Bezirksgericht Affoltern

11. April 2016 14:51; Akt: 11.04.2016 14:53 Print

Kopfschuss-Mörder soll verwahrt werden

Ein 39-Jähriger soll 2009 seinem Kollegen in den Kopf geschossen und ihn in ein Tobel geworfen haben. Der Staatsanwalt will ihn verwahren, die Verteidigung fordert null Jahre.

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Der Prozess findet am Bezirksgericht in Affoltern am Albis statt. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Fragen des Gerichts wollte der 39-Jährige am Montag nicht beantworten. Er verlas zu Beginn der Verhandlung nu eine persönliche Erklärung. Darin sprach von einem Justizskandal und forderte seine sofortige Freilassung.

Denn Beweise für seine Schuld gebe es nicht, sagte der in Italien wohnhafte Albaner, der seit sieben Jahren in Haft ist. Auch sein Verteidiger wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der Beschuldigte das Tötungsdelikt seit Beginn konsequent und nachdrücklich bestreite.

Tatwaffe nie gefunden

Eine Tatwaffe sei nie gefunden worden sei, führte der Verteidiger aus. Und: «Es gibt nur das schwache Indiz, dass das Handy des Beschuldigten in der Nähe des Tatortes geortet wurde.» Dass beweise aber nicht, dass sein Mandant da gewesen sei.

Dass der Beschuldigte die Tat beging, das ist für das Bezirksgericht Affoltern trotz dieser Unschuldsbeteuerungen klar. Es fällte im Dezember 2013 in einem ersten Verfahrensschritt ein entsprechendes Zwischenurteil.

Gericht hält Schuld für erwiesen

Demnach ist es für das Gericht erwiesen, dass der Albaner einen im Bezirk Affoltern lebenden Landsmann im Januar 2009 im Auto mit einem Kopfschuss tötete und dann bei Bonstetten ZH ein Tobel hinunterwarf. Als Grund gelten Schulden in Höhe von 30'000 Euro.

Im aktuellen Teil der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Affoltern ging es am Montag noch um die Strafzumessung. Für den Staatsanwalt war klar, dass es sich um einen Mord handelte. Der Beschuldigte sei heimtückisch vorgegangen. So habe er extra seine Freundin mitgenommen, um seinen ehemaligen engen Freund, der wegen der Schulden verängstigt war, in falscher Sicherheit zu wiegen und zum Einsteigen in den Wagen zu veranlassen.

Das sei eine eigentliche Hinrichtung gewesen

Eine Stunde lang sei der Beschuldigte dann harmlos plaudernd durch die Gegend gefahren, sagte der Staatsanwalt. Erst als die Voraussetzungen gestimmt hätten, als etwa die Dämmerung einsetzte, habe er die Waffe hervorgenommen.

Dann habe er seinem Schuldner kaltschnäuzig, kaltblütig in den Kopf geschossen. «Zuvor hatte er berechnend die Autoscheibe heruntergekurbelt, damit sie nicht kaputt geht.» Das sei eine eigentliche Hinrichtung gewesen.

«Man nimmt doch keinen Zeugen mit»

Der Verteidiger plädierte auf vorsätzliche Tötung. Von einer langen Planung könne nicht ausgegangen werden. Es sei, wenn man fälschlicherweise annehme, dass sein Mandant die Tat tatsächlich begangen hätte, vielmehr eine Kurzschlusshandlung gewesen.

Denn wer jemanden ermorden wolle, der nehme nicht extra eine Zeugin auf dem Rücksitz mit, die ihn später belasten könne. Zudem habe diese einzige Zeugin zunächst ausgesagt, dass die Tötung ohne Vorwarnung und damit aus dem Nichts heraus geschehen sei. Damit könne insgesamt nicht von einer Mordqualifikation ausgegangen werden.

Zwischen Verwahrung und Strafe von «null Jahre»

Der Staatsanwalt forderte wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Er verwies auf ein Gutachten, dass dem 39-Jährigen eine hohe Rückfallgefahr für Gewaltdelikte attestiert. «Das Risiko ist sehr hoch.»

Eine «Zusatzstrafe von Null Jahren» forderte der Verteidiger. Denn sein Mandant ist in Italien wegen der Mitbeteiligung an einem anderen Tötungsdelikt bereits rechtskräftig zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Damit sei das Maximum überschritten, das in der Schweiz für eine vorsätzliche Tötung vorgesehen wäre, sagte er sinngemäss.

Das Urteil wird nächste Woche, am kommenden Dienstag eröffnet.

(sda)