Kindesschutz

28. April 2016 13:03; Akt: 20.06.2016 11:47 Print

Nur wenige Kinder werden von Kesb fremdplatziert

Im Kanton Zürich sind nicht mehr Kinder fremdplatziert worden, seit die Kesb 2013 die Vormundschaftsbehörden abgelöst hat. Die Zahl der angeordneten Massnahmen ist stabil geblieben.

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Eingangstür zu einem Büro der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). (Bild: Keystone)

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Im Jahr 2015 ordneten die Kesb im Kanton Zürich insgesamt 21'352 Massnahmen an, hauptsächlich Beistandschaften, wie die Verantwortlichen am Donnerstag in Zürich bekanntgaben. Das entspricht 14,6 Massnahmen pro 100'000 Einwohner. Nur ein Drittel davon betrifft Kinder.

«Das öffentliche Bild trügt», sagte Ruedi Winet, Präsident der Kesb-Präsidien-Vereinigung (KPV) vor den Medien. «Hört jemand von der Kesb, geht er sofort davon aus, es gehe um Kinder, die jemandem weggenommen werden.» Es geistere sehr viel unbegründete Angst vor dieser Behörde herum.

In den wenigsten Fälle gehe es nämlich um Fremdplatzierungen, sagte Winet. Ihre Anzahl nahm in den vergangenen Jahren ab und sie dauern auch weniger lang als früher, wie die Zahlen zeigen. «Die Kesb ist zum Schutz für Kinder und Erwachsene da, sie unterstützt und vertritt Menschen in einem dauerhaften Schwächezustand.»

Schwieriges und belastendes Jahr

Seit dem Systemwechsel von den Vormundschaftsbehörden zu den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden vor drei Jahren ist die Zahl der angeordneten Massnahmen stabil geblieben. Seit Ende 2013 gingen sie gar um rund ein halbes Prozent zurück.

Auch der Bestand an nicht einvernehmlichen Platzierungen Minderjähriger ist nach einem zwischenzeitlichen Anstieg wieder zurückgegangen. Fürsorgerische Unterbringungen (FU) von Erwachsenen durch die Kesb gibt es jährlich rund 15. Die Ärzte im Kanton Zürich verordnen im Gegensatz dazu rund 3200 FU.

Es sei ein schwieriges und belastendes Jahr gewesen, sagte der Präsident der Kesb-Präsidien-Vereinigung (KPV) – vor allem mit Blick auf den Fall Flaach. Dort hatte eine Mutter Anfang 2015 ihre beiden Kinder und später sich selbst getötet, nachdem die zuständige Kesb die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim angeordnet hatte.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde war danach stark in die Kritik geraten. «Wir wollen aus den Schwierigkeiten lernen», sagte Winet. In der Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den Schulen und anderen Partnern seien bereits Verbesserungen erzielt worden.

Eine Arbeitsgruppe erarbeitet zudem gegenwärtig Kriterien dafür, wann ein Kind eine Begleitung benötigt, die seine Interessen vertritt. Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Falls Flaach hatten die unabhängigen Gutachter den Kesb empfohlen, diese Kindsvertretung bei Fremdplatzierungen in jedem Fall zu prüfen.

Gemeinden wollen mehr Mitsprache

Immer wieder – auch auf politischer Ebene – zu reden, gibt im Kanton Zürich das Verhältnis zwischen der Kesb und den Gemeinden. Letztere stören sich daran, dass sie zwar «Führungsverantwortung aber keinen sachlichen Einfluss haben», wie Jörg Kündig, Präsident des Gemeindepräsidentenverbands, sagte.

Die Situation mit den Gemeinden als Trägerschaft der Kesb im Kanton Zürich sei sehr komplex, sagte dazu auch Winet. Die Gemeinden haben auch kein Akteneinsichtsrecht oder eine Beschwerdelegitimation. «Es kommt bei den Gemeinden nicht so gut an, dass das Prinzip ‹Wer bezahlt, befiehlt› hier nicht gilt», sagte Kündig.

Am liebsten würden die Gemeinden bereits im Vorfeld miteinbezogen werden und so Entscheide für Massnahmen mittragen können, wie der Präsident der Gemeindepräsidenten sagte. Denn wie Gerichtsentscheide sind auch solche der Kesb abschliessend. Verschiedene Vorstösse dazu sind auf kantonaler, aber auch auf Bundesebene eingereicht worden.

(sda)