Frauen pranken

01. Februar 2018 05:48; Akt: 01.02.2018 13:00 Print

Informatik-Student haucht Herzchen an Zugscheiben

Ein Video geht viral, in dem ein 24-Jähriger fremden Frauen mit gehauchten Herzli an Zugscheiben eine Freude machen will.

Stefan Wehrli möchte Zugpassagieren eine Freude machen (Video: Stefan Wehrli, Lensbreak Studios).
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Im Internet gibt es Tausende von Videos, die zeigen, wie jemand vor laufender Kamera reingelegt wird. Beim sogenannten Pranken geht es darum, die oft zufällig ausgesuchten Opfer zu erschrecken. Der 24-jährige Informatikstudent Stefan Wehrli will das auf seinem Youtube-Kanal Lensbreak Studios ändern. Er findet es zwar eine tolle Idee, fremde Menschen anzusprechen. «Aber ich möchte nicht zeigen, wie jemand zu Schaden kommt, sondern andere mit einer positiven Überraschungen inspirieren», sagt der Aargauer aus Beinwil.

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In seinen Videos zeigt er, wie er mit originellen Aktionen die Aufmerksamkeit von Frauen gewinnt. Eines dieser Videos ging in den vergangenen Tagen viral. Über 1,6 Million Nutzer haben den Beitrag «Prank! Breathing on Girls» bereits aufgerufen. In diesem zweiminütigen Film haucht er bei zufällig angetroffenen weiblichen Passagieren Herzchen an die Zugscheibe.

«Früher war ich schüchtern»

«Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, mit wie viel Freude Menschen auf meine einfache Aktion reagieren», sagt Wehrli. Er sei fast schon süchtig nach diesem Moment, in der er die Freude in den Gesichtern sehe und miterleben könne. Auch in den Kommentarspalten loben ihn seine Fans für diesen Ansatz. «Würde jeder täglich einem Fremden eine kleine Freude machen, sähe die Welt anders aus», ist Wehrli überzeugt.

Das ist aber nur ein Ziel, das er mit seinen Videos verfolgt. Der 24-Jährige möchte auch zeigen, wie einfach es ist, Frauen auf originelle Art und Weise anzusprechen. «Früher war ich schüchtern, heute müsse er sich kaum mehr überwinden», sagt er. Zum Teil könne er sogar Handy-Nummern ergattern. Zu Schwierigkeiten mit eifersüchtigen Männern oder peinlich berührten Frauen komme es dabei nur selten.

«Er ignoriert ablehnende Gesten»

Die Aktion von Wehrli erhält grundsätzlich Unterstützung vom feministischen Kollektiv Aktivistin.ch. «Es ist eine super Idee, Menschen auf originelle Weise anzusprechen», sagt Mitglied Christine Gruber. Das sei Wehrli in einigen Videos auch gelungen. Der Beitrag, der nun viral ging, findet sie aber problematisch, weil die Frauen keine Möglichkeit haben, durch die Scheibe hindurch ablehnend zu reagieren. Ebenso würde der 24-Jährige ablehnende Gesten ignorieren.

«Wenn ein Mensch so angesprochen wird, dass er nur mit einer positiven Antwort reagieren kann und sonst weiterhin bedrängt wird, ist das belästigend», erklärt Gruber. Ein Problem sei auch, dass er die Personen bei diesem Video ungefragt gefilmt habe. Wehrli hält dagegen, dass er die gefilmten Frauen durch die Scheibe gefragt habe, ob sie einverstanden sind.

«Sehen, wie Männer reagieren»

Gruber fände es zudem schön, wenn Wehrli auch ein Video machen würde, in dem eine Frau Männer anspricht. Damit würde er ein Zeichen gegen alte Klischees setzen. Wie Wehrli sagt, sei das genau eine seiner nächsten Ideen auf der langen Liste. «Ich möchte in Zukunft alle meine Ideen umkehren, um zu sehen, wie Männer reagieren.»

(tam)