Jugendkriminalität in Zürich

30. April 2018 05:48; Akt: 30.04.2018 05:48 Print

«Überraschend, dass das erste Delikt Gewalttat ist»

von T. Mathis - Die Jugendgewalt im Kanton Zürich nimmt wieder zu. Leitender Oberjugendanwalt Marcel Riesen-Kupper kennt die Hintergründe zu diesen Zahlen.

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Zwei Jugendliche haben vergangene Woche einen 60-jährigen VBZ-Buschauffeur attackiert. Er musste mit einer Schulterverletzung ins Spital gebracht werden. Im Februar 2018 haben fünf Jugendliche im Stadtzürcher Kreis 9 zwei andere Jugendliche überfallen.

Diese beiden schweren Fälle von Jugendkriminalität sind nur zwei Beispiele für Taten, die von Minderjährigen verübt werden. 2017 hat die Jugendanwaltschaft des Kantons Zürich gegen insgesamt 4749 Jugendliche ein Strafverfahren eröffnet. Das ist ungefähr gleich viel wie im Vorjahr.

Jugendgewalt nimmt wieder zu

Ein deutlicher Anstieg war 2017 aber bei der Jugendgewalt zu verzeichnen, wie die Jugendanwaltschaft Zürich in einer Mitteilung schreibt. Die Zunahme von rund 13 Prozent zeige sich insbesondere bei Delikten wie Raub, einfacher Körperverletzung und Drohungen. 110 Jugendliche wurden 2017 etwa des Raubes beschuldigt.

Marcel Riesen-Kupper, Leiter der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, kennt die Hintergründe zu diesen Zahlen:

Wie schwer sind die von Jugendlichen verübten Gewaltdelikte?

Die Bandbreite ist gross und reicht von Bagatellen bis hin zu schweren Fällen. Ein Beispiel für einen geringfügige Tätlichkeit ist der Fall eines 10-Jährigen, der seinem Mitschüler ein Bein stellte und versuchte, ihn ins Bein zu treten. Die Eltern haben deswegen Strafanzeige eingereicht.

Was ist das Beispiel für einen schweren Fall?

Am anderen Ende der Skala stehen etwa Raubüberfälle. Da gab es den Fall von drei angetrunkenen 16-Jährigen und einem jungen Erwachsenen, die nach Mitternacht auf den Zug gewartet haben und dabei auf die Idee kamen, eine fremde Person auszurauben. Sie wählten einen jungen Mann als Opfer aus, drückten ihn an die Wand und nahmen ihm unter Gewaltanwendung das Portemonnaie ab.

Haben solche schweren Fälle zugenommen?

Das ist schwierig zu beurteilen. Klar ist, dass die Anzahl der gemeldeten Gewaltdelikte bei Jugendlichen im vergangenen Jahr um 13 Prozent zugenommen haben. Damit liegt die Zahl immer noch rund 50 Prozent tiefer als beim Höchststand von 2009. Die aktuelle Entwicklung muss man beobachten und gegebenenfalls die Prävention wieder verstärken.

Woran könnte die Zunahme liegen?

Es ist möglich, dass die Bevölkerung sensibilisiert auf Jugendkriminalität reagiert und Gewaltdelikte häufiger zur Anzeige bringt als früher. Das illustriert das Beispiel des 10-jährigen Schülers. Ob die Jugendlichen heute gewaltbereiter sind, ist schwierig zu beurteilen. Überraschend ist aber ein anderer Befund.

Nämlich?

Rund die Hälfte der Jugendlichen, die ein Gewaltdelikt begehen, waren vorher nicht aktenkundig. Bereits bei der ersten Straftat wegen Gewalt verzeigt zu werden, finde ich persönlich eher erstaunlich.

Gibt es eine Erklärung dafür?

Das Beispiel der drei 16-Jährigen bietet Anhaltspunkte. Jugendliche begehen Raubüberfälle oft spontan in Gruppen und oft auch dann, wenn sie angetrunken sind. Bisher unauffällige Jugendliche können unter Umständen auch durch einen problematischen Bekanntenkreis zu Gewaltdelikten verleitet werden.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Bei der Erziehung heutzutage kein Wunder . – René

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 30.04.2018 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Infos

    Ein Tabu, ich weiss: Aber die Nationalität der Jugendlichen wäre noch spannend....

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  • Wutschweizer am 30.04.2018 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wahre Grund

    Ja klar, den wahren Grund dürfen wir natürlich nicht erfahren!

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  • Frau Meier am 30.04.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugend

    Traurige Entwicklung und man muss sich fragen, wo diese ihre Ursache hat. Was mich jedoch zum Lachen brachte: zwei 10jährige streiten sich, einer stellt dem anderen ein Bein und versucht zu treten - und die Eltern erstatten Anzeige?! Ernsthaft?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Timo am 30.04.2018 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    exil schweizer

    Tia selber schuld während wir in Australien Strassenfeste feiern ohne Polizei habt ihr das Problem der Imigration unsere Regierung hat das vor Jahren sehen kommen und gehandelt.

    • Cartman1993 am 30.04.2018 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timo

      Naja Australien hat ein grosses Armuts-, Verwahrlosungs-und Alkoholproblem bei seinen Ueeinwohnern, ein Methproblem und Bandenkriege zwischen der chinesischen, sizilianischen Mafia, der MBM und Motorradgangs. Desweiteren ist die Vergewaltigungsrate höher als bei uns und die Wahrscheinlichkeit dass dein Auto geklaut wird. Ich bin noch nie in Australien gewesen, aber rein von den Daten her, sehe ich nicht, wieso du glaubst, dass es in Australien besser sei.

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  • Trucker am 30.04.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wie soll das noch funktionieren?

    Die Jungen bekommen super Vorbilder, die ihnen genau das vorleben, wie man es eben nicht machen sollte: Wirtschaftskapitäne und die "Elite" können nur noch mit Lug, Betrug und Beschiss Gewinn erwirtschaften und sich selbst bereichern. Freie Marktwirtschaft gibt es nur noch als Wort, auch da wird gelogen und der Konsument über den Tisch gezogen, dass sich die Balken biegen. Politiker sind sich selber am nächsten, als ihre Berufung wahrzunehmen, Politik für das Volk zu machen. Politiker sind verwickelt in Preisabprachen und dies wird vom "Staat" geduldet. Wo soll dies alles noch hinführen?

  • Spinne am 30.04.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Eltern..

    Wenn wir das von früher heute machen würden. Hätten wir schon lange, Anzeigen, psychische Abklärungen, Schulhausverweis usw.....Die Eltern mischen sich zu viel ein. Bei uns haben sich die Eltern nicht dafür interessiert wem wir das "Höckli" gestellt haben....

  • Daniel am 30.04.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bein Stellen

    Das (vorsätzliche) Beinstellen wird tatsächlich vom Straftstbestand der Tätlichkeiten (Art. 126 f. StGB) erfasst, vor allem wenn noch Tritte erfolgen. Mit 10 ist man bereits deliktsfähig. Klar es kommt darauf an, ob Provokationen unmittelbar vorangegangen sind, was beim Beinstellen eher nicht vermutet wird. Die Eltern machen das Recht geltend und können sich mit Rechtsgrund rächen. Klar Raufereien zwischen Jungs sind normal sofern es freundschaftlich ist, wir kennen hier aber Vorgeschichte nicht, vielleicht wurde der Junge schon längere Zeit gemobbt.

    • Holz Michel am 30.04.2018 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel

      Wenn es eine Vorgeschichte gibt, ist der Grund einen 10-Jährigen wegen einem Bein zu stellen schon etwas sehr übertrieben? Finden Sie das nicht? Also diese Eltern haben meiner Meinung nach ein riesen Problem, wenn Sie desswegen einen 10-Jährigen anzeigen müssen

    • Paul am 30.04.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Holz Michel

      Die Anzeige kann auch der sogenannte Schuss vor den Bug sein. Bevor der Kleine noch total ausartet und man ihn in der Statistik der brutalen Jugendkriminellen findet.

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  • Bäh! am 30.04.2018 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde das Beispiel mit dem 10jährigen daneben und

    Also beim 10jährigen Beinsteller hätte wohl auch ein Zusammenschiss ein Erklären der potentiellen Folgen sowie ein Gespräch vor der Schulleitung gereicht... Es scheint dass Eltern heute immer öfter kein Mass mehr haben.