Zürich

04. Dezember 2016 10:24; Akt: 04.12.2016 10:25 Print

Ferrari wurde laut Gericht zu Recht eingezogen

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat einen Ferrari eingezogen, obwohl sein Halter damit vielleicht gar nie gerast ist. Zu Recht, findet das Obergericht. Der Mann liebe offenbar Tempoexzesse.

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Das Obergericht befand, dass der Ferrari in den Händen seines Besitzers ein potenzielles Risiko für die Verkehrssicherheit darstellt. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Der Beschwerdeführer und seine Freunde lieben hohe Geschwindigkeiten. Mit ihren Autos, die sie sich gegenseitig auch ausleihen, führen sie immer wieder Raserfahrten durch. Dabei filmen sie ihre illegalen Ausflüge gerne mit dem Handy.

So auch im Januar 2016, als der Beschwerdeführer seinem Kollegen einen Audi auslieh und die Fahrt vom Beifahrersitz aus filmte. Die Aufnahme zeigt auf dem Tacho, wie das Auto auf 227 Stundenkilometer beschleunigt. Danach schwenkt das Handyfilmchen auf den Beifahrer, den Kläger.

Obwohl dieser nicht selber am Steuer sass, machte die Staatsanwaltschaft danach kurzen Prozess und zog seine Autos ein, darunter auch einen Ferrari - aus Sicherheitsgründen. Der Beschwerdeführer weist zwar keine einschlägigen Vorstrafen auf, allerdings wurde ihm bereits zwei Mal der Fahrausweis entzogen.

Kein Beweis für Raserfahrt

Der Freund schneller Autos argumentierte, dass er mit dem Ferrari nie gerast sei und er ihm zurückzugeben sei. Die Kratzer im Frontspoiler würden nur daher stammen, dass er einen Randstein touchiert habe.

Dabei handle es sich aber höchstens um eine Verkehrsregelverletzung, nicht aber um ein schweres Verkehrsdelikt. Er reichte deshalb beim Obergericht Beschwerde gegen die Einziehung ein.

Das Obergericht gab dem Mann zwar Recht, dass eine Raserfahrt mit dem Ferrari nicht bewiesen sei. Aufgrund der gesamten Umstände entstehe aber der Eindruck, er habe nicht nur eine Vorliebe für schnelle Fahrzeuge und hohe Geschwindigkeiten, sondern lege auch keinen Wert auf Verkehrsvorschriften.

Das erkenne man auch daran, dass er seine Freunde nicht davon abhalte, die Regeln zu brechen. Stattdessen filme er sie auch noch mit dem Handy. Dementsprechend sei zu befürchten, dass der Ferrari in seinen Händen tatsächlich ein Risiko für die Verkehrssicherheit darstelle. Die Beschlagnahme des Sportwagens sei deshalb angebracht.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 04.12.2016 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizeistaat

    Braucht es keine rechtskräftigen Verurteilungen mehr? Der Staat kann einfach enteignen? Ohne Urteile. Nach belieben. Gesetze sind da um eingehalten zu werden. Gilt aber für ALLE Seiten. Sonst leben wir bald in Anarchie...

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  • Adel S.P am 04.12.2016 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beginn der Staatlichen Willkür

    Na ja man sollte vorsichtig sein wenn man hier nicht im Sinne des Angeklagten entschieden hat. Den schnell kann dies hier zu einem Präferenz-Fall werden. An dem sich andere Fälle in Zukunft orientieren. Und wen jemand eine Vorliebe zu Waffen hat oder zur spezieller Compuer Hardware kann die Staatsanwaltschaft alles konfieziere um evtl. Verstösse vorzubeugen. Ich würde aus vorsichtig vor Staatlicher willkür den Mann unterstützten. Den morgen werden Sie vielleicht enteignet aus Vorliebe zu etwas ohne aber jemals ein Gesetz gebrochen zu haben.

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  • Klugerin am 04.12.2016 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nanana

    Organisierte Fahrzeugausleihe, um die Beschlagnahme der Fahrzeuge zu umgehen. Schön hat das Recht über den Paragrafen gesiegt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blödsinn am 07.12.2016 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ich habe gehört das Video wurde in Deutschland aufgenommen. Der schweizer Staat ist ein Skandal geworden - wie im Amiland, jeder muss beweisen dass er unschuldig ist und die Leute finden das noch toll...

  • Jean am 05.12.2016 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunt

    Es ist schon erstaunlich wie viele Personen dieser Typ verteidigen. Gemäss Artikel wurde ihm bereits zwei Mal der Fahrausweis entzogen.

    • Blödsinn am 07.12.2016 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jean

      Na und? Ist es deswegen bewiesen, dass er sonst noch was gemacht hat? Nein! Schon mal was von Unschuldsvermutung gehört? Wenn nein, können Sie grad beim Staat anfangen, denn die scheinen das auch nicht mehr zu kennen...

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  • Andi am 05.12.2016 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    verdacht

    Hutzutage kann die Polizei zum Beispiel auf Verdacht "Übermüdung" der Fahrausweis entzogen werden und das subejktiv und mehr nicht.

  • Paul Saulus am 05.12.2016 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    kein Rechtsstaat

    Dies ist eine sehr bedenkliche Entwicklung ! Der Staat kann einfach vorsorglich die Eigentumsrechte ausser Kraft setzen ohne dass eine Straftat nachgewiesen werden kann ? Wo sind die Prinzipien eine Rechtstaates gebleiben ?

  • Bellamy am 04.12.2016 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird immer schöner...

    Wo sind wir eigentlich? Das ist Behördenwillkür und ein Verstoss gegen Hab und Gut. Wir Bürger beschlagnahmen in Zukunft Radarkästen, da diese zur Hauptsache Abzockerinstrumente sind und nicht dafür eingesetzt werden, wofür sie eigentlich gebaut wurden, nämlich zur Prävention. Die Schweiz ist nur noch eine demokratische Diktatur. Wir dürfen unsere Diktatoren noch selber wählen.

    • Pascal am 05.12.2016 02:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bellamy

      Demokratische Diktatur! Auf den Punkt gebracht. Die Abstimmungen und dergleichen sind nur Volksberuhigungen! Das es nicht so schnell auffällt..

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