Mobbing im Pflegeheim

15. November 2012 14:25; Akt: 16.11.2012 12:51 Print

Gefeuerter Chef scheitert mit Verleumdungsklage

von Attila Szenogrady - Wegen sexistischen Sprüchen musste der Chef eines Pflegeheims seinen Sessel räumen, wofür er eine Angestellte verantwortlich machte. Die 28-Jährige wurde zunächst angeklagt - nun hat sie das Bezirksgericht Zürich freigesprochen.

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Es war vor zwei Jahren, als sich in einem Stadtzürcher Pflegezentrum eine 28-jährige Physiotherapeutin an die Leiterin des Personaldienstes wandte. Dabei erzählte die Angestellte, dass sie von ihrem Chef zwei Mal mit sexistischen Sprüchen konfrontiert worden sei.

Beim ersten Mal habe er sie gefragt, wie sie es mit ihrem Freund betreffend Fremdgehen halte. «Männer mit 40 möchten halt auch mal was anderes, meine Freundin ist einverstanden, eine 28-jährige ist da gerade richtig», zitierte die Physiotherapeutin ihren damaligen Vorgesetzten. Beim zweiten Vorfall habe ihr der Koch des Heims ein «Wienerli» geschenkt, worauf ihr der Chef gesagt habe, dass der Koch ein Auge auf sie geworfen habe. «Mach was draus, hast du noch Kapazität?», wollte er wissen.

Strafanzeige nach Jobverlust

Für den Kadermann hatten die Aussagen seiner Mitarbeiterin massive Folgen. Er musste seinen Sessel räumen, wurde sofort freigestellt und verlor seinen Job. Offiziell war bei der Kündigung von «gegenseitigem Einvernehmen» die Rede.

Hinter den Kulissen ging dagegen die Post ab. So erstattete der geschasste Teamleiter eine Strafanzeige gegen seine Ex-Angestellte. Zunächst mit Erfolg. So leitete die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat eine Strafuntersuchung ein und erhob im letzten Sommer Anklage gegen die Beschuldigte wegen Verleumdung. Die Anklägerin verlangte dafür eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 140 Franken. Die Physiotherapeutin habe unwahre Schilderungen über den Privatkläger verbreitet, lautete der zentrale Vorwurf.

Beschuldigte kehrte Spiess um

Vor Gericht konnte sich die Beschuldigte sehr gut verkaufen. Sehr redegewandt kehrte sie den Spiess um und schlüpfte in die Opferrolle. So sei sie aufgrund der Sprüche des Privatklägers sehr irritiert gewesen. Deshalb habe sie davon der Heimleitung erzählt. «Sie wollte lediglich ihre Gefühle gegenüber anderen Personen mitteilen», plädierte die Verteidigerin und verlangte einen vollen Freispruch.

Schützenhilfe erhielt die Verteidigung auch von der Leiterin des Pflegedienstes. Diese hatte in der Untersuchung ausgesagt, dass der Geschädigte auch gegenüber ihr irritierende Aussagen gemacht habe.

Glaubhafte Beschuldigte: Freispruch

Das Gericht kam zum Schluss zu einem vollen Freispruch und verwies die Forderungen des unterlegenen Privatklägers über 3000 Franken auf den Weg des Zivilprozesses. Die Einzelrichterin stufte die Darstellungen der Physiotherapeutin als glaubhaft ein. Sie habe im Rahmen einer allgemeinen Beschwerde gegen den Geschädigten wegen Führungsmängel beiläufig dessen persönliche Avancen erwähnt, sagte die Richterin.

Zudem habe die Angeschuldigte konstant, konkret und anschaulich ausgesagt. Andererseits machte die Richterin auch klar, dass das Verhältnis zwischen den Parteien schon vor dem Eklat getrübt gewesen sei. So habe der Vorgesetzte seine Angestellte bereits in einem frühen Stadium aufgefordert, einen neuen Job zu suchen. Schlussendlich sei es aber nicht erstellt, dass die Beschuldigte gelogen habe, lautete die zentrale Begründung für den Entscheid. Die Freigesprochene erhielt eine Prozessentschädigung von 4690 Franken.

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