Dem Schicksal überlassen

18. Dezember 2012 21:54; Akt: 18.12.2012 23:18 Print

Demenzkranker in Indien entsorgt - vier Jahre Haft

von Attila Szenogrady - Um Pflegekosten zu sparen, hat eine Bassersdorferin ihren dementen, 74-jährigen Lebenpartner in Indien ausgesetzt – wo er starb. Die Frau muss vier Jahre ins Gefängnis.

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Das Obergericht sprach am Dienstag von einem äusserst planmässigen und gezielten Vorgehen der heute 65-jährigen Beschuldigten. Fest steht, dass die Bassersdorfer Devisenhändlerin am 29. Januar 2008 ihren schwer behinderten Lebenspartner aus dem Alterszentrum Geeren in Seuzach abholte. Kurz darauf flog sie mit ihm nach New Delhi. Der damals 74-jährige Geschädigte war nach einem früheren Suizidversuch schwer behindert und zudem an Demenz erkrankt. Allerdings war er immer noch vermögend, wobei die 1987 geborene Tochter der Beschuldigten als Alleinerbin eingesetzt war.

Sicher ist, dass die Devisenhändlerin den verwirrten Senior in einem ländlichen Dorf in der Provinz Punjab einer Familie anvertraute. Wobei die notwendige medizinische Versorgung für den betagten Patienten überhaupt nicht gewährleistet war. Vor allem das regelmässige Wechseln eines Katheters zum Urinieren. Gegenüber dem Pflegeheim in Seuzach hatte die Beschuldigte ausgeführt, dass sie mit ihrem langjährigen Lebenspartner zunächst Ferien in Dubai geniessen würde. Danach wolle sie sich in ihrer Wohnung in Bassersdorf alleine um ihn kümmern.

Zwei Jahre bedingt in Winterthur

Alles gelogen, wie sich später herausstellte. So überliess die Beschuldigte den früheren Landwirt seinem Schicksal und flog bereits nach wenigen Tagen in die Schweiz zurück. Sie kehrte nie wieder nach Indien zurück. Bis dieser im November 2008 am Indus verstarb.

Allerdings hatte die Bassersdorferin die Rechnung ohne die Behörden gemacht. Noch zu Lebzeiten des ausgesetzten Seniors war die Bundespolizei auf ihre Schliche gekommen. Nachdem der Rentner verstorben war, kam die Beschuldigte für 170 Tage in Untersuchungshaft. Wobei sie ihre Unschuld beteuerte. Auch am Bezirksgericht Winterthur, wo ihre Verteidigung auf einen vollen Freispruch plädierte. Ohne Erfolg, da das Landgericht wegen Aussetzung eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren ausfällte.

Laut Obergericht eine klare Entführung

Alle Parteien legten Berufung gegen den Winterthurer Entscheid ein und sahen sich am Dienstag vor Obergericht. Die Beschuldigte beteuerte erneut ihre Unschuld und führte aus, dass sie für den Geschädigten nur das Beste gewollt habe. Sie habe ihn vor dem Pflegeheim in Seuzach bewahrt. Auch der Verteidiger plädierte auf einen vollen Freispruch und hielt fest, dass der Senior gar nicht so krank gewesen sei und sich aus freien Stücken nach Indien begeben habe. Zudem habe sich dieser als ehemaliger Landwirt in Indien sehr wohl gefühlt, führte er aus.

Im Gegensatz zum zuständigen Staatsanwalt Roland Geisseler, der von einer rücksichtslosen Abschiebung ausging und wegen Entführung eine hohe Freiheitsstrafe von sieben Jahren forderte.

Das Obergericht sah zum Schluss eine Entführung als klar gegeben an. Vor allem da der Geschädigte gemäss ärztlichen Berichten nicht mehr urteilsfähig gewesen sei. Dass die Oberrichter eine Aussetzung als nicht erwiesen einstuften, spielte kaum mehr eine Rolle. So erhöhten sie die Strafe infolge der Entführung massiv auf vier Jahre Freiheitsentzug. Ohne Bewährungschance. Die Devisenhändlerin zeigte sich während der Urteilseröffnung erheblich betroffen vom Entscheid und musste sich mit ihren beiden Händen an den Lehnen des Angeklagten-Stuhles abstützen.

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