Drogenkurier gequält

10. Dezember 2012 23:11; Akt: 11.12.2012 07:53 Print

40 Monate Gefängnis für Thalwiler Rocker

von Attila Szenogrady - Zusammen mit einem Mafiaboss hat ein Rocker aus Thalwil einen Kokainkurier entführt, in einem Keller gefangen gehalten und gequält. Nun wurde er zu 3 Jahren und 4 Monaten Gefängnis verurteilt.

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Handschellen und 40 Monate Gefängnis für einen Rocker aus Thalwil, der zusammen mit einem Mafiosi einen Drogenkurier quälte (Symbolbild).

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Auch im Kanton Zürich herrschen bei der internationalen Drogenmafia raue Sitten. Diese zeigte ein Strafprozess gegen einen heute 48-jährigen Rocker-Typ aus Thalwil. Der Schweizer Staatsangehörige war massgeblich an einer brutalen Misshandlung eines Drogenkuriers beteiligt. Der Transporteur wollte am 15. September 2007 im Auftrag eines italienischen Mafiabosses über den Flughafen Kloten rund 1,3 Kilogramm Kokain in die Schweiz einführen. Er hatte Pech und wurde mit dem «Schnee» von der Polizei erwischt.

«Wo ist das Kokain?»

Die Fahnder beschlagnahmten die harten Drogen und entliessen den Kurier noch am Tag seiner Verhaftung auf freien Fuss. Dieser telefonierte sogleich seinem Auftraggeber und schilderte, dass ihm die Polizei soeben die Drogen abgenommen hätte. Der Italiener glaubte ihm kein Wort und organisierte sogleich eine Strafaktion, um den Verbleib des Kokains herauszufinden.

Dabei heuerte er einen Rocker aus Thalwil als Schläger an. Bereits am nächsten Tag sperrte das Duo den Kurier in Zürich in ein Auto ein und entführte ihn mit einem Plastiksack auf dem Kopf in ein Waldstück. In der Folge stellten die beiden Männer ihrem Opfer immer wieder dieselbe Frage: «Wo ist das Kokain?»

Bedroht, geschlagen und gequält

Die Anklageschrift schilderte, wie die Täter den Gefangenen nach Oberwil-Lieli entführten und dort zuerst in einem Zelt und danach in einem Keller unterbrachten. Dabei traktierten sie ihn mit Schlägen und bedrohten ihn massiv. Dabei hielt ihm der Rocker eine Schusswaffe in den Mund und fragte ihn, ob er sterben wolle. Dann musste das Opfer im Keller übernachten und wurde am nächsten Morgen wieder geschlagen. Diesmal auch mit einer Gitarre, sowie mit einer Gartenkralle und mit Fusstritten gegen den Rücken. Zudem quälte ihn der Boss mit einem Elektroschockgerät, das er gegen dessen Halsschlagader und Nacken einsetzte.

6 Jahre Freiheitsentzug verlangt

Die beiden Täter gaben erst auf, als sie mit dem Kurier am Nachmittag zu seiner Rechtsanwältin nach Zürich fuhren. Als die Juristin bestätigte, dass die Polizei die Drogen tatsächlich beschlagnahmt hatte, liessen sie den Geschädigten wieder gehen. Dieser erstattete drei Jahre später im Verlauf von weiteren Ermittlungen Anzeige gegen seine Peiniger.

Der zuständige Staatsanwalt verlangte für den Thalwiler eine hohe Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Nicht nur wegen Entführung und Nötigung, sondern auch wegen Drogendelikten. Die Verteidigung setzte sich mit zwei Jahren auf Bewährung für eine erheblich mildere Sanktion ein.

Erhebliche kriminelle Energie

Das Gericht sprach von ganz schlimmen Vorgängen und einer erheblichen kriminellen Energie des Thalwilers. Es setzte wegen Freiheitsberaubung und weiteren Delikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 40 Monaten fest. Zur Strafsenkung kam es, da das Gericht den Beschuldigten nicht als Drahtzieher betrachtete. Dieser soll sich nächste Woche vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

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