«Gaht’s-no!-Priis»

26. September 2017 19:35; Akt: 26.09.2017 19:35 Print

Die Bürokratie schlägt zu – die absurdesten Fälle

Das Strassenverkehrsamt verlangt schlechte Bremsen und eine Flohmarkt-Blache führt zum Strafbefehl: Diese und mehr Fälle hat die FDP für den «Gaht’s-no!-Priis» nominiert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Bürokratie ist regelmässig der Sündenbock Nummer eins. Grund sind Papierkram, scheinbar endlose Verfahren und laut Betroffenen regelrechte «Schikanen». Als Protest dagegen verleiht die FDP Zürich deshalb am kommenden Freitag wie jedes Jahr einen Preis, den sogenannten «Gaht’s-no!-Priis». Bei diesem wird die absurdeste Bürokratie-Geschichte gekrönt. Diese fünf Fälle stehen unter anderen zur Auswahl:

Umfrage
Welcher Fall hat den «Gaht’s-no!-Priis» verdient?

Medikamenten-Verpackung, die behindert

Eine Frau mit einer körperlichen Behinderung bekam früher ihre Medikamente, die so verpackt waren, dass sie sie selbst einnehmen konnte. Seit aber das Gesundheitsamt Blister-Verpackung (siehe Bild unten) vorschreibt, braucht sie aufgrund ihrer körperlichen Behinderung Hilfe dafür. Jetzt muss ihr ein Pfleger täglich die Medikamente vor ihren Augen auspacken.

Ärger wegen verlorener SBB-Quittung

Ein Mädchen hatte ihr Generalabonnement (GA) der SBB vergessen. Die Quittung, die sie vom Kontrolleur bekam, verlor sie aber. Deshalb wurde ihre Mutter zurückgewiesen, als sie für die Tochter das GA am Schalter vorweisen wollte. Dies, obwohl die SBB offenbar eine Kopie besass. Weshalb die Quittung nötig sei, konnte ihr aber niemand sagen. Als die Mutter ein Mail mit gescannter ID und GA schrieb, kam die Antwort: «Zurzeit erhalten wir viele Anfragen. Da unser Rechnungsversand automatisiert erfolgt, kann es deshalb vorkommen, dass Sie vor unserer Antwort eine Rechnung erhalten.» Ob schliesslich das Mail der Mutter der SBB gereicht hat, ist noch unklar.

Strassenverkehrsamt verlangt schlechtere Bremsen

Ein Mann musste seinen Töff aus den 70er-Jahren zur Motorfahrzeugkontrolle bringen. Obwohl der Töff in den letzten Jahren immer problemlos durchgekommen war, bemängelte der Experte beim Strassenverkehrsamt, dass die Bremsen nicht original seien, und fragte, ob der Mann Papiere habe. Die Papiere, die er bei sich hatte, reichten aber nicht, er wurde wieder fortgeschickt. Deshalb musste er wieder seine alten Bremsen montieren – obwohl diese nur eine halb so gute Bremsleistung haben.

Hundetrainerin muss selber Hundeschule besuchen

Die betroffene Frau hat vor einem Jahr in einem vom Veterinäramt Zürich anerkannten Institut den Kurs zur Hundetrainerin absolviert. Somit kann sie die kantonalen Erziehungskurse für Hunde leiten. Trotzdem wurde sie von der Gemeinde aufgefordert, den Kurs mit ihrem eigenen Hund zu besuchen. Sie fühlt sich völlig vor den Kopf gestossen: «Es wird mir also zugetraut, jedem Halter diese Kurse zu erteilen. Aber mit meinem eigenen Hund wird mir die Kompetenz dazu abgesprochen?»

Flohmarkt-Blache führt zu Strafbefehl

«Heute Flohmarkt»: Eine weisse Blache an einer Baustellenabschrankung an der Fraumünsterstrasse mit dieser Aufschrift brachte Monika Luck, Präsidentin des Vereins Zürcher Flohmarkt (VZF), viel Ärger ein. «Ein Marktpolizist schnauzte mich an – die Blache müsse sofort weg.» Eine Woche später erhielt sie vom Polizisten einen Anruf: Er habe Anzeige erstattet. Im Strafbefehl erfährt sie dann, dass sie in der Höhe von 290 Franken gebüsst werde, weil sie im öffentlichen Raum ohne Bewilligung Werbung angebracht habe. Dies, obwohl ihr von Seiten des Sicherheitsdepartements gesagt worden war, man könne keine Bewilligung für das Aufhängen einer Blache an einer Bauabschrankung erteilen.

Bei der Preisverleihung am Freitag, 29. September, wird entschieden, welcher Fall nun am absurdesten ist und den «Gaht’s-no!-Priis» verdient hat.

(tür)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schriiberli am 26.09.2017 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glöck ghaa

    Wenn das die 5 schlimmsten Fälle sind, dann bin ich froh. Hätte schlimmeres erwartet.

  • Stefanie am 26.09.2017 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kostentreiberei

    Wenn ich den Fall 1 (Blisterpackung) lese, dann wundert es mich nicht mehr, dass die Gesundheitskosten Jahr für Jahr steigen. Ist ja toll, dass unsere gut ausgebildeten Pflegefachkräfte sich so sinnstiftenden Arbeiten widmen dürfen. In den USA werden immer noch abgezählte, unverpackte Tabletten in orangen Röhrchen verabreicht und die Patienten sterben auch nicht wie Fliegen weg.

    einklappen einklappen
  • Armin am 26.09.2017 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Budget kürzen ...

    ... wenn es Anzeichen gibt, dass die Verwaltungen und Administrationen ausufern. Wenn es Private Firmen betrifft, ist es mir egal - ich merke es mir einfach und meide diese dann. Wenn es staastnahe Betriebe, oder öffentliche Verwaltungen sind .... Rotstift ansetzen, und auch Personal reduzieren: bei den Löhnen, welche diese jeweils beziehen müssen sie super-Fachkräfte sein, welche ja in der Schweiz so oft fehlen .... also keine Gefahr, arbeitslos zu werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fair Play am 27.09.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schande über die SBB.

    Das zeigt einmal mehr ganz klar, die SBB will nur ihre Kunden auspressen und Willkür steht da ganz oben. Für was muss man bei der SBB eigentlich Name und Adresse hinterlassen wenn man ein Halbtax oder GA Kauft? Es würde beim Vergessen Reichen wenn man Sich später am Schalter mit dem Halbtax oder GA ausweist. Ich würde auch keine Busen an meine Kundschaft verteilen wenn sie GA und Halbtax Vergessen haben. Kundenfreundlicher wäre wenn der Kontrolleur zugriff auf das System hätte wo man Namen und Adressen Registriert hat. Liebe SBB so einfach könnte es sein.

  • Swen Meer am 27.09.2017 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    okidoki

    KAT A Prüfung, alles bis zur Vollbremsung problemlos. Der Experte bat mich auf das grüne Lichtsignal zu warten und dann loszufahren, auf ca. 60km/h zu beschleunigen und dann auf seiner Höhe eine Vollbremsung einzulegen. Ergebnis: Durchgefallen, weil ich nicht rechtszeitig gebremst habe. Es war Ende Oktober, hatte die Prüfung ganz früh am Morgen und es war sehr dunkel. Der Experte war hinter einem Pfosten gut versteckt und nahezu unsichtbar. Er hatte zwar Verständnis und meinte war irgendwie auch seine Schuld. Musste aber wieder nachhause, da ich laut Vorschrift nicht ein zweites Mal ran durfte

  • Asterix am 27.09.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Napoleon-Komplex

    Alles Leute mit einem Napoleon-Komplex. Oft hilft aber eine scharfe Zurechtweisung und Erinnerung, für wen sie arbeiten. Leute: wehrt Euch und lasst Euch von Euren Angestellten nicht einfach alles gefallen. Manchmal muss man eben etwas härter auftreten, damit bei denen das Denken ( wenigstens kurzzeitig ) einsetzt.

  • A. Schmid am 27.09.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Medikamenten-Verpackung

    Frage: Warum muss ihr ein Pfleger täglich die Medikamente vor ihren Augen auspacken? Will sie nicht dass er 5, 10, oder 20 auf ein Mal auspackt? Dann musste er nicht täglich vorbei gehen und damit wäre das Problem von Tisch. Man kann natürlich auch Problemen suchen wo es keine gibt.

  • tom am 27.09.2017 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bermsen

    offenbar weiss der schreiber nicht wie eine bremse am motorrad funktioniert. man kann nicht einfach eine bessere montieren weil die bremskräfte auf gabel, rad und fahrgestell wirken. völlig richtig entschieden durch mfk. physik ...

    • Max am 27.09.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tom

      Das ist richtig in diesem Fall, ich habe meine Harley auch von einer 2-Kolben auf eine 4-Kolben Bremszange vorne umgebaut, natürlich mit Papieren und vom Stva abgenommen. Sonst könnte man ja irgendwelche billigen Nachbauteile verbauen, die zwar ihren Zweck erfüllen, aber technisch nicht den Vorschriften entsprechen. Der gute Mann wollte etwas für die Sicherheit tun, hat aber leider nicht alles berücksichtigt, u.a den Amtsschimmel.

    • Ratmal Werwol am 27.09.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      @tom

      Bermsen? Ah ja ich seh schon, da ist Kompetenz....

    einklappen einklappen