Hoher Sachschaden

07. Juni 2016 06:28; Akt: 07.06.2016 20:47 Print

Brandstifter richten Chaos im Zürcher ÖV an

Ein Feuer in einem Kabelschacht hat am den ÖV im Grossraum Zürich massiv durcheinandergebracht. Zehntausende Reisende waren betroffen. Die Täter sind noch nicht gefasst.

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Am Dienstagmorgen verursachte ein Kabelbrand in Gleisnähe ein Pendler-Chaos im Raum Zürich. Bahnexperte Walter von Andrian: Den Nerv getroffen. (7. Juni 2016) Auch Anlagen der SBB wurden dabei beschädigt. Die Strecke ist für den Bahnverkehr unterbrochen, Der Reiseverkehr wurde über andere S-Bahnen und den ÖV umgeleitet. Diese Meldung erwartete die Leute am Morgen am Zürcher HB. Viele S-Bahnen fielen aus oder fuhren mit Verspätung. Am HB sind viele Pendler gestrandet. SBB-Mitarbeiter versuchen, den Leuten weiterzuhelfen. Um an den Flughafen zu kommen, mussten die Reisenden auf andere Verkehsmittel umsteigen. Auch in Oerlikon sammeln sich vor den Tramstationen Menschenmassen. Darunter sind auch viele Touristen, die zum Flughafen wollen. Sie hatten laut einem 20-Minuten-Reporter, der vor Ort ist, Probleme, die richtige Haltestelle zu finden. Gabriel (19) und Marius (20) müssten eigentlich zur Arbeit in Rümlang. Doch in Oerlikon fanden sie im Tram schlicht keinen Platz. Die Haltestellen selbst waren für die vielen Menschen zu klein. Die Trams waren vollgestopft. Als ausnahmsweise ein achttüriges Tram bei der Haltestelle vorfuhr, jubelten plötzlich alle. In Glattbrugg warteten unzählige Pendler auf eine Verbindung. Viele wollten nach Zürich. Doch Platz hatten nur die wenigsten. Die Menschenmassen sammelten sich am Bahnhof. Auch auf den Perrons standen viele Menschen. Kam ein Tram, war es oft schon voll. Am Flughafen Zürich zeigte sich ein ähnliches Bild. Viele Reisende versuchten stadteinwärts zu kommen. Hier nahm alles seinen Anfang. In Gleisnähe kam es am Dienstagmorgen zum Brand. Spezialisten der SBB waren vor Ort, um die Situation einzuschätzen. Die Stadtpolizei Zürich geht von Brandstiftung aus.

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Bemerkt wurde der Kabelbrand in der Nähe des Bahnhofs Oerlikon gegen 3 Uhr morgens. Die Einsatzkräfte konnten das Feuer zwar mehrere Stunden vor dem Pendlerverkehr löschen. Weil die Reparatur aber viel Zeit in Anspruch nahm, blieb die Strecke dennoch gesperrt.

Die Strecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg, die weiter nach Schaffhausen führt, und die Strecke zwischen Oerlikon und Flughafen waren stundenlang unterbrochen. Zahlreiche Verbindungen mussten umgeleitet werden oder fielen gleich komplett aus.

Der Verkehr zwischen Oerlikon und Glattbrugg konnte am Mittag zwar wieder aufgenommen werden. Die Strecke zum Flughafen, die weitaus intensiver genutzt wird, blieb jedoch bis 19 Uhr gesperrt. Erst dann fuhren wieder erste Fernverkehrszüge. Der S-Bahnverkehr sollte erst um 20 Uhr wieder schrittweise in Betrieb genommen werden.

Gestrandete Pendler - verpasste Flüge

SBB-Kundenlenker kümmerten sich den ganzen Tag um gestrandete Reisende und halfen ihnen, von A nach B zu gelangen. Ob die SBB Rückerstattungen leistet, ist noch unklar. Im Vordergrund habe am Dienstag die Störungsbewältigung gestanden, hiess es bei der SBB.

Schwierig zu erreichen war vor allem der Flughafen Zürich aus Richtung HB Zürich. Die SBB richteten Shuttle-Züge ab Winterthur ein. Der Umweg über Winterthur verlängerte den Anreiseweg allerdings um etwa eine Stunde. Gemäss Angaben des Flughafens verpassten zwischen 120 und 130 Passagiere ihren Flug.

Ob die Reisenden, die am Dienstag im Chaos feststeckten, die Umbuchung selbst bezahlen müssen, ist noch nicht klar. «Wir schauen uns die Buchungen von heute Morgen von Fall zu Fall an und bieten im Rahmen unserer Möglichkeiten bestmögliche Unterstützung», sagt Swiss-Sprecher Stefan Vasic.

Signalsteuerung unterbrochen

Der Brand beschädigte mehrere Kabel, mit denen die Signale gesteuert werden. Ob das Feuer direkt im Kabelschacht gelegt wurde oder in der Umgebung, wollte die Stadtpolizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgeben. Klar ist aber, dass die Täter für ihre Aktion in ein umzäuntes Gelände einbrachen.

Die Polizei hofft nun, dass Zeugen den oder die Täter bei ihrem Sabotageakt beobachteten. Spezialisten werten zudem Spuren aus, die am Tatort gefunden wurden. Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.


Aufgrund der Störung seien die Trams der betroffenen Linien komplett überfüllt gewesen, meldeten Leser. In Oerlikon gab es an der Haltestelle kaum Platz für alle Wartenden. Touristen waren völlig hilflos. Und als ein achttüriges Tram einfuhr, jubelten die Leute, wie der 20-Minuten-Reporter, der vor Ort war, berichtete.

Ankunft in Zürich mit einer Stunde Verspätung

Eine Leser-Reporterin, die den ersten Zug von Schaffhausen nach Zürich nehmen wollte, berichtete von einem regelrechten Chaos. «Wir mussten in Bülach aussteigen, und es gab nur undeutliche Informationen. Dann nahmen wir einen Zug nach Glattbrugg, wo wir wieder auf eine S-Bahn umsteigen mussten, die einen langen Umweg nach Zürich machte.» Mit einer Stunde Verspätung sei sie schliesslich in Zürich angekommen.

Ein anderer Leser-Reporter sass in Schaffhausen fest. Auch er beklagte sich über die spärlichen Informationen. «Wir sollten jetzt die S11 nehmen, keiner weiss aber, wo die hinfährt», so der Leser-Reporter.

Ein anderer Leser-Reporter musste in Glattbrugg auf das Tram umsteigen, um zum Flughafen zu kommen. Doch am Bahnhof hätten hunderte Leute gewartet. «Das Tram ist voll, es hatten nicht alle Platz», sagte er.

Gabriel (19) und Marius (20) standen in Oerlikon vor der gleichen Situation. Beide sollten eigentlich zur Arbeit in Rümlang. «Ich finde es mühsam, jedes Tram ist schon voll, wenn es ankommt. Und für so was zahlen wir ein teures Ticket», sagte Gabriel.




(chk/vro/ced/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cindy am 07.06.2016 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zur Kasse bitten

    Wenn ihr den Brandstifter findet, so lasst ihn bitte sämtliche Billete übernehmen, die für nichts gelöst wurden. Auch wenn er ein Leben lang abzahlen muss!

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  • Ybking1 am 07.06.2016 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?!

    Täter finden und verurteilen. Am besten mit Entschädigungen für die Betroffenen (sind nicht Grad wenige...)

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  • Pendler am 07.06.2016 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Brandstifter: nicht lustig

    Was haben sie sich eigentlich dabei gedacht als sie das Feuer legten? Ich hoffe sie werden hart bestraft. SBB-Informationen hätte aber auch besser sein können. Zug noch angeschrieben wie wenn nix wär obwohl bereits die anderslautende Durchsage gemacht wurde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike ZH am 08.06.2016 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Flexibilität der SBB ist fraglich

    Es wäre wohl seitens der SBB intelligenter gewesen nach dem gelöschten Brand um 3h ein Provisorium aufzustellen, so dass der Betrieb funktioniert und den Schaden in der nächsten Nacht reparieren.

  • Jeremy Renfer am 07.06.2016 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Züge nehmen

    Die SBB sollten es so machen wie in Frankreich. Da gibt es viele Strecken, wo nur ganz wenige Züge fahren. Einer am Morgen und einer am Abend. Dann käme es zu keinem Chaos, weil viel weniger Pendler unterwegs sind. Hab ich so erlebt zum Beispiel in der Stadt Clamecy im Burgund, aber auch an anderen Orten.

  • Oliver R. am 07.06.2016 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wo suchen?

    Solche Anschläge gibt es in anderen Länder öfters und es sind immer wieder die gleichen Leute. Fragt einfach mal im linken Spektrum nach.

  • sambsim93 am 07.06.2016 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Wer das Feuer gelegt hat, weiss man eben nicht. Aber für eine Unzugänglichkeit der Anlagen könnte man sorgen.

  • Alen am 07.06.2016 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm:

    Ist noch, dass das jedes Kind kann und ich finde, mann macht sowas nicht

    • Marolifel am 08.06.2016 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Alen

      Nein, das stimmt nicht. Nicht jedes Kind kann das machen, denn die meisten haben ein Gewissen und Anstand. Und mit diesen 2 Eigenschaften fallen schon mal viele "Kinder", wie auch "Erwachsene" weg die das machen können. Denn wer in Besitz dieser 2 Eigenschaften ist, macht sowas bestimmt nicht!

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