Bezirksgericht Horgen

29. November 2017 16:12; Akt: 29.11.2017 17:13 Print

Nackte Putzfrau kostet Rentner kleines Vermögen

Ein Rentner hat einer 38-Jährigen ein Auto gezahlt und wollte ihr 450'000 Franken überweisen – laut Staatsanwalt ein Fall von Betrug. Das Bezirksgericht ist da anderer Meinung.

storybild

Weil der Rentner der angeklagten 38-jährigen Prostituierten nie etwas versprochen habe, sprach das Gericht die Frau frei. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Vorwurf ist hart: Eine 38-jährige tunesisch-deutsche Prostituierte soll einen gesundheitlich angeschlagenen Schweizer Rentner «wie eine Weihnachtsgans» ausgenommen haben, so die Staatsanwaltschaft. Mit diesem Fall musste sich das Bezirksgericht Horgen am Montag befassen, wie die Zürichsee-Zeitung schreibt.

Begonnen hat das Ganze mit einem Online-Inserat des Rentners, er suche eine Putzfrau, die für ein Taschengeld auch nackt putze. Darauf meldete sich die 38-Jährige, die damals in einem Bordell im Zürcher Unterland tätig war. Bereits beim ersten Treffen zahlte ihr der Rentner ein Ticket nach Köln.

Prostituierte zog beim Rentner ein

Nach bereits zwei Tagen zog die deutsche Prostituierte bei ihm ein. Darauf schenkte er ihr ein Auto im Wert von 22'900 Franken – es folgten ein iPhone und ein Laptop. Eine Woche später wollte der Rentner der Frau 450'000 Franken für ein Haus überweisen. Als er einem Kollegen von diesem Vorhaben erzählte, meldete dieser sich bei der Polizei, worauf die 38-Jährige am Tag darauf festgenommen wurde.

Vor Gericht sagte die Deutsche, sie hätte den Rentner nie zu etwas gezwungen. Ihr Verteidiger zieht den Vergleich zu sogenannten Sugar-Daddys, älteren Männern, die jüngeren Frauen viel Geld zahlen und im Gegenzug sexuelle Gefälligkeiten erhalten würden. Das Verhalten sei laut dem Verteidiger genauso wenig strafbar wie jenes seiner Mandantin.

Irrtum, aber nicht Betrug

Das sehen Staatsanwalt und Rentner anders: Der Geschädigte machte geltend, die Prostituierte hätte immer gefordert, wobei er in der Hoffnung auf eine Partnerschaft diesen Forderungen nachgegangen sei – sie hätte ihn schamlos ausgenützt.

Das Gericht sprach die Frau jedoch frei und begründete den Entscheid damit, dass er ihr nie etwas versprochen habe, sondern vielmehr in die Beziehung «investierte». Ein Irrtum vonseiten des Rentners, doch von Betrug könne nicht die Rede sein.

(20 Minuten)