Knatsch auf Social Media

30. August 2017 06:16; Akt: 30.08.2017 06:16 Print

Fehr entschuldigt sich bei Ex-Muslim für ihren Post

In einem Post ärgert sich die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr über einen Ex-Muslim, der in einem Interview den Islam kritisierte. Dieser reagiert empört.

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Für ihren Facebook-Post gegen Kacem El Ghazzali entschuldigt sich Jacqueline Fehr, ihre Anschuldigungen ändern sich jedoch kaum. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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«Reicht es heute einfach, als Muslim gegen den Islam zu wettern, um als Experte zu gelten?» Das schrieb die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr in einem Post auf Facebook. Und weiter: «Wieso überprüfen Journalistinnen und Journalisten die aufgestellten Behauptungen (z.B. über das Verhalten der autonomen Schule) nicht?»

Die Justizdirektorin reagierte damit auf ein Interview mit Kacem El Ghazzali, das in der Zeitung Bund erschienen ist. El Ghazzali hatte in Marokko anonym einen islamkritischen Blog betrieben, wurde enttarnt und bekam darauf Morddrohungen. Als Folge davon beantragte er auf der Schweizer Botschaft in Marokko Asyl. Seit drei Jahren ist er als Flüchtling in der Schweiz und bekennt sich öffentlich als Atheist.

Im Interview äusserte El Ghazzali unter anderem Kritik am Islam und sagte Dinge wie «viele ehrlich engagierte Schweizerinnen und Schweizer im Flüchtlingsbereich haben Angst, Kritik am Islam zu üben». Zudem erzählte er von einer unglücklichen Erfahrung an der autonomen Schule in Zürich, wo er von zwei Algeriern wegen seines Atheismus als unerwünscht betitelt wurde, und die Schule seine Beschwerde diesbezüglich nicht einmal beachtete.

Jacqueline Fehr reagiert nicht auf El Ghazzalis Fragen

Die Reaktion von Regierungsrätin Fehr stösst bei El Ghazzali auf sehr viel Unverständnis: «Ich war, gelinde gesagt, erstaunt über die gehässige und respektlose Wortwahl in ihrem Status», so El Ghazzali zu 20 Minuten.

Auf Facebook forderte der Atheist die Regierungsrätin auf, ihm zu sagen, weshalb sie ihn Muslim nenne, obwohl dies falsch sei und weshalb sie ihn als Experte bezeichne, dabei habe weder die Zeitung noch er sich selbst so betitelt. «Frau Fehr reduziert mich auf meine vermeintlich angeborene Religion», sagt El Ghazzali. Diese Denkform negiere die Möglichkeit der gesellschaftlichen und individuellen Emanzipation. «Das ist keine aufgeklärte Haltung.»

Diesen Vorwurf weist Jacqueline Fehr auf Tagesanzeiger.ch zurück: «Ich nehme die Religionszugehörigkeit eben gerade nicht als einziges bestimmendes Identitätsmerkmal eines Menschen wahr.» Dass sie El Ghazzali Muslim genannt habe, sei aber ein Fehler gewesen: «Dafür möchte ich mich entschuldigen. Mir ging es auch nicht um Herrn El Ghazzali als Person, sondern um die Berichterstattung generell», sagt sie.

Als Folge davon hat Fehr auch ihren Facebook-Post abgeändert. Sie zeigt sich aber weiterhin verärgert darüber, dass «ganze Zeitungsseiten mit zahlreichen pauschalen Behauptungen» gefüllt werden.

(tür)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carl Ferdinand am 30.08.2017 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Islam-Kritik nicht erlaubt

    Das sind die Auswüchse unserer politischen Korrektheit. Lustig, wenn jemand kritisiert, dass man den Islam nicht kritisieren kann, und dann kritisiert wird dass er genau das tut. Vielleicht sollte Frau Fehr mal raus aus der Schweiz gehen und in ein islamisches Land, dessen Gastfreundschaft kennen lernen wenn man sich nicht der Shari'a unterwirft. Das nenne ich mal Unterdrückung. Toleranz ist der Untergang unsere westlichen Welt.

  • Besorgter Zürcher am 30.08.2017 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Unfair

    Dieser Post von Frau Fehr zeigt die bedenkliche Haltung im Umfeld der autonomen Schule auf. Was nicht in ihr Weltbild passt wird ignoriert. Zum Schaden der CH-Bevölkerung und der echten Flüchtlinge.

  • Tim am 30.08.2017 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Frau Fehr

    Machen Sie doch Ihren Job, wofür Sie gewählt worden sind! Und dieser ist nicht Facebook!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chrigu am 30.08.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Auch auf die Schweiz übertragbar.

    Abdel Samad's letzte Worte an einer Podiumsdiskussion zu seinem vorletzten Buch: "Der Schariastaat Sudan hat den Islam falsch verstanden. Der Schariastaat Somalia hat den Islam falsch verstanden. Der Schariastaat Iran hat den Islam falsch verstanden. Der Schariastaat Saudi-Arabien hat den Islam falsch verstanden. Die einzigen die den Islam richtig verstehen, das ist die deutsche Linke!"

  • Robin Hood am 30.08.2017 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um Werte, nicht um Meinungen

    Hier geht es, wie meist im Umgang mit dieser Religion immer und immer wieder um Werte und Menschenrechte. Wir müssen als Schweizer unsere Werte vertreten und verteidigen, und vor allem die Politiker müssen dies dringend tun. Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut, dass bedeutet, dass auch Meinungen gesagt werden dürfen, die nicht allen passen. Wenn wir nicht mehr frei reden dürfen, dann haben wir bald Verhältnisse wie in der Türkei. Wacht auf! Es ist naiv, die grossen Probleme mit einer menschenverachtenden Religion, welche teilweise mit Gewalt gelebt wird, schönzureden.

  • Kay Respekt am 30.08.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch keine Entschuldigung!

    ... typisch SP. Erst beschuldigen... dann abstreiten aber auf keinen Fall Einsicht zeigen. Unsere Cüpli Sozialisten sitzen auf einem extrem hohen Ross... Dabei haben sie keinen Respekt vor dem einzelnen Menschen und schon gar nicht vor der eigenen Kultur. Sie wollen - Koste es was es wolle - den Komunismus mit ihnen an der Spitze einführen. Mit sozialer Politik hat die SP schon sehr lange nichts mehr zu tun...

  • Oliver R. am 30.08.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Warner

    Ist heute leider so. Der Warner ist bösse, rassistische, hat irgend eine Phobie, ist ewig gestrieg und so weiter und so fort. Wenn dann die Traumblase an der Realität platzt, schreien die gleichen wieder: Warum hat niemand gewarnt.

  • Andi am 30.08.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe PolitikerInnen!

    Liebe PolitikerInnen: Wenn es um den Zustand des Islams im Allgemeinen sowie im Besonderen in der Schweiz geht dann sind wohl diejenigen geeignete AnspechspartnerInnen die irgendwie dazugehören und auch von ihrer Einstellung her nicht mit der in der Schweiz geltenden Gesetze, Bräuche und Ansichten kollidieren. Kazem El Ghazzali, aber auch Saida Keller-Messahli und ihre Mitkämpferinnen für einen fortschrittlichen Islam gehören sicher dazu und ihre Stimme sollte, gerade bei Linken, Gewicht haben! Oder sollen die von den Saudis oder von Erdogan gesponserten Salafisten Ansprechpartner sein?

    • Pearl am 30.08.2017 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ Andi

      Danke, für den sehr treffenden Kommentar. Des öfteren schäme ich mich für unsere naiven Politiker. Die besten Diskussionen in dieser Sache führte ich immer mit Menschen, welche aus den muslimischen Ländern stammen, sowohl mit liberalen als auch konservativen Muslims. Zudem habe ich mehrjährige Erfahrung mit muslimischen Asylsuchenden und stellte immer wieder fest, dass die Minderheit liberal und offen ist und genau jene, kommen von beiden Seiten unter Beschuss. Tragisch. Wenn ihr wüsstest, was die Mehrheit über uns Schweizer sagt und denkt, dann würden viele erschrecken. Träumt weiter.

    • Andi am 30.08.2017 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Pearl

      Ich arbeite täglich mit dutzenden von Muslimen zusammen. Ihre Einstellungen zu Religion und Gesellschaft stimmt so in etwa mit den unsrigen überein, mit allen auch bei uns vorkommenden Facetten. Daher habe ich andere Erfahrungen mit Muslimen im alltäglichen Leben als Sie. Und gerade darum müssen wir solche Hinweise von (fortschrittlichen) Muslimen umso ernster nehmen! Aber eben, unseren Politikern sind fette Geschäfte mit den Saudis wichtiger als der religiöse Frieden!

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