Geringe Schuldfähigkeit

26. November 2012 20:48; Akt: 26.11.2012 20:56 Print

Gericht senkt Strafe für Axt-Mörder von Höngg

von Attila Szenogrady - Ein Pakistaner hat seine 16-jährige Tochter mit 19 Axtschlägen brutal hingerichtet. Auch für das Obergericht ein klarer Mord. Allerdings hat dieses die Strafe um dreieinhalb Jahre gesenkt.

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Der heute 54-jährige Beschuldigte wollte sich am Montag vor Obergericht nicht mehr zur Sache äussern. Lediglich im Schlusswort führte er aus, dass er sehr traurig sei. Unbestritten war, dass er am 10. Mai 2010 in seiner Wohnung in Zürich-Höngg seine damals 16-jährige Tochter mit einer Axt von hinten attackiert und sie mit 19 Schlägen gegen den Kopf brutal hingerichtet hatte.

Danach stellte sich der pakistanische Staatsangehörige der Polizei. Das Tatmotiv war einfach: Der Vater konnte nicht dulden, dass sein Kind die Familie verlassen und ein eigenes Leben führen wollte.

Staatsanwalt verlangte 20 Jahre

Dann war vor den Schranken der zuständige Staatsanwalt Ulrich Krättli an der Reihe. Er verlangte wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung eine hohe Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Das Bezirksgericht Zürich hatte im letzten April noch 17 Jahre festgelegt. Wegen Mordes, aber nicht wegen eines Tötungsversuchs drei Wochen vor der Bluttat.

Damals soll der Vater die Geschädigte in eine volle Badewanne gesteckt haben. Worauf er vergeblich versucht habe, sie mit einem angestellten Fön im Wasser zu töten. Was das Bezirksgericht allerdings mangels Beweisen als nicht erwiesen einstufte. Die Beilattacke bezeichnete Krättli als heimtückische und grausame Abschlachtung.

Verteidigung plädierte auf Totschlag

Verteidiger Matthias Brunner forderte hingegen einen Schuldspruch wegen Totschlags und damit verbunden eine deutliche Strafsenkung auf noch viereinhalb Jahre Freiheitsentzug. Im Fall einer vorsätzlichen Tötung eine Strafe von fünfeinhalb Jahren. Brunner zeichnete das Bild eines völlig überforderten Vaters, der von seiner rebellischen Tochter als «Arschloch» beschimpft worden sei.

Zudem habe sie ihm eröffnet, dass sie künftig als Prostituierte arbeiten wolle. Worauf er im Rahmen einer heftigen Gemütsbewegung sowie einer grossen seelischen Belastung im Affekt zugeschlagen habe, plädierte Brunner und sprach von einem desaströsen Versagen aller Kontrollen seines Klienten.

Strafe wegen Gutachten gesenkt

Bei der rechtlichen Würdigung folgte das Obergericht der ersten Instanz. So sah es die gescheiterte Fön-Attacke ebenfalls als nicht erstellt an. Dafür den Mord, da es jegliche Entschuldbarkeit für einen Totschlag einstimmig ablehnte. Das Obergericht verneinte dabei einen «Ehrenmord» oder kulturelle Besonderheiten. «Wer seit 25 Jahren in der Schweiz lebt, kann sich nicht mehr auf die kulturellen Eigenheiten seiner Heimat berufen», hielt der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger dazu fest.

Die Art der Tatausführung stufte das Obergericht als besonders skrupellos ein. So sei der Beschuldigte sehr verwerflich und mit viel Gefühlskälte vorgegangen, sagte Bollinger und machte klar, dass das Obergericht grundsätzlich eine lebenslängliche Strafe vorgesehen hätte.

Doch dann verwiesen die Oberrichter auf ein psychiatrisches Gutachten, das dem Beschuldigten in einer von drei Varianten eine schwere Verminderung der Schuldfähigkeit attestiert hatte. Was zu einer deutlichen Strafsenkung auf noch 13 Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug führte.

Von einer milden Sanktion konnte dennoch nicht die Rede sein. Da der Fürsorgeempfänger erst 932 Tage verbüsst hat, wird er bei diesem Urteil noch viel Zeit im Gefängnis verbringen müssen.

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