«Gaht’s-no!-Priis»

27. September 2016 05:55; Akt: 27.09.2016 05:55 Print

Das sind die absurdesten Bürokratie-Fälle

Keine Lehrstelle wegen fehlendem Frauen-WC, Spuckschutz für Wurst-Grill und vor Gericht wegen Handyhülle — diese und mehr Fälle hat die Zürcher FDP für den «Gaht’s-no!-Priis» nominiert.

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Mit dem «Gaht's-no!-Priis» zeichnet die Partei die Geschichte über das schlimmste Bürokratie-Erlebnis des Jahres aus. Nominiert sind dieses Jahr: Ein Schlauchböötler muss trotz Anmeldung und Zollbestätigung zur Bootskontrolle antraben. Eine 15-Jährige wollte eine Lehre als Carosseriespenglerin antreten. Doch das wurde ihr verwehrt. Grund: Die Beamten monierten, dass der kleine Betrieb, in dem sie arbeiten wollte, über kein Frauen-WC verfüge. Weil eine 18-Jährige im Juni 2013 eine Schlagring-Handyhülle zum Schutz ihres Smartphones verwendete, musste sie zwei Jahre später vor Gericht antraben. Der Vorwurf: Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Beim Himalaya-Grill im Zoo Zürich vermisste ein Lebensmittelinspektor einen Spuckschutz zwischen dem Grill und den Kunden. Inzwischen schützt eine gesetzlich angeordnete Glaswand die Würste vor Käufern mit einer allzu feuchten Aussprache. Nicht nur das: Der Inspektor forderte ebenfalls eine Spuckabdeckung für die Eisenplatten des Crêpes-Stands. Michel Péclard übernahm im Jahr 2010 den Campingplatz Fischers Fritz in Wollishofen. Er investierte rund zwei Millionen in den Um- und Weiterbau der Anlage. In einem Bauentscheid pfiffen sie die Ausbauten aber in grossem Masse zurück. So dürfen künftig beispielsweise keine Esstische mehr am See aufgestellt werden. Welcher Fall den «Gahts-no!-Priis» gewinnt, wird am Freitag, 30. September 2016 entschieden. Zu gewinnen gibts eine Auszeichnung sowie eine Plexiglas-Statue. Der Geschäftsführer der FDP Kanton Zürich, Urs Egger.

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Unnötiger Papierkram, zeitaufwendige Verfahren und vermeidbarer Stress: Die FDP kämpft seit Jahren gegen schlimme Bürokratie-Erlebnisse. Die Partei zeichnet deshalb auch dieses Jahr den absurdesten Vorfall aus. Eine fünfköpfige Jury der Partei hat dafür aus Geschichten, die von Betroffenen aus der Bevölkerung eingereicht wurden, fünf ausgewählt:

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Welchem Fall würden Sie den «Gaht’s-no-Priis» verleihen?
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6 %
3 %
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Insgesamt 2911 Teilnehmer

Schlauchböötler muss zur Kontrolle antraben

Ein Mann kaufte sich ein Schlauchboot für 450 Franken. Nach dem Kauf hat er das Boot schriftlich angemeldet und gar eine Zollbestätigung nachgefordert. Das reichte für die Behörden aber offenbar nicht aus. Sie kontaktierten den Mann telefonisch und baten ihn das Boot bei der Schifffahrts-Kontrolle vorzuführen — also das Schlauchboot vorzufahren, aufzupumpen und begutachten zu lassen. Dies müsse alle sechs Jahre wiederholt werden.

Wegen Toilettenauflagen Traumberuf verweigert

Eine 15-Jährige wollte eine Lehre als Carosseriespenglerin antreten. Doch das wurde ihr verwehrt. Grund: Die Beamten monierten, dass der kleine Betrieb, in dem sie arbeiten wollte, über kein Frauen-WC verfüge. Sie wollten die Damen damit schützen. Dass die Toiletten-Frage aber bereits durch eine pragmatische Lösung zwischen dem Arbeitgeber und der 15-Jährigen gelöst worden war, interessierte sie offenbar nicht.

Frau muss wegen Handyhülle vor Gericht

Weil eine 18-Jährige im Juni 2013 eine Schlagring-Handyhülle zum Schutz ihres Smartphones verwendete, musste sie zwei Jahre später vor Gericht antraben. Der Vorwurf: Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Das Gericht sprach eine Busse von 200 Franken aus. Ausserdem sollte sie die Gebühren von 400 Franken bezahlen. Die 18-Jährige zog den Fall weiter und wurde schliesslich in der zweiten Instanz freigesprochen.

Wurstgrill im Zoo Zürich braucht Spuckschutz

Grosse Gefahr drohte dem Publikum offenbar am offenen Wurstgrill im Zoo Zürich: Nicht etwa wegen der Hitze oder des Fetts, sondern wegen des fehlenden Spuckschutzes. Dieser soll die Bratwürste vor der Spucke des hungrigen Publikums schützen. Nicht nur das: Der Lebensmittelinspektor forderte ebenfalls eine Spuckabdeckung für die Eisenplatten des Crêpes-Stands.

Campingplatz muss Esstische am See entfernen

Michel Péclard übernahm im Jahr 2010 den Campingplatz Fischers Fritz in Wollishofen. Er investierte rund zwei Millionen in den Um- und Weiterbau der Anlage. Doch er hat die Rechnung ohne die Behörden gemacht: In einem Bauentscheid pfiffen sie die Ausbauten in grossem Masse zurück. So musste er etwa die Esstische am See entfernen. Ebenfalls nicht erwünscht seien die aufgestellten zwölf Safari-Zelte in Ufernähe. Grund: das Gewässerschutzgesetz. Dieses erlaubt keine Installationen innerhalb von 20 Metern. Weiter wurde untersagt, dass Gesellschaften Reservationen vornehmen können und dass das Restaurant ganzjährlich geöffnet hat. Grundsätzlich lautet die amtliche Argumentation: Die Hauptnutzungsform sei das Camping. Alle Neuerungen seien daran zu messen.

Preisverleihung am Freitag

Bei der Preisverleihung am Freitag, 30. September wird entschieden, welches der absurdeste Fall ist. Zu gewinnen gibts eine Auszeichnung sowie eine Plexiglas-Statue. Zur Unterhaltung wird Slam Poet Gregor Stähli eine kleine Einlage zu den einzelnen Fällen und zur Bürokratie im allgemeinen bieten.

Weitere Geschichten von Bürokratie-Erlebnissen finden Sie hier.

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jaylo am 27.09.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gaaaahts no ?!

    Für mich ist der Fall mit dem Schlauchboot der klare Sieger. Der Spuckschutz im Zoo ist gar nicht so außergewöhnlich. In der Gastronomie normal... Besonders tragisch und engstirnig der Fall mit dem Lehrling und dem fehlendem Frauen WC. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln...

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  • Moni am 27.09.2016 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum Glück

    Ein Spuckschutz ist in der Gastronomie absolut normal. Und ehrlich, dafür sind wir auch dankbar. Es geht ja ums darüber husten, niesen und oft auch sehr feuchte Aussprache.

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  • thinkagain am 27.09.2016 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Lebensmittelinspektor

    Richtig, bis auf eins: Das mit dem Spuckschutz am Grill finde ich absolut in Ordnung. Ist in jedem Imbiss und Bäcker auch so. Und hier gehts nicht nur ums Spucken. Wer schon mal auf der anderen Seite gestanden hat, weiss, dass Kunden sonst schnell Zeigen und Anfassen verwechseln. Und im Zoo haben sie ihre Hände vielleicht grad noch an Stellen gehabt, da wird dann die tot geglaubte Wurst auf einmal wieder lebendig...

Die neusten Leser-Kommentare

  • H. Erni am 27.09.2016 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mundschutz ist wichtig

    Gestern Abend, servierte in dem Restaurant wo wir waren eine offensichtlich erkältete Serviererin, hustend das Essen. Zum Glück sassen wir auf der anderen Seite des Lokals, und hatten eine andere Serviererin.

    • Paul am 27.09.2016 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      ok aber

      Den Spuckschutz finde ich i. O. Er müsste nur etwas höher sein, falls der Grill nicht nur Appenzeller und Kinder bedient.

    • Paul am 27.09.2016 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Auweia!

      PS Vielleicht geht der Preis des nächsten Jahres an den Staatsanwalt, der wegen der Appenzellerbemerkung ein Verfahren wegen Verstoss gegen das Antirassismusgesetz einleitet.

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  • Liberaculo am 27.09.2016 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Richter abwählen!

    Im Fall der jungen Dame mit der Handyhülle muss man unbedingt vor den nächsten Richterwahlen den Namen des Richters oder der Richterin, welcher oder welche die Busse aussprach ausfindig und publik machen: Ein solcher Richter gehört abgewählt!

    • Geni am 27.09.2016 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Liberaculo

      Genau! An den Pranger stellen wie früher! Damals hats geholfen, dass sich die Leute ihre Entscheidungen zuerst wohlüberlegt haben! Hilft heutzutage umsomehr!!

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  • Vernünftige am 27.09.2016 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gaht`s noch, Herr Berset und Co ?

    Ich würde in den Gahts-no-Preis das aufnehmen : Das Gesundheitsamt will, dass man die Pillen im Blister belässt. Und erst dann vor Gebrauch aufmacht. Folge : Ich kann meine Pillen nicht mehr selber aus dem Medikamentenschieber nehmen. Das bedeutet für die behinderten Bewohner dass sie es nicht mehr selbstständig hinkriegen. Also muss das Personal das Zeugs wieder verteilen - bei den Leuten, die es selbst nehmen könnten, aber halt die blöden Pillenblister nicht schaffen..bisher konnte ich meine Pillen immer für einen Monat gerichtet bekommen, und konnte die selber nehmen....

  • mike tomba am 27.09.2016 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der diesjährige Titel ist fix vergeben

    und der Gewinner ist: FDP

  • Wilhelm 1st am 27.09.2016 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ich nominiere die FDP selber...,

    die als "bürgerliche" Partei eine katastrophale Umsetzung der MEI goutiert.