15 Monate bedingt

10. Dezember 2012 23:34; Akt: 10.12.2012 23:34 Print

Depressiver Anwalt zügelte Erbschaften ab

Um finanzielle Löcher zu stopfen, hat ein Zürcher Rechtsanwalt aus zwei Erbschaften insgesamt 420'000 Franken für sich abgezweigt. Dafür brummte ihm das Gericht eine bedingte Freiheitsstrafe auf.

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Das Zürcher Bezirksgericht verurteilte den Mann, der einst als Verteidiger selbst dort gearbeitet hatte, zu 15 Monaten Gefängnis bedingt. (Bild: Colourbox.com)

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Das Zürcher Bezirksgericht sprach von einem «krassen Vertrauensbruch» des Beschuldigten. Er habe als Willensvollstrecker und Rechtsanwalt den letzten Willen der Verstorbenen missachtet. Der Tat hänge eine gewisse Dreistigkeit und Schäbigkeit an, sagte die Gerichtsvorsitzende.

Der Beschuldigte habe nicht in Saus und Braus gelebt, hiess es am Montag vor Gericht, «sondern nur noch finanzielle Löcher gestopft». Zudem wurde dem Mann eine chronisch depressive Verstimmung attestiert. Der heute 65-Jährige erhielt schliesslich eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

Früher stand der langjährige Rechtsanwalt selber als Verteidiger vor dem Bezirksgericht. Nun sass er für einmal auf der Anklagebank. Der Mann war geständig. Demnach hatte er in den Jahren 2006 und 2007 als amtlicher Willensvollstrecker den Nachlass von zwei verstorbenen Frauen veruntreut.

Insgesamt 420'000 Franken veruntreut

In einem ersten Fall bediente sich der Jurist am Erbe einer verstorbenen Millionärin. Laut Anklage liess er bereits einen Monat nach dem Tod der Frau die ersten 25'000 Franken auf sein Konto überweisen. Es folgten weitere Bezüge, bis er zum Jahresende 2006 illegal insgesamt 175'000 Franken erbeutet hatte.

Er habe damals gedacht, er dürfe bis zu siebeneinhalb Prozent des Vermögens für sich beziehen, sagte der Jurist vor Gericht aus.

Ab Frühjahr 2007 bediente er sich an einer weiteren Erbschaft einer verstorbenen Schweizerin. Diesmal zweigte er 245'000 Franken für sich ab. Er habe aufgrund von noch nicht bezahlten Honoraren von Kunden fest damit gerechnet, dass er das Geld jederzeit zurückzahlen könne, rechtfertigte er sein gesetzeswidriges Vorgehen.

Anwaltspatent bereits früher entzogen

Die Behörden hatten dem Beschuldigten das Anwaltspatent bereits vor zwei Jahren entzogen. Der zuständige Staatsanwalt sprach von einem heillosen Durcheinander, auf das die Untersuchungsbehörden bei der Durchsuchung des Büros des Mannes gestossen seien. Man habe ganze Berge von ungeöffneter Post entdeckt.

Die Anklage verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Verteidigung forderte aufgrund des umfassenden Geständnisses und der Lebenskrise ihres Klienten eine möglichst milde Strafe.

(sda)

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