Ein Jahr ins Gefängnis

20. November 2012 21:54; Akt: 20.11.2012 23:08 Print

Magier «zauberte» über eine Million Franken weg

von Attila Szenogrady - Um sein teures Hobby als Zauberer zu finanzieren, hat ein Buchhalter über eine Million Franken abgezweigt. Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte ihn zu drei Jahren teilbedingt.

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Ein Zauberer ist vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt worden. Er ergaunerte über eine Million Franken. (Bild: Keystone)

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«Es war Dummheit», erklärte der heute 37-jährige Haupttäter gestern vor dem Bezirksgericht Dietikon. Die Anklageschrift berichtete allerdings von einem gezielten und raffinierten Vorgehen des Buchhalters. Zwischen Februar 2007 und Dezember 2008 löste er als Angestellter einer Urdorfer Firma immer wieder unrechtmässige Zahlungen an fiktive Gläubiger aus und zweigte auf diese Weise über eine Million Franken ab.

Das Tatmotiv war einfach: Der Dietiker finanzierte mit den ertrogenen Beträgen sein teures Hobby als Zauberkünstler. So investierte er rund 315 000 Franken der Beute für Zauberartikel und Werbung seiner Einzelfirma. Zudem kaufte er sich für 73'000 Franken zwei Rennwagen der Marke Ferrari und weitere Autos. Alleine 121'000 Franken blätterte er für einen Flugsimulator hin und erwarb in Dietikon eine Bauparzelle.

Nicht zuletzt überwies der Beschuldigte einem befreundeten Tierfotografen aus Zürich rund 200'000 Franken, um dessen Traumreisen nach Afrika zu finanzieren. Der bald 50-jährige Sozialhilfeempfänger nahm die Gelder dankend entgegen und ging schon bald auf Safari. Auf den Gedanken, die ausstehenden Alimente für seine beiden Kinder zu bezahlen, kam er nicht.

Umfassende Geständnisse

Als der ganze Hokuspokus Ende 2009 aufflog, verschwanden der Illusionist und sein Komplize für rund zwei Monate in Untersuchungshaft. Beide Männer legten umfassende Geständnisse ab. Auch vor Gericht, wo der zuständige Staatsanwalt für den hauptbeschuldigten Limmattaler wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Geldwäscherei und weiteren Delikten eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren verlangte. Ein Jahr davon unbedingt. 28 Monate teilbedingt, ein Jahr davon ohne Bewährungschance, forderte der Ankläger für den Tierfotografen, der zusätzlich illegal Fürsorgegelder für 44'000 Franken ertrogen hatte.

Die beiden Verteidiger plädierten auf bedingte Freiheitsstrafen und machten eine Drucksituation für ihre Klienten geltend. Nur zum Teil mit Erfolg. Beim desillusionierten Magier kannte das Gericht kein Pardon. Er wurde aufgrund einer erheblichen Tatschwere und des hohen Deliktbetrags anklagegemäss zu einer teilebedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Ein Jahr davon soll er absitzen. Zudem wurde er verpflichtet, der geprellten Firma einen Schadenersatz von rund 915 000 Franken zu bezahlen. Nicht zuletzt soll er dem Staat eine Ersatzforderung von über 127 000 Franken abliefern.

Auch Fotograf muss zahlen

Mehr Glück hatte der Tierfotograf. Er kassierte wegen Gehilfenschaft zu Veruntreuung, Geldwäscherei und Sozialhilfebetrugs eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Das Gericht hielt ihm unter anderem zugute, dass er nicht die treibende Kraft gewesen sei. Allerdings soll auch er einen Schadenersatz von über 202'000 Franken leisten.

Sein Verteidiger Valentin Landmann zeigte sich unmittelbar nach der Urteilseröffnung mit dem Entscheid einverstanden.

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