1 Jahr halb gefangen

22. November 2012 15:33; Akt: 22.11.2012 16:13 Print

Carl Hirschmann müsste seine Zelle selber putzen

von A. Hirschberg - Strenge Hausordnung, maximal 13 Stunden pro Tag draussen, kaum Urlaub: Carl Hirschmann blühen zwölf Monate in Halbgefangenschaft in der «Villa Rosa» in Winterthur – kein Honigschlecken.

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Carl Hirschmann ist mit seiner Beschwerde vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Die Lausanner Richter bestätigten das Urteil des Zürcher Obergerichts, gegen das sich Hirschmann noch im November 2012 (Bild) zur Wehr gesetzt hatte. Das Zürcher Obergericht sprach am 21. November 2012 eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten gegen Hirschmann aus. Das Bundesgericht stützt dieses Urteil. 12 Monate seiner Strafe muss Hirschmann definitiv absitzen. Staatsanwalt Daniel Kloiber hatte eine Strafe von 42 Monaten unbedingt gefordert. Das Medieninteresse vor dem Zürcher Obergericht war gross. Zuerst hatte der Fall das Bezirksgericht Zürich beschäftigt. Dieses verurteilte den Millionenerben am 9. September 2011 wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe. Doch Hirschmann zog einen Teil der Anklagepunkte des Urteils weiter. Der 31-jährige Carl Hirschmann ist der Sohn von Carl Junior und der Enkel von Carl W. Hirschmann Senior, der vor über 40 Jahren die Firma Jet Aviation gründete. Ende 2008 wurde das Unternehmen der Hirschmanns für 2,45 Milliarden Schweizer Franken vom US-Rüstungskonzern und Flugzeugbauer General Dynamics übernommen. Für Aufmerksamkeit sorgte Hirschmann Junior erstmals 2003 mit der Behauptung, er habe eine Affäre mit Paris Hilton gehabt. 2007 eröffnete Carl Hirschmann im obersten Stock des Bally-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse den Club Saint Germain. Zu seinen prominenten Party-Bekanntschaften gehören US-Schauspielerin Tara Reid ... ... oder das israelische Model Bar Refaeli. Hirschmanns Club Saint Germain empfing oft internationale Musiker wie Kid Cudi und The Game. 2009 schaffte es der Jetset-Unternehmer mit seiner Kurzbeziehung zu Whitney Toyloy in die Schlagzeilen. Anfang November 2009 wurde er in Zürich festgenommen. Am 2. Dezember 2009 befand ein Basler Strafgericht Carl Hirschmann wegen einer Schlägerei in einem Club der Körperverletzung und der Tätlichkeiten für schuldig.

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Noch ist nichts entschieden und das Urteil des Zürcher Obergerichts gegen Carl Hirschmann nicht rechtskräftig. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der Millionenerbe einen Teil seiner Strafe (derzeit 12 Monate Haft, 20 Monate bedingt) absitzen muss. Falls es wirklich dazu kommt, wird Hirschmann vermutlich Halbhaft beantragen. Denn wer eine maximale Strafe von 12 Monaten aufgebrummt bekommt und einer Arbeit von mindestens 50 Prozent nachgeht, kann diesen Vollzug beantragen.

Dann dürfte Hirschmann zum Arbeiten die Anstalt verlassen - für die Fahrt zum Arbeitsort und während der Arbeit. «Bei Vollbeschäftigung darf die Abteilung zwischen 5.45 Uhr und 23.30 Uhr für maximal 13 Stunden verlassen werden», sagt Rebecca de Silva vom Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich. Den Rest der Zeit müsste Hirschmann im Gefängnis verbringen, auch die Wochenenden. Halbgefangenschaft gibt es im Kanton Zürich nur in Winterthur.

Freizeitprogramm für die Insassen

Die «Villa Rosa» liegt neben dem Fotomuseum nahe dem Stadtzentrum. Viele der Insassen sitzen hier eine Strafe wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand oder Drogendelikten ab. Gewohnt wird in Zweierzimmern. Laptop und Handy müssen beim Eingang abgegeben werden. Aufräumen und saubermachen müsste Hirschmann sein Zimmer selbst. Ob es ordentlich genug ist, würde dabei nicht seinem Gutdünken überlassen. Die Einhaltung der Zimmerordnung überprüft die Gefängnisleitung regelmässig. Wer am Morgen zur Arbeit geht, verlässt ein sauberes, ordentliches Zimmer.

Fernseher können gemietet werden. Zu festgelegten Zeiten dürfen die Inhaftierten auch die Aufenthaltsräume benützen. Im Keller gibt es einen Fitnessraum. Mindestens eine Stunde pro Tag steht der Garten zum Boccia- oder Tischtennis-Spielen offen. Daneben bietet die «Villa Rosa» auch ein Freizeitprogramm. Etwa klettern und skaten in der Trendsporthalle in Winterthur oder töpfern im Haus.

Wer zu spät kommt, fliegt raus

Trotz Freizeitprogramm und Fitnessraum - die Gefängnisleitung überwacht die Einhaltung der Regeln strikt und kennt nicht viel Pardon. So sind die Inhaftierten laut Hausordnung gar «zur regelmässigen Körperpflege verpflichtet». Wer mehrfach die abgemachten Zeiten überschreitet oder sich nicht an die Hausordnung hält fliegt raus und muss in den geschlossenen Vollzug. Wer sich hingegen brav an die Regeln hält, darf nach einer Weile auch mal länger weg.

Beziehungsurlaub heisst diese Sondergenehmigung und kann einmal im Monat beantragt werden. Der Inhaftierte darf dann für 32 Stunden die Haftanstalt verlassen, um Partner, Eltern, Geschwister oder Kinder zu besuchen. Ab dem fünften Haftmonat bewilligt die «Villa Rosa» zudem einmal wöchentlich fünf Stunden Ausgang.

Pech hat Hirschmann, dass ihm eine Haft im Kanton Zürich droht. In anderen Kantonen, Basel oder Bern zum Beispiel, könnte er einen Antrag auf Electronic Monitoring (EM) stellen. Das würde bedeuten, dass er mit einer Fussfessel seinem Job nachgehen dürfte und sich während der restlichen Zeit im Hausarrest befände. Via GPS würde der Aufenthaltsort überwacht. Doch im Kanton Zürich wird EM noch nicht eingesetzt, wie de Silva vom Amt für Justizvollzug bestätigt.

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