betrieben. Wobei viele der Wähler der verantwortlichen Politiker ja für den Staat arbeiten und somit schliesst sich der Kreis...

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  • Onkel Thom am 04.02.2017 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Enteignen

    Die Häuser sollten enteignet werden und nicht gekauft werden müssen.

  • Leon am 04.02.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    super

    Im Steuergelder-Verschleudern sind die Linken in der Stadt Zürich Weltklasse. Leider sonst weniger... Der Kauf ist nur ein weiterer Exzess der Sozialindustrie.

    • Feline X am 04.02.2017 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Leon

      Naja, unsere Politiker machen schon einen guten Job. Ab und zu muss man halt mal investieren. Die paar Franken sind der Rede ja nicht wert.

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