Ungebetener Gast

03. Mai 2012 14:48; Akt: 04.05.2012 08:57 Print

Eine Schildkröte liegt den Möwen in der Sonne

Frech räkelt sich eine Schildkröte neben der Brutstelle einer Lachmöwe im Neeracherried. Das Tier ist nicht zum ersten Mal unerwünscht: Vermutlich wurde es von seinen Besitzern ausgesetzt.

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Eine Rotwangenschmuckschildkröte sonnt sich vor dem Nest einer Lachmöve. Die Schildkröte ist in der Schweiz nicht heimisch: Woher sie stammt, ist unklar. (Bild: Heinz Zumbühl)

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Der Tierfotograf Heinz Zumbühl ist im Neeracherried auf der Pirsch. Er will die seltenen Lachmöwen, die zur Zeit im zürcherischen Naturschutzgebiet brüten, vor die Linse bekommen. Doch er entdeckt ein noch viel selteneres Tier: Eine Rotwangen-Schmuckschildkröte sonnt sich auf einer kleinen Insel neben der Brutstelle einer Lachmöwe. Diese fühlt sich erheblich in ihrer Ruhe gestört. «Sie reklamierte lautstark», erzählt Zumbühl. Kein Wunder: Die Schildkröte ist kein heimisches Tier. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika.

«Die Schildkröte wurde sicher ausgesetzt», so der Tierfotograf. «Die Leute kaufen Schildkröten im Tierhandel, beispielsweise für ihre Kinder, und vergessen, dass diese Exemplare rund 30 Jahre alt werden können», so Zumbühl. Kaum hat ihr Besitzer keine Zeit oder Lust mehr, sich um das Tier zu kümmern, wird es in ein Gewässer ausgesetzt.

Die unerwünschte Schildkröte scheint sich daran nicht zu stören. Sie überlebt auch im Freien. «Im Winter taucht das Tier auf den Grund des Gewässers und überwintert dort wie ein Fisch», erklärt Zumbühl. Auch die kalten Schweizer Tage seien kein Problem. Beim Naturschutzzentrum Neeracherried kennt man das Tier. «Schon seit Längerem ist diese Schildkröte unsere Untermieterin. Sie ist ein Einzelstück», so ein Sprecher des Zentrums. Dass die Schildkröte aus einem Garten ausgebüxt ist, glaubt er kaum. «Ich denke, sie wurde ausgesetzt. Auf jeden Fall hat sich noch kein Besitzer gemeldet.»

(dwi)