Dietikon ZH

11. April 2018 05:50; Akt: 11.04.2018 05:50 Print

Teurere Wohnungen sollen Sozialfälle vertreiben

Nirgendwo im Kanton Zürich beziehen so viele Sozialhilfe wie in Dietikon und Winterthur. In Dietikon versucht man dies zu ändern. Solche Probleme hat man in Flaach nicht.

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In Dietikon leben viele Arme: Zumindest ist die Sozialhilfequote mit sechs Prozent so hoch wie nirgendwo im Kanton Zürich, wie die neusten Zahlen aus dem Jahr 2016 zeigen. Dass damals 1609 Einwohner Sozialhilfe bezogen haben, hat laut Stadtpräsident Otto Müller (FDP) vor allem damit zu tun, dass es in der Stadt viele günstige Wohnungen gibt: «Das zieht Geringverdiener mit tieferer Bildung an, die schneller von einer Arbeitslosigkeit betroffen sind.»

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Die Stadt will das ändern und hat mit ihrer Politik in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass Neubauten entstehen und ältere Liegenschaften ersetzt werden. Mit Erfolg, so Müller: «Es gibt bereits viel mehr Wohnraum von besserer Qualität.» Der Bau der Limmattalbahn trage zu dieser Entwicklung bei. Zusätzlich versuche man Sozialhilfebezüger wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren: «Unsere Integrationsstelle konnte viele Leute erfolgreich zurückführen.»

Diese Massnahmen hätten dafür gesorgt, dass die Sozialhilfequote in den letzten fünf Jahren von fast 7 auf 6 Prozent gesunken sei, so Müller. Doch wo sollen die Sozialhilfebezüger hin? «Das kann ich nicht sagen», so Müller. «Es kann aber nicht sein, dass Dietikon die ganze Last tragen muss. Es gibt ja im Kanton Zürich nicht mal Ausgleichszahlungen.»

Winterthur: «Je grösser die Stadt, desto mehr Sozialfälle»

Platz 2 im Kanton Zürich belegt Winterthur mit einer Sozialhilfequote von 5,5 Prozent. Laut Katharina Rüegg, Sprecherin des Departements Soziales, hat dies einerseits mit der Zentrumsfunktion und Grösse der Stadt zu tun: «Je grösser die Stadt, desto mehr Sozialhilfebezüger.» Hoch sei die Quote auch in ehemaligen Industriestädten, wie Winterthur eine ist: «Hier leben vermehrt Leute mit einer tieferen Bildung. Auch sind viele durch den Strukturwandel arbeitslos geworden.»

Die Sozialhilfequote ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. So etwa vom Jahr 2015 auf 2016 um 0,2 Prozentpunkte. Laut Rüegg versucht man eine Trendwende zu erwirken, indem man möglichst viele Menschen in den Arbeitsmarkt integriert – etwa mit Programmen. «Auch muss jeder, der sich bei der Sozialhilfe anmeldet, sich für einen einmonatigen Einsatz bei der Stadt verpflichten. Für uns ist wichtig, dass die Leute anwesend sind, und wir ein Erstcoaching machen können.»

Flaach hat die tiefste Quote

Solche Probleme kennt man in Flaach nicht. Mit 0,4 Prozent hat das 1372-Seelen-Dorf die tiefste Sozialhilfequote im ganzen Kanton Zürich. «Wir haben wenig günstigen Wohnraum und viel Wohneigentum», sagt Gemeindepräsident Walter Staub (FDP) dazu. Zudem kenne man sich im Dorf untereinander: «Sozialhilfebezüger zieht es wohl eher in grössere Agglomerationsgemeinden, wo sie weniger auffallen.»

Leben Sie im Kanton Zürich und sind von Armut betroffen? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carla am 11.04.2018 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Staat will es so

    Das hat man von der unkontrollierten Migration. Die meisten Wirtschaftsflüchtlinge hängen samt Familiennachzug ebenfalls ein ganzes Leben in der Sozialhilfe. Als Resultat steigen die Steuern überall kontinuierlich. Und es wird zu Leistungskürzungen kommen die wiederum alle treffen werden, auch den oder die welche ein Leben lang gearbeitet haben. Wo ist da die Gerechtigkeit?

  • Entay Gebere am 11.04.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz...

    Fail! In Dietikon leben auch in den teuren, neuen Wohnungen Sozialhilfebezüger oder Leute die eigentlich am Hungertuch nagen, aber sich eine 3 Zimmer-Wohnung für CHF 2'500.00 "gönnen".

  • Kain Spam am 11.04.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Die einem Antwort der Umfrage "Das ist traurig. Wo sollen diese Leute nur hin?" kann man kurz und bündig beantworten: "An die Arbeit"

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kain Spam am 11.04.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Die einem Antwort der Umfrage "Das ist traurig. Wo sollen diese Leute nur hin?" kann man kurz und bündig beantworten: "An die Arbeit"

  • Beobachterin am 11.04.2018 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kaltherzig

    Gewünscht ist eine Schweiz, bestehend nur aus Grossverdienenden. Arme werden vertrieben, was das Zeug hält. Realistisch? Nächstenliebe? Wo bleibt Hilfe für diese? Aber es stimmt schon: je reicher, desto weniger Mitgefühl und Bereitschaft zum Teilen. Leute, die arbeiten können, aber nicht wollen, sollten ganz klar zu spüren bekommen, was das für sie heisst. Aber Working Poors, Alleinerziehende Familien, Behinderte et. diesen sollte man unter die Arme greifen. Das ist Menschenpflicht!

  • Rolandö Fleckflitzer am 11.04.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerung werden wach

    Eine Volksschicht vertreiben und das in der Schweiz. Na ja, sowas ist wohl heute ein ganz bewusster erlaubter Rassismus. Vor 80 Jahren, ein Mann mit Schnäuzchen, hat auch so manches vertrieben. Man wird im TV jede Woche daran erinnert. Das war schlimm und heute, heute nennt man dies vielleicht Geschäftsmodell.

  • Chris am 11.04.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlentwicklung

    Ein Grund mehr, die Sozialhilfe dem Bund zu unterstellen. Ganz offensichtlich kann man dieses Geschäft nicht den Gemeinden und Kantonen überlassen.

  • Entay Gebere am 11.04.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz...

    Fail! In Dietikon leben auch in den teuren, neuen Wohnungen Sozialhilfebezüger oder Leute die eigentlich am Hungertuch nagen, aber sich eine 3 Zimmer-Wohnung für CHF 2'500.00 "gönnen".