Religion und Fussball

31. Oktober 2014 08:21; Akt: 31.10.2014 11:49 Print

Missioniert das ICF bei jungen Muslimen?

von A. Hirschberg - Zuerst tschutten, dann über Gott und die Welt diskutieren. Das ist die Jugendarbeit der Freikirche ICF im Zürcher Kreis 5. Infosekta ist besorgt.

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Seit rund einem Jahr engagiert sich die Stiftung Acts im Kreis 5 unter anderem für Jugendliche – viele von ihnen muslimischen Glaubens. Acts ist der gemeinnützige Arm der evangelikalen Freikirche International Christian Fellowship (ICF).

Nun warnt Infosekta, dass das Engagement «missionarische Züge» habe und darum «problematisch» sei, so Mitarbeiterin Regula Spiess. Die Acts-Leute meinten es zwar gut, vermittelten aber auch ihre Jesusbotschaft und ihren engen Wertekanon. «Dieser spricht gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders an.»

Jugendliche entfremden sich von den Eltern

Hinzu komme das attraktive Gruppengefühl, das das ICF propagiere. «Gehört man dazu – ist man dabei.» Weil aber der Rest der Familie nicht zum ICF gehöre und entsprechend nicht «errettet» sei, führe das bei Jugendlichen zu einem grossen Dilemma und zu Konflikten. Spiess: «Oft entfremden sich Jugendliche von ihren Eltern.»

Auch der Offenen Jugendarbeit (OJA) im Kreis 5 ist das Engagement des ICF aufgefallen. Ein Anliegen der OJA sei, dass die Jugendlichen lernten, selbstständig zu entscheiden. «Von Organisationen, die dem entgegenwirken, grenzen wir uns ab», sagt Geschäftsleiter Giacomo Dallo. Man könne aber nicht schlüssig einschätzen, wie weit dies bei ICF der Fall sei.

«Wir halten keine Predigten»

Für die ICF-Kirche kommt die Kritik an ihrer Arbeit völlig überraschend. Man engagiere sich aus Nächstenliebe im Quartier. Immer am Donnerstag spiele man mit rund 30 Jugendlichen Fussball. Danach grilliere und esse man zusammen und rede über Gott und die Welt.

«Klar geben unsere Leute dabei Antworten, die ihren Wertvorstellungen und ihrem Glauben entsprechen», sagt Mediensprecher Nicolas Legler. Man halte aber keine Predigten und habe keinen Plan, zu missionieren. Ob Jugendliche aufgrund der ICF-Fussballabende schon an Gottesdiensten teilgenommen haben, kann Legler nicht sagen.

Dennoch zeigt Muhammad Hanel von der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) wenig Verständnis für deren Engagement. Aus seiner Sicht gebe es sowohl christliche wie muslimische Randgruppen, die auf der Strasse missionierten. «Zum Leidwesen der Gesellschaft und der betroffenen Familien.» Bei praktizierenden Muslimen könne so ein Übertritt eines Kindes in eine christliche Freikirche die gesamte Familie traumatisieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SR am 31.10.2014 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur nicht Christ-Sein...

    Darf man alles sein in der Schweiz, nur nicht Christ? Wenn sich die Christen nicht mehr sozial engagieren und aufhören würden ehrenamtlich zu arbeiten, wieviel Arbeit würde dann liegen bleiben? Ich glaube wir würden uns wundern...

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  • Martin Waser am 31.10.2014 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Religion in der Schweiz

    Hört endlich mal damit auf, immer die Muslime in den Vordergrund zu stellen und den Christen für deren Entscheidungen die Schuld zu geben. Die Schweiz ist ein neutrales und vor allem christlich fundiertes Land, indem auch nach christlichen Werten gelebt wird. Wem das ICF nicht passt soll es doch einfach meiden. Sie haben eine Vision welche sie mit viel Einsatz und Erfolg verwirklichen. Wem's nichts passt der soll's lassen, ganz einfach...

  • c.g. am 31.10.2014 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jeder gibt seine Werte weiter

    Wer ein Problem hat mit der nächsten Liebe, wird auch sehr viel Probleme mit dem Schweizergesetz haben. Laut meinen Informationen haben wir in der Schweiz Rede- und Glaubensfreiheit. Wieso ist es also problematisch über den Glauben zu sprechen und über die Grenze der Religion zusammen Dinge zu machen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R... am 01.11.2014 00:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warheit!!

    Eine riesen Frechheit das icf so tarzustellen!!! Das ICF ist eine Familie und jugendliche entfernen sich automatisch von ihren Eltern... Das ist normal und auch nötig um selbständig zu werden!!! Ich finde es schlimm eine so gute Organisation( Kirche, Religion) so zu verunstalten wenn doch unsere angeblich achh so tolle katholische Kirchen die kinder zwingen sich zu konfirmieren weil man sonst nicht mehr zur kirche gehört -.- Das ist beim icf nicht so niemand ist "böse" wenn man mal keine lust hat oder mal keine zeit hast... Das ist bei der katholischen Kirchen anderst totaal anders!!!!

  • C. Omment am 01.11.2014 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdige Sichtweise

    "Bei praktizierenden Muslimen könne so ein Übertritt eines Kindes in eine christliche Freikirche die gesamte Familie traumatisieren." Interessant, dass das offenbar als Problem der Christen gesehen wird und nicht der Muslime ...

  • Bettina Eger am 31.10.2014 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wertfrei?

    Ich glaubte nicht recht zu lesen heute morgen. Wo leben wir eigentlich? Da setzt sich eine Vereinigung dafür ein, dass Jugendliche ihre Zeit sinnvoll gestalten aber wenn es eine kirchliche ist, dann wird es gleich in der Luft zerrissen. Liebe Info Sekta, gerade Ihnen sollte bewusst sein, dass kein Mensch wertfrei ist und lebt. Mit wem möchten Sie die Jugendlichen lieber Fussballspielen sehen??? Müssen wir Menschen heute tatsächlich vor christlichen Werten schützen?

  • Christian Zupeuc am 31.10.2014 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächstenliebe ohne vorurteile

    Ich selbst hatte bis vor 2 jahren nichts mit religion am hut. Jedoch habe ich immer gehofft das alle "geschichten" über jesus und seine toleranz und nächstenliebe mal gelebt werden würden. In der freien kirchengemeinde in der ich bin wird dies mehrheitlich getan weshalb ich mich wieder mit gott anfreunden konnte. Diese Werte verlangen aber auch das man die meinung eines moslems genauso akzeptiert wie die eines nicht an gott glaubenden. Mein Eindruck ist das der ICF das mehrheitlich versucht. Mir persönlich geht es nicht um die Religion ansich, eher um das interesse am anderen Menschen. Jesus hat, objektiv betrachtet, damals versucht alle davon zu überzeugen das es sich lohnt aufeinander zu achten (nächstenliebe). Damals hat es nicht geklappt. Heute sollte das doch zumindest ein wenig möglich sein. Frau, Mann, Hetero oder Homosexuel oder sogar von einem anderen Stern. Achtet aufeinander.

  • Freude am 31.10.2014 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    warum wird nie etwas pos. berichtet?

    Mir fällt auf, dass wenn über Freikirchen berichtet wird, immer nur auf dem vermeintlichen negativem rumgeritten wird und praktisch nie über das geschrieben wird, was sie soziales tun.