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1 Jahr halb gefangen
22. November 2012 15:33; Akt: 22.11.2012 16:13 Print
Carl Hirschmann müsste seine Zelle selber putzen
von A. Hirschberg - Strenge Hausordnung, maximal 13 Stunden pro Tag draussen, kaum Urlaub: Carl Hirschmann blühen zwölf Monate in Halbgefangenschaft in der «Villa Rosa» in Winterthur – kein Honigschlecken.
Noch ist nichts entschieden und das Urteil des Zürcher Obergerichts gegen Carl Hirschmann nicht rechtskräftig. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der Millionenerbe einen Teil seiner Strafe (derzeit 12 Monate Haft, 20 Monate bedingt) absitzen muss. Falls es wirklich dazu kommt, wird Hirschmann vermutlich Halbhaft beantragen. Denn wer eine maximale Strafe von 12 Monaten aufgebrummt bekommt und einer Arbeit von mindestens 50 Prozent nachgeht, kann diesen Vollzug beantragen.
Dann dürfte Hirschmann zum Arbeiten die Anstalt verlassen - für die Fahrt zum Arbeitsort und während der Arbeit. «Bei Vollbeschäftigung darf die Abteilung zwischen 5.45 Uhr und 23.30 Uhr für maximal 13 Stunden verlassen werden», sagt Rebecca de Silva vom Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich. Den Rest der Zeit müsste Hirschmann im Gefängnis verbringen, auch die Wochenenden. Halbgefangenschaft gibt es im Kanton Zürich nur in Winterthur.
Freizeitprogramm für die Insassen
Die «Villa Rosa» liegt neben dem Fotomuseum nahe dem Stadtzentrum. Viele der Insassen sitzen hier eine Strafe wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand oder Drogendelikten ab. Gewohnt wird in Zweierzimmern. Laptop und Handy müssen beim Eingang abgegeben werden. Aufräumen und saubermachen müsste Hirschmann sein Zimmer selbst. Ob es ordentlich genug ist, würde dabei nicht seinem Gutdünken überlassen. Die Einhaltung der Zimmerordnung überprüft die Gefängnisleitung regelmässig. Wer am Morgen zur Arbeit geht, verlässt ein sauberes, ordentliches Zimmer.
Fernseher können gemietet werden. Zu festgelegten Zeiten dürfen die Inhaftierten auch die Aufenthaltsräume benützen. Im Keller gibt es einen Fitnessraum. Mindestens eine Stunde pro Tag steht der Garten zum Boccia- oder Tischtennis-Spielen offen. Daneben bietet die «Villa Rosa» auch ein Freizeitprogramm. Etwa klettern und skaten in der Trendsporthalle in Winterthur oder töpfern im Haus.
Wer zu spät kommt, fliegt raus
Trotz Freizeitprogramm und Fitnessraum - die Gefängnisleitung überwacht die Einhaltung der Regeln strikt und kennt nicht viel Pardon. So sind die Inhaftierten laut Hausordnung gar «zur regelmässigen Körperpflege verpflichtet». Wer mehrfach die abgemachten Zeiten überschreitet oder sich nicht an die Hausordnung hält fliegt raus und muss in den geschlossenen Vollzug. Wer sich hingegen brav an die Regeln hält, darf nach einer Weile auch mal länger weg.
Beziehungsurlaub heisst diese Sondergenehmigung und kann einmal im Monat beantragt werden. Der Inhaftierte darf dann für 32 Stunden die Haftanstalt verlassen, um Partner, Eltern, Geschwister oder Kinder zu besuchen. Ab dem fünften Haftmonat bewilligt die «Villa Rosa» zudem einmal wöchentlich fünf Stunden Ausgang.
Pech hat Hirschmann, dass ihm eine Haft im Kanton Zürich droht. In anderen Kantonen, Basel oder Bern zum Beispiel, könnte er einen Antrag auf Electronic Monitoring (EM) stellen. Das würde bedeuten, dass er mit einer Fussfessel seinem Job nachgehen dürfte und sich während der restlichen Zeit im Hausarrest befände. Via GPS würde der Aufenthaltsort überwacht. Doch im Kanton Zürich wird EM noch nicht eingesetzt, wie de Silva vom Amt für Justizvollzug bestätigt.

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