Gymi-Aufnahmeprüfung

27. Februar 2018 09:55; Akt: 27.02.2018 09:55 Print

Französisch-Test soll im Kanton Zürich wegfallen

von T. Mathis - Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat ein neues Reglement für die Aufnahmeprüfung an Maturitätsschulen veröffentlicht.

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Wer im Kanton Zürich das Kurzzeitgymnasium besuchen will, muss eine Aufnahmeprüfung ablegen. Die Sekundarschüler müssen ihr Wissen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Französisch unter Beweis stellen. Im Fach Französisch werden die Schüler eine Stunde lang geprüft. Sie müssen zeigen, dass sie einen Kurztext und ein Hörbeispiel verstehen, die Grammatik beherrschen und einen Text von mindestens 50 Wörtern schreiben können.

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Geht es nach dem Vorschlag der Bildungsdirektion, ist das bald Geschichte: Die zweite Landessprache soll nicht mehr geprüft werden, bleibt aber in bestimmten Fällen noch Teil der Vornote. Die Änderung ist eine der Massnahmen, die der Regierungsrat beschlossen hat, um das Aufnahmeverfahren an die Maturitätsschulen zu harmonisieren. Bisher gab es dafür sieben Reglemente.

Deutsch und Mathe sind aussagekräftiger

Ein Grund für die Anpassung ist die gleichwertige Berücksichtigung von sprachlichen und mathematischen Kompetenzen. «Es ist schwer begründbar, warum Französisch geprüft werden soll, aber weder Englisch noch naturwissenschaftliche Fächer», so Niklaus Schatzmann, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts.

Zudem habe eine externe Studie gezeigt, dass die Französischprüfung das Bestehen der Probezeit weniger zuverlässig voraussagt. Es gehe bei der zentralen Aufnahmeprüfung nicht um die Stärkung des Fachs, sondern um die valide Selektion.

«Niveauverlust ist absehbar»

Claudio Cavicchiolo, Prorektor der Kantonsschule Büelrain in Winterthur, ist Französischlehrer und bedauert den Entscheid der Bildungsdirektion: «Für die Aufnahme ans Gymnasium hätte das Französisch nicht nur aus staatspolitischen Gründen, sondern auch als geeignetes Aufnahmekriterium seinen Platz behalten müssen.» Stattdessen habe man einer Vereinheitlichung Vorrang gegeben.

Französisch eigne sich gut, um neben den Fremdsprachenkenntnissen auch Qualitäten wie Genauigkeit zu prüfen, findet Cavicchiolo. Gleichzeitig befürchtet er einen Niveauverlust beim Französisch, weil mit dem Lehrplan 21 Lektionen gestrichen werden. «Sollte das Französisch als Prüfungsfach tatsächlich gestrichen werden, braucht es flankierende Massnahmen, um die Qualität der gymnasialen Bildungsziele sowie die Chancengleichheit zu sichern», so Cavicchiolo.

Verhaltensnote soll einfliessen

Die Abschaffung der Französisch-Prüfung ist nur eine der vielen Änderungen zur Harmonisierung der Verfahren. Die Bildungsdirektion schlägt auch vor, die mündlichen Prüfungen abzuschaffen. Bisher konnten Schüler, die bei den schriftlichen Prüfungen ein knappes Resultat erzielt hatten, zur mündlichen Nachprüfung antreten.

Ebenfalls Teil der Änderung ist der Einbezug des Arbeits- und Lernverhaltens der Schüler in die Vornote. Neben den Fächern Deutsch, Mathematik, Französisch, Englisch und Naturwissenschaften soll auch eine Verhaltensnote einfliessen. Beurteilt werden die Schüler dabei anhand von sechs Kriterien. Dazu gehören etwa die Beteiligung am Unterricht, Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und Konzentration.

Französischprüfung bleibt vorerst noch Pflicht

Ab wann die Änderung in Kraft sein wird, ist noch unklar. Der Vorschlag befindet sich in der Vernehmlassung. Diesen Sommer auf jeden Fall wird die Französisch-Prüfung noch obligatorisch sein. Frühestens auf das übernächste Schuljahr wird es eine Änderung geben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klugsch Eisserli am 27.02.2018 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ranzösisch ist in unserem Schulsystem total überbe

    Schüler, die in Deutschschweiz Mühe mit Französisch haben, für die wird die Matur (auch Berufsmatur) schwierig. Ohne Matur jedoch ist ein Studium kaum möglich. Sie werden gute Arbeiter, aber sie bleiben unter ihren Möglichkeiten. In Deutschland machen genau solche Schüler ohne Französisch das Abitur und studieren. Als hochqualifizierte Arbeitskräfte kommen sie dann in die Schweiz. Wir brauchen sie dringend, weil wir es nicht schaffen, die eigenen Leute entsprechend zu fördern. Wir müllen unsere Kinder mit Lernstoff zu, den sie in vielen Fällen gar nie brauchen.

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  • Moris am 27.02.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Keine gute Idee

    Dann werden die Zürcher ja noch weltverblendeter. Im Ernst, Franz. sollen die weiterhin lernen, so wie jeder andere auch.

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  • Jeff am 27.02.2018 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Behaltet Französisch

    Es hat sowieso zu viele Hochschulabsolventen. Darum sollte man jetzt nicht auch noch die Qualifikationsbedingungen vereinfachen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Schneider am 19.03.2018 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    MINT

    Angenommen es stimmt, dass wir einen Mangel in den MINT-Fächern haben. Sollte man dann nicht die MINT Fächer stärken bzw. Menschen mit Begabungen in MINT Fächern fördern oder zumindest nicht mit Französisch rausprüfen?

  • Kundenberater Französisch am 19.03.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Experte und exakt

    Und dann fragt man ausgerechnet einen Französischlehrer, dessen Muttersprache wahrscheinlich mal Italienisch ist und nicht Französisch. Viele romanischsprechende Personen, wie etwa Portugiesen oder eben Italiener meinen dann, dass wer Französisch spricht auch Italienisch und Portugiesisch verstehe. Dem ist aber nicht so. Ausserdem sind linguale Sprachwissenschaften wie Deutsch, Englisch und Französisch als unexakte Fächer bekannt. Hingegen sind die MINT exakte Fächer, weil Zahlen exakter als Wörter sind. Aber eben, man fragt ja einen italienischsprechenden Französischlehrer. Da habt ihrs.

  • markus am 19.03.2018 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Matura ohne Französisch Tipp

    An der Berufsmittelschule Liechtenstein die Matura machen. Dort hat man kein Französisch und erst noch Zugang zu den österreichischen Universitäten (geht aber 2 Jahre und ist sonst viel mehr Stoff als bei der Schweizer BMS). Kenne selbst übrigens kein Studium mit Französisch Vorlesungen in der Schweiz.... ausser vielleicht Sprachwissenschaften.

  • Waterpolo1s am 12.03.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... finde ich nicht gut, weil ...

    Finde ich nicht gut :-( ... Deutsch und Französisch gehört zur Schweiz !! :-)

  • Meimei am 09.03.2018 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche arbeiten praktisch nur in der Deutschschw

    Super, darum arbeiten so viele Deutsche im Welschland oder im Tessin, wo sie doch sooo gut ausgebildet sind.