12. März 2007 23:15; Akt: 12.03.2007 21:51 Print

Künstler mit Wanzen – bei Anruf Oper

Wanzen im Opernhaus sorgen für Aufregung: Weil eine Künstlergruppe die Inszenierungen heimlich auf hunderte Zürcher Telefonanschlüsse überträgt, prüft das Kulturhaus rechtliche Schritte.

Fehler gesehen?

Während am Freitagabend Puccinis «La Bohème» am Opernhaus aufgeführt wurde, klingelte bei 120 Zürchern das Telefon. Eine weibliche Stimme mit italienischem Akzent verkündete: «Dies ist das autonome Telefon. In wenigen Sekunden werden Sie live ins Opernhaus verbunden.»
Was soll das? «Wir haben drei Wanzen im Saal versteckt», sagte Doma Smoljo von der Künstlergruppe. Per Funk werde die musikalische Darbietung an einen Computer übermittelt, der im Keller des Cabaret Voltaire im Niederdorf stehe. Ein Zufallsgenerator rufe dann Nummern aus dem Telefonbuch an und beschere den Auserwählten unverhofft einen vergnüglichen Opernabend.

Weniger amüsiert über die Live-Schaltungen aus dem eigenen Haus zeigt man sich an der Oper: «Wir fordern die Verantwortlichen auf, die Aktion sofort zu stoppen», sagt der Kaufmännische Direktor Otto Grosskopf. Man habe bereits einen Anwalt eingeschaltet und schrecke nötigenfalls nicht davor zurück, die Künstler wegen Urheberrechtsverletzung einzuklagen. Bei den Kulturschaffenden beisst Grosskopf aber auf Granit. Man denke nicht daran, die Aktion abzubrechen.

Derweil ist das Opernhaus-Personal auf Spionensuche geschickt worden: «Sollten die Wanzen nicht bald entfernt werden, stellen wir den Verantwortlichen die Suche in Rechnung.»

Alexandra Roder