Winterthur

11. Dezember 2017 21:14; Akt: 11.12.2017 21:14 Print

Drei Jahre Praktikum vor Stelle als Kita-Betreuer

Pro Jahr gibt es in Winterthur 72 Praktikumsstellen für angehende Kita-Betreuer – Lehrstellen gibt es aber nur 42. So entsteht eine Wartezeit von bis zu drei Jahren.

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Wer in einer Kita eine Lehrstelle machen will, muss sich bis zu drei Jahre mit Praktikumsstellen durchschlagen. Zu viel, findet SP-Gemeinderätin Regula Keller. (Bild: Keystone/Jens BÜttner)

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Im nationalen Berufsbildungsgesetz ist eigentlich verankert, dass die Lehre an die obligatorische Schule anschliesst. Offenbar ist das aber nicht überall der Fall, wie der «Landbote» schreibt: Es ist gang und gäbe, dass Anwärter für eine Ausbildung als Fachangestellter Betreuung (FaBe) vor Antritt der Lehre jahrelang in Praktika in Kitas feststecken.

So haben in der Stadt Winterthur 90 Prozent der Lernenden ein Praktikum absolviert, das über ein, zwei und teilweise sogar drei Jahre dauerte – und dies oft für 800 Franken oder sogar weniger pro Monat. Davon hält Berufsschuldirektor Paul Müller nichts, wie er zum «Landboten» sagt. Wegen der langen Praktika hätten die Schüler Lücken in allgemeinbildenden Fächern und seien so auch benachteiligt, wenn sie eine Berufsmaturitätsschule absolvieren wollten.

30 Lehrstellen weniger als Praktikumsstellen

Diese Praktikumskultur lässt sich mit den Zahlen erklären: In Winterthur sind derzeit 72 Praktikantinnen und Praktikanten in Kitas angestellt – im kommenden Sommer werden aber nur 42 Stellen frei sein. Dem will SP-Gemeinderätin Regula Keller ein Ende setzen. Sie hat eine Interpellation eingereicht, die klären soll, ob der Stadtrat gewillt ist, diese Kultur zu ändern.

Das Problem ist auch national bekannt: Der Verband Kinderbetreuung Schweiz Kibesuisse rät zu einem Verzicht von Praktikumsstellen, sofern dies die finanzielle Situation zulässt. Ein Verbot von Praktika ohne klare Aussicht auf eine Lehrstelle könne erst durchgesetzt werden, wenn klar sei, wer für die Mehrkosten aufkäme.

(tür)

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