Kunstschmuggel

23. Oktober 2016 10:55; Akt: 23.10.2016 13:13 Print

4-Millionen-Busse für Zürcher Dolder-Besitzer

Dolder-Besitzer Urs. E. Schwarzenbach soll über 200 Kunstwerke beim Zoll falsch oder gar nicht deklariert haben. Der Milliardär wehrt sich gegen die Verfügung.

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Die Oberzolldirektion in Bern hält in ihrer Verfügung vom 6. Oktober fest, dass Urs E. Schwarzenbach mehrfach vorsätzlich Mehrwertsteuern hinterzogen habe. Daniel Saameli, Sprecher des Eidg. Finanzdepartements (EFD), bestätigte Berichte der «NZZ am Sonntag» und der «SonntagsZeitung».

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Der 68-jährige Schwarzenbach soll über Jahre Kunstgegenstände am Zoll vorbeigeschleust haben, 123 Mal ganz ohne Anmeldung. In 27 Fällen liess Schwarzenbach Kunstwerke zwar verzollen, aber mit falschen Angaben.

In zwei Fällen - im September 2012 und im Juni 2013 - wurde Schwarzenbach von Zöllnern kontrolliert, als er am Flughafen Zürich den grünen Durchgang «Nichts zu deklarieren» benutzte, obwohl er Kunstgegenstände mit sich führte. Insgesamt soll er über 200 Objekte im Wert von mindestens 130 Millionen Franken mit keiner oder einer falschen Deklaration eingeführt haben.

Verfügung ist nicht rechtskräftig

In der 75-seitigen Verfügung heisst es, die Widerhandlungen wögen schwer. Die Oberzolldirektion spricht von einer «gewohnheitsmässigen» Vorgehensweise. Verschärfend kommt hinzu, dass sich Schwarzenbach auch von der laufenden Untersuchung nicht davon habe abhalten lassen, weiter so zu handeln. Die Verfügung ist nicht rechtskräftig.

Gemäss Zeitungsberichten weist der Financier und Mehrheitsaktionär des Zürcher Luxushotels Dolder Grand die Vorwürfe zurück. Er hat demnach beim Bezirksgericht Zürich eine Beschwerde eingereicht. Hingegen muss Schwarzenbach definitiv 10 Millionen Franken an Mehrwertsteuern zahlen, da er seine Beschwerde dagegen zurückgezogen hat, wie Saameli weiter ausführte.

Nicht belangt werden Mitarbeitende von Schwarzenbach, die während der Untersuchung befragt worden sind. Gemäss Verfügung gaben die Angestellten übereinstimmend an, stets auf Anweisung ihres Chefs gehandelt haben.

Nach der ersten Kontrolle am Flughafen Zürich hatte die Zollfahndung Zürich Ende Oktober 2012 eine Untersuchung eröffnet. Im April 2013 führten die Zollfahnder dann mehrere Hausdurchsuchungen in Liegenschaften Schwarzenbachs durch, darunter auch im Hotel The Dolder Grand.

Die Schweiz erhebt auf dem Import von Kunstgegenständen eine Abgabe von acht Prozent. Es besteht die Selbstdeklarationspflicht.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.G am 23.10.2016 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justizia

    Wo bleibt die Gefängnisstrafe? Was interessieren ihn 4 Mio CHF Busse? Ich bin mir sicher, jeder normalo hätte 10 Jahre Gefängnis bekommen.

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  • Der Wärter am 23.10.2016 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber unsereins..

    ..würde für ein solches Vergehen für gaaaaanz lange Zeit einfahren! Wiso darf der noch herumlaufen?

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  • Donald4WW3 am 23.10.2016 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    What??

    10 Millionen Steuern hinterzogen und nur 4 Millionen Busse?? Würde ich mit einem riesigen Kapital auch machen, kann man ja nur gewinnen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger43 am 23.10.2016 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überrascht niemanden oder?

    Nicht alle sind gleich vor dem Gesetz! Hier haben wir mal wieder den Beweis!

  • Zellenschlüssel am 23.10.2016 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Grosskriminalität lohnt sich?

    Vermutlich lohnt sich das Schmuggeln trotz gelegentlichen Bussen immer noch deutlich, weil nur sehr selten erwischt und weil nie Gefängnisaufenthalte? Gefängnisaufenthalte wären schlecht, weil man in der Zeit nicht schmuggeln kann.

  • Rosenfuchs am 23.10.2016 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht

    Die Verzollung von Kunstwerken in die Schweiz von 130 Mio würde über 10 Mio MwSt nach sich ziehen. Bei einer qualifizierten Umgehung der MWST Pflicht kommt eine Busse zur Anwendung von mindestens 300 Prozent, das macht rund 31 Mio. Da offenbar schon 200 Mio vom Herr Schwarzenbach blockiert sind wegen Verdacht auf zusätzliche Vergeben wie Geldwäsche ist meiner Ansicht genügend getan worden, um unser Recht auch vor einem sehr reichen Mann durchzusetzen.

  • Ideomatic am 23.10.2016 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Soviel...

    ...Busse bezahlen, dass noch 4 Mio übrig bleiben. Lebt sich damit auch noch schön, oder? ;-)

  • ENU am 23.10.2016 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    enttäuscht

    Irgendwie ist er doch stümperhaft vorgegangen und das enttäuscht mich an seiner Machtperson. Ich dachte er sei klüger....... aber Geld allein macht nicht gefitzter.