Bezirksgericht Zürich

19. Mai 2017 10:30; Akt: 19.05.2017 12:38 Print

Freundin des Sohnes geschändet – 6 Jahre Haft

Ein Mann vergewaltigte mehrmals die damals minderjährige Freundin seines Sohnes brutal. Nun hat ihn das Bezirksgericht Zürich zu sechs Jahren Haft verurteilt.

storybild

Im Bezirksgericht Zürich fand der Prozess statt. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein 52-Jähriger stand wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Mann soll im März 2008 die damalige Freundin seines Sohnes in dessen Zimmer anal vergewaltigt haben. Einige Wochen später soll eine zweite Tat gefolgt sein: Das Opfer habe in der Zweitwohnung der Familie auf ihren Freund gewartet, als der Vater mit zwei unbekannten Kollegen in die Wohnung gekommen sei. Die beiden Männer hätten sie gepackt und nacheinander vergewaltigt. Der Angeklagte sei ebenfalls anwesend gewesen und habe dazu masturbiert. Mit dem blutigen Bettlaken seien die drei Männer wieder abgezogen und hätten sie in der Wohnung gelassen.

Jahre später, im Juni 2016, erzählte sie ihrem neuen Freund von den beiden Vorfällen. Dieser kontaktierte den damaligen Freund und Sohn des Schänders. Der reichte Strafanzeige gegen seinen Vater ein. Er klagte ihn nicht nur wegen der Taten an seiner Ex-Freundin an, der Mann soll auch seine Frau regelmässig geschlagen und mit dem Tod bedroht haben, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

«Ein Frauenhasser und Tyrann»

Der Beschuldigte streitet die Vorfälle vor Gericht ab. «Alles erstunken und erlogen», sagt der Serbe. Aus seiner Sicht sei der ganze Prozess ein Familienkomplott, mit dem der Sohn versuche, an sein Geld und seine Wohnung zu kommen. Die junge Frau sei nach dem Vorfall noch vier Jahre mit dem Sohn zusammen gewesen und habe auch in der Wohnung gelebt.

Die Staatsanwaltschaft nennt das Erlebte der Frau einen Albtraum. «Man kann sich kaum einen demütigenderen sexuellen Missbrauch vorstellen», sagt der Staatsanwalt. Deshalb forderte er fünf Jahre Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Die Rechtsvertreterin des Opfers nennt den Beschuldigten einen «Frauenhasser und Tyrann der schlimmsten Sorte». Die Frau habe Höllenqualen ausgestanden und sich in einem Schockzustand befunden. Darum habe sie erst Jahre später darüber sprechen können. Sie fordert einen Genugtuung von 70'000 Franken.

Sechs Jahre Haftstrafe

Der Rechtsanwalt des Beschuldigten fordert einen Freispruch, die Aussagen der Frau seien zu widersprüchlich. Erst so viele Jahre später darüber zu sprechen, sei nicht nachvollziehbar. Deshalb müsse der Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» gelten.

Das Gericht glaubte den Schilderungen der jungen Frau. Sie habe die Vorfälle verdrängen wollen und sei erst als Erwachsene in der Lage gewesen, darüber zu sprechen. Es verurteilte den Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Jahren sowie zu einer Genugtuungszahlung von 20'000 Franken an das Opfer.

(bec)