05. Oktober 2006 17:02; Akt: 05.10.2006 17:05 Print

Altersheim für Junkies eröffnet

In die Jahre gekommene Junkies oder Alkoholiker passen meist nicht in herkömmliche Alters- oder Pflegeheime.

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Das Zürcher Sozialdepartement schafft Abhilfe mit einer speziellen Wohneinrichtung für ältere Menschen mit Suchtproblemen.

Der reglementierte Betrieb in Alters- oder Pflegeheimen könne ältere Suchtabhängige überfordern, sagte Rolf Schuppli von der Abteilung Soziale Einrichtungen und Betriebe des Sozialdepartements am Donnerstag vor den Medien. Seit längerem sei man deshalb auf der Suche nach passenden Lösungen für diese Menschen.

«Kein Junkie-Altersheim»

Die vorläufige Antwort des Sozialdepartements ist ein umgebautes ehemaliges Obdachlosenheim im Selnau-Quartier. Im Haus mit 19 Zimmern finden meist ältere Suchtmittelabhängige Platz, die weder in Wohnangebote für jüngere Menschen noch in Alterseinrichtungen passten, wie Schuppli sagte.

Bei Bekanntwerden der Pläne im Sommer war in den Medien vom «Zürcher Altersheim für Junkies» die Rede. Das Angebot, mit dem Zürich Neuland betritt, sei aber weder ein Heim noch eine Einrichtung, die nur Alten vorbehalten bleibe, machten die Verantwortlichen deutlich.

Vielmehr handle es sich um eine spezielle Form des «begleiteten Wohnens». Die sozial und gesundheitlich stark Beeinträchtigten wohnen weitgehend eigenständig. Sie finden aber bei Problemen jederzeit eine Ansprechperson und wenn nötig Hilfe und Pflege. Als deutlicher Unterschied zu Alters- oder Pflegeheimen ist der Konsum illegaler Drogen erlaubt.

Altersheime müssen sich dem Problem stellen

Für das Zimmer mit Betreuung verrechnet das Sozialdepartement den Bewohnenden oder deren Versicherungen monatlich 2000 Franken. Die Wohneinrichtung «Begleitetes Wohnen City» ist ferner mit dem neuen «Treffpunkt City» kombiniert, einer niederschwelligen Tagesstruktur für Randständige. Neben kleinen Jobs werden dort auch gemeinsame Essen und Ausflüge angeboten.

Bis Ende Jahr dürften alle Zimmer bewohnt sein. Zurzeit seien etwas mehr Männer als Frauen angemeldet. Die jüngste Person is 39-, die älteste 70-jährig. Rund 80 Prozent aller Bewohnerinnen und Bewohner haben eine Suchtkarriere mit illegalen Drogen oder Alkohol hinter sich.

Laut Schuppli dürfte sich in den nächsten Jahren das Problem von älteren Junkies noch akzentuieren. Er hofft deshalb, dass sich künftig auch herkömmliche Alters- und Pflegeheime verstärkt mit diesem Problem auseinandersetzen.

(sda)