Stadt Zürich

12. Juli 2017 05:40; Akt: 12.07.2017 08:56 Print

Kritik an Leihmutterschaft für CVP-Politiker

Der Zürcher CVP-Stadtratskandidat Markus Hungerbühler zieht ein Kind mit auf, das von einer Leihmutter ausgetragen wurde. In der Partei gibt es deswegen kritische Stimmen.

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CVP-Stadtratskandidat Markus Hungerbühler. (Bild: Sabina Bobst)

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Als Markus Hungerbühler sich letzte Woche den Delegierten der Stadtzürcher CVP zur Nomination als Stadtratskandidat empfahl, erwähnte er unter anderem, dass er nun ein Töchterchen mit aufziehen werde. Sein Lebenspartner sei der biologische Vater der Kleinen. Dass sie von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde, sagte er nicht.

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Diesen Umstand nehmen ihm gewisse CVP-Mitglieder übel, wie 20 Minuten von der Basis vernommen hat. Sie finden, eine Leihmutterschaft lasse sich mit dem C der Parteiabkürzung, dem Christlichen, nur schwer vereinbaren. Das Streben nach dem eigenen Glück stehe im krassen Gegensatz zur Menschenwürde. Das würde wohl von vielen CVP-Wählern nicht goutiert.

«Das habe ich nie verheimlicht»

Hungerbühler sieht das entspannt: «Die meisten Stadtzürcher CVP-Mitglieder haben überhaupt kein Problem mit unserer Leihmutterschaft – im Gegenteil, sie freuen sich mit uns.» Er habe als Stadtparteipräsident aber am Rande mitbekommen, dass «ein, zwei» Personen Mühe damit hätten. «Ich respektiere das.»

Der 42-jährige Gemeinderat und Geschäftsleiter des Baumeisterverbands Zürich/Schaffhausen ist sich seit jeher gewohnt, in der CVP etwas exponiert zu sein: «Ich habe nie verheimlicht, dass ich homosexuell bin.» Auch dass er nun ein Kind mit aufziehen werde, habe er der Findungskommission von Anfang an gesagt und die Delegierten darüber informiert: «Nicht sehr forsch, aber ich habe es erwähnt.»

Die CVP sei eine grosse Partei, breit aufgestellt, «da hat es Platz für viele Meinungen und Lebensformen». Genau dafür setze er sich auch in der Fachgruppe LGBTI der CVP Schweiz ein. Zwei Dinge sind Hungerbühler noch wichtig: «Ich bedaure, dass die Kritik an der Leihmutterschaft anonym geäussert wurde.» Grundsätzlich sei dies etwas Privates.» So werde er niemals Hand bieten für Home-Storys.

Für die CVP Schweiz «Privatsache»

Die Haltung der CVP Schweiz ist klar: Sie unterstützt das Verbot der Leihmutterschaft in der Schweiz. Sprecher Thomas Jauch sagt dazu: «Auf die Gesetze im Ausland haben wir keinen Einfluss.» Dass ein CVP-Politiker ein Kind grosszieht, das von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde, sei dessen Privatsache. Abgesehen davon mische sich die CVP Schweiz nicht in kommunale Wahlen ein. «Uns wird immer wieder vorgehalten, wie wichtig das C für christlich sei, aber wir haben auch ein V für Volk – das darf man nicht vergessen», erklärt Jauch.

Hungerbühler wurde übrigens mit 35 zu 24 Stimmen klar als Stadtratskandidat nominiert. Er soll im nächsten März den Sitz des zurücktretenden Gerold Lauber verteidigen.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spectre121 am 12.07.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so christlich

    Waffen zu vekaufen ist OK aber so etwas nicht ? Solange die CVP nicht eine ganz klare Linie zu schweizer Waffen Exporte hat kann ich die "christliche" Partei nicht ernst nehmen.

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  • Anony Mouse am 12.07.2017 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    C wie Toleranz

    Da kommt es wieder zum Vorschein, die Scheinheiligkeit von Religionen. Die typische Intoleranz und Ausgrenzung von Andersdenkenden. Der Grundbaustein einer jeder Sekte. Der Kitt der solche Strukturen am Leben erhält.

  • Mutter am 12.07.2017 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Seine Sache

    Das ist einzig seine Sache. Ich bin nicht der Meinung, dass er die Zustimmung seiner Partei benötigt, um sein Leben nach seinem Gutdünken gestalten zu können. Solange er sich an die Gesetze jenes Landes hält, in dem er sich bewegt, hat das keinen.zu interessieren. Was mir an der Schweiz immer gefallen hat, war, dass man das Private achtet und nicht in den Angelegenheiten anderer wühlt. Das hat sich in den letzten Jahren leider stark verändert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fraz am 12.07.2017 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Rechte?

    Jedem Kind sollte das Geundrecht aus Liebe gezeugt worden zu sein zustehen. Das wir darüber diskutieren müssen und es in Zweifel ziehen, spricht sicher nicht für unsere Gesellschaft!

  • devildwarf am 12.07.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    worst comes to worst

    Ich möchte auch gerne etwas zur CVP sagen, uns wird beigebracht, dass Staat und Religion nicht zusammengehören, da uns Theokratie gezeigt hat, dass es nicht funktioniert, wieso gibt es dan eine Partei, welche sich Christliche Volkspartei nennt? Wir müssen uns nicht wundern, wenn es bald eine MVP gibt...

  • so nöd am 12.07.2017 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    CVP schlicht unglaubwürdig

    Die Haltung der CVP Schweiz ist klar: Sie unterstützt das Verbot der Leihmutterschaft in der Schweiz. Wie wollen Herr Markus Hungerbühler und alle anderen CVP Exponenten glaubwürdig Schweizer Gesetze vertreten wenn sie selbst jeden Weg gehen um sie nicht einhalten zu müssen und das Missachten von Schweizer Gesetzen einfach als Privatsache schönreden ? Das hat mit Modernität nichts zu tun. Das ist reiner Egoismus. So nöd CVP, für mich ist diese Partei nicht mehr wählbar.

  • So nöd am 12.07.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ganze CVP unglaubwürdig

    Das C und das V im Parteinamen haben längst keine Bedeutung mehr. Als Parteipräsident macht Christoph Darbellay den Ehebruch salonfähig, zusammen mit der FDP verhindert die Partei die Umsetzung eines demokratischen Volksentscheides, und Schweizer Gesetze werden mit Füssen getreten um den eigenen Wünschen zu dienen. Leihmutterschaften sind in der Schweiz verboten. Dies auch weil sich die CVP immer hinter dieses Verbot gestellt hat. Diese Partei ist schlicht nicht wählbar. Das C steht nun für charakterlos und das V für verlogen. Setzt man sich so für Schweizer Gesetze ein ?

  • Rodney McKay am 12.07.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Teufelszeug

    Fortpflanzungs-Medizin sollte verboten werden. Es ist halt nun ein natürlicher Akt, dass dort wo Leben entsteht, eine Frau und ein Mann am Start sind. Dass dies unsere Wohlstandsgesellschaft nicht akzeptieren kann ist bezeichnend. Und dann immer mit dem blöden Hetero-Päärli-Scheidungsrate und/oder Waisenkinder-Argument kommen, obschon man noch gleich die künstliche Fortpflanzung von gleichgeschlechtlichen Paaren entteufeln will. Kommt darüber hinweg...ihr seid von Natur aus unfähig dies selber zu gewerkstelligen...