Schlafen im Dolder

31. Dezember 2017 22:56; Akt: 31.12.2017 22:56 Print

So fühlen sich Luxusferien in der eigenen Stadt an

von Maja Sommerhalder - Für 140 Franken können Zürcher im Januar in Luxus-Hotels in ihrer eigenen Stadt übernachten. 20 Minuten hat es im Vorfeld im Dolder Grand ausprobiert.

Luxusferien im Dolder für 140 Franken – eine Art Videotagebuch.
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Die Ferien in meiner eigenen Stadt beginnen mit Anreiseproblemen. Streckenunterbruch an der Forchstrasse. Ich hetze mit dem Kinderwagen durch halb Zürich, bis ich endlich in der Dolderbahn sitze. Langsam tuckert das Züglein zum Schlösschen mit den vielen Türmchen hoch, das ich bisher nur von aussen kenne.

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Das Dolder Grand sprengt mein Budget. Für 540 bis weit über 4000 Franken kann man in diesem 5-Stern-Hotel für eine Nacht absteigen. Doch an zwei Januarwochenenden dürfen Zürcher dank der Aktion «Erleb dis Züri» für 140 Franken hier schlafen. 58 Hotels in Stadt und Region bieten für die lokale Bevölkerung Übernachtungen mit Frühstück zu Spottpreisen an. Sie wollen sich bei uns bedanken, weil wir so nett zu den Touristen sind.

Sehr nett ist auch der Rezeptionist im Dolder Grand, der uns durch die endlosen Gänge mit den vielen Kunstwerken und Schmuck-Vitrinen führt. Im Zimmer erklärt er mir, wie ich mit dem iPad den Vorhang öffnen kann. Dann sind wir allein in der Junior Suite Grand, die von ihrer Grösse her mit mancher Wohnung mithalten kann. Allein das Bad ist fast so gross wie mein Schlafzimmer, in den Schränken hätte meine ganze Garderobe Platz und auf dem Bett könnten mehrere Leute querliegen.

So viel Technik...

Ich fläze mich auf das weisse Riesensofa. Doch mein einjähriger Sohn will gerade die schönen Blümchen vom Glastisch runterreissen. Zur Ablenkung schauen wir vom Balkon auf den Zürichsee und auf den dampfenden Dolder-Aussenpool hinab. Ich bin ein bissen neidisch, denn Kinder sind erst ab 12 Jahren im Spa zugelassen.

Kleiner Trost: Mein Zimmer ist mit einer Jacuzzi-Badewanne und mit einer Dusche mit gefühlten 1000 Brausen ausgestattet. Der Fernseher lässt sich per Knopfdruck drehen, und die vielen Lichtschalter überfordern mich leicht.

39 Franken für ein Clubsandwich

Und so kommt es bei meinem ersten Mal in einem 5-Stern-Hotel noch zu einer weiteren Premiere: Ich bestelle via iPad mein Essen auf das Zimmer. Zugegeben, bei den 39 Franken für ein Clubsandwich muss ich leer schlucken, doch es ist so gross, dass davon mein hungriges Baby und ich mehr als satt werden. Mein Kind hinterlässt nach der Mahlzeit sein übliches Schlachtfeld auf Tisch und Boden. Das Personal bietet sofort die Putzequipe auf.

Söhnchen schläft schnell ein, und endlich kommt mein Mann von der Arbeit. Zeit für Badewanne und TV. Ich schaffe es, noch einige Seiten im Dolder-Saga-Buch zu lesen, das auf meinem Nachtisch liegt. Dann schläft alles. Den Wecker habe ich umsonst gestellt, denn mein Sohn reisst schon um 6 Uhr morgens an meinen Haaren.

Bin ich schick genug für den Frühstückssaal?

Weil jetzt mein Mann da ist, darf ich dank der frühen Tagwacht noch einige Runden im Spa-Hallenbad mit den Steinwänden drehen. Dann frage ich mich schon, ob ich auch schick genug angezogen bin für den Frühstückssaal. Bin ich, denn an den Tischen sitzen Gäste in Jeans und Pulli sowie Familien mit kleinen Kindern. Und so lächelt die Kellnerin verständnisvoll, als Söhnchen mit dem Lachs und den Erdbeeren vom Buffet spielt.

Gern würden wir hier noch mehr Eier Benedict, Käse und Müesli essen – eine Runde Sauna und dann zur Abkühlung in den Raum mit den Eiszapfen wäre schön. Doch unsere Kurzferien sind vorbei, ich muss arbeiten. Ich gähne, als die Dolderbahn runter in die Stadt fährt. Unser Sohn schläft in seinem Kinderwagen sofort ein.

Ich hatte Glück, dass ich im Vorfeld der Aktion «Erleb dis Züri» im Dolder übernachten konnte, denn die Zimmer waren dort schnell weg. Weitere Hotels gibt es hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Moser am 01.01.2018 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Sohnemann

    Frau/ Mann könnte ja ihrem Söhnchen auch klarmachen, dass der Lachs und die Erdbeeren nicht zum Spielen da sind. Könnte sogar als Erziehung durchgehen......

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  • Max Schertenleib am 01.01.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwelche Bemühungen.....

    ......dass Söhnchen beim Frühstück nicht mit den Esswaren spielt? Uns hat die Mutter dies schon im zarten Kindesalter beigebracht, und nicht nur in 5-Sterne-Hotels. Das ganze heisst übrigens Erziehung und beginnt üblicherweise schon früh.......

  • Randolf am 01.01.2018 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung

    Als Dank für die quasigratis Übernachtung lässt man das Kind auf dem Boden Essen und am Buffet mit dem Essen spielen, wo sich andere auch noch bedienen wollen. Naja. Gute Erziehung hat bei einigen keine Priorität mehr. Wie soll aus den Kindern später etwas werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • ES am 01.01.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sache der Erziehung

    Dem sagt man heute erziehen , ich schätze es so dass es Ferienhotels gibt wo Kinder nicht erwünscht sind . War auch Mutter von zwei Töchter und sogar dreifache Grossmutter , aber zum Glück wurden diese noch erzogen

  • Sara am 01.01.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe

    Gilt das Angebot auch für nicht Zürcher?

  • marsel am 01.01.2018 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so spiessig wegen dem Kind?

    Hat denn niemand das Video geschaut? Der Kleine ist knappe 12 Monate alt! Wie gut erzogen soll so ein Winzling denn sein?

    • Fräulein Rottenmeier am 02.01.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marsel

      Gerade weil ein ca. 12 monatiges Kind noch nicht weiss, dass im Hotel am Buffet nicht mit dem Essen gespielt wird, gehört es an die Hand von Mama oder Papa oder sitzt im Kinderstuhl. Kann mir nicht vorstellen, dass dies andere Gäste jöh und härzig finden, wenn der Kleine am Buffet mit deren Essen spielt.

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  • Lee B. Lingg am 01.01.2018 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das richtige Umfeld

    Kann passieren, wenn man sich in einem Umfeld bewegt in das man nicht wirklich gehört.

  • Unglaublich am 01.01.2018 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohhhh nein...

    Lasst doch mal das Kind in ruhe!!!! Unglaublich das gejammere...

    • maria am 01.01.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      ohhhh nein

      Kindererziehung, wer kennt das heute noch?

    • Dänuz am 01.01.2018 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Unglaublich

      Es geht ja auch um die Eltern, das Kind kann nichts dafür, dass es nicht erzogen wird.

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