Cannabis als Schmerzmittel

20. März 2017 08:49; Akt: 20.03.2017 08:49 Print

Arzt rät Patientin zu Joint – sie gerät in Kontrolle

Das Zürcher Obergericht hat eine Frau schuldig gesprochen, die mit THC im Blut Auto gefahren ist. Sie will sich der berauschenden Wirkung von Cannabis nicht bewusst gewesen sein.

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Die heute 41-jährige Frau leidet unter chronischen Schmerzen, die ihr bisweilen den Schlaf raubten. Tagsüber behalf sie sich mit Schmerzmitteln, die sie nicht müde machten. So konnte sie ihren Beruf ausüben. Abends brühte sie sich jeweils einen Cannabis-Tee auf und trank ihn vor dem Schlafengehen.

Laut ihrem Verteidiger habe sie dies auf Anraten ihres Arztes getan. Cannabis habe weniger Nebenwirkungen als andere Mittel, die sie früher ausprobiert habe. Aus dem Urteil des Obergerichts, das nun veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Frau seit zehn Jahren Drogen konsumiert.

Gelegentlich einen Joint

Obwohl sie das Cannabis üblicherweise als Tee zu sich nahm, rauchte sie gelegentlich einen Joint. So auch in der Nacht, bevor sie in einer Verkehrskontrolle positiv auf THC-Rückstände im Blut getestet wurde. 22 Stunden nachdem sie zwei Joints geraucht hatte, liess sich die Substanz noch nachweisen.

Im anschliessenden Prozess vor dem Bezirksgericht sprach der Einzelrichter die Frau schuldig des Fahrens in fahruntüchtigem Zustand und des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er verhängte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 80 Franken und eine Busse von 300 Franken.

Zuerst verurteilt, dann freigesprochen

Die Beschuldigte zog das Urteil weiter ans Zürcher Obergericht. Sie berief sich darauf, dass sie irrtümlicherweise davon ausgegangen sei, der Cannabis-Konsum sei legal, weil ihr Arzt ihr dazu geraten hatte. Sie monierte auch, dass in der Anklageschrift die Fahrlässigkeit des Fahrens unter Drogeneinfluss nicht genau begründet sei.

Das Obergericht sprach sie daraufhin frei. Die Staatsanwaltschaft ging vor Bundesgericht und dieses hob den Entscheid auf. Es gab die Sache wieder an das Obergericht zurück.

Bundesgericht: Sie hätte es wissen müssen

In der zweiten Beurteilung folgte das Obergericht den Argumenten des Bundesgerichts. Beim Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz habe die Frau zwar irrtümlich angenommen, ihr Handeln sei zulässig und der THC-Wert sei niedriger. Aber dieser Irrtum sei vermeidbar gewesen.

Ebenso nahm das Bundesgericht die Frau in die Verantwortung bezüglich des Fahrens unter Drogeneinfluss. Sie habe um die berauschende Wirkung des Cannabis gewusst. Sie könne nicht behaupten, ihr Arzt habe sie ungenügend über die Folgen für ihre Fahrtüchtigkeit aufgeklärt. Ausserdem sei weder neu noch aussergewöhnlich, dass Cannabiskonsum lange nachweisbar ist.

Das Obergericht reduzierte die Geldstrafe auf 20 Tagessätze à 70 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und sprach eine Busse von 300 Franken aus.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anders am 20.03.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    zweierlei Maß

    Skandal. 22 Stunden danach, geht es noch? Was anderes sehe ich in dem Zeug nicht, das perfekte Einschlafmittel. Spätestens nach 3 bis 5 Stunden sollte es gut sein mit dem Fahrverbot. Aktiv und passive Wirkstoffe sollten unterschieden werden. Sonst dürfte ich auch kein Auto fahren, ich trinke seit Jahren bestimmt an 5 von 7 Abenden eine Flasche Bier oder zwei Gläser Wein. Das wird sich genauso nachweisen lassen wie die Abbauprodukte bei der Frau. Aber ich darf Fahren sobald der Promillegehalt stimmt.

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  • jccce am 20.03.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ok

    Ich denke auch hier gibts wiedereinmal nicht viel Anderes zu sagen als: "Legalisiert diese Kraut endlich!"

    einklappen einklappen
  • Marco am 20.03.2017 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Arzt hat mir auch dazu geraten

    Und desshalb muss ich seit 17 Jahren keine Asthma Sprays mehr verwenden, eigentlich müsste mir die Krankenkasse das Gras bezahlen. Da ich fast nie Auto fahre hält sich das Risiko für mich in Grenzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • beatbeat am 21.03.2017 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    legal

    Legalisiert Cannabis oder verbietet endlich Alkohol und Tabak.

  • Patrick Ch. am 21.03.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Abbauprodukttest bei Alkohol Fehlanzeige

    Beim Alkohol interessiert doch auch nicht das Abbauprodukt, wieso denn dann bei Cannabis?!?

  • Pro Kiffen am 20.03.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bio-Cannabis

    Ich möchte auch zu diesem Arzt gehen der mir Cannabis empfiehlt! Cannabis aus kontrollierten Anbau, frei von Chemie und Düngermittel, die an der Grenze der Zulassung kratzen. Bio-Cannabis

  • rotator am 20.03.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft vor Paragraphen!

    Heroin und Kokain sind auch verboten, lassen sich aber nur einige Stunden nachweisen. Deshalb ist die Verurteilungsquote geringer. Solange Richter nur nach Schema X verfahren, ist das Resultat wie im Artikel beschrieben. Das ist peinlich für einen Rechtsstaat und logisch wie auch rechtlich nicht begründbar und führt klar zu einer Rechtsungleichheit. - Und dies wird hier kläglich praktiziert.

  • Nick am 20.03.2017 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwerte gibt es

    Ich wurde auch kontrolliert mit dem Ergebnis: 1.2 Mikrogramm THC im Blut (pro Liter? pro Deziliter?...). Auf jeden Fall war es gerade im Grenzwert, so dass ich schliesslich (dank Anwalt) das Verfahren eingestellt wurde.