Demo ohne Bewilligung

16. Februar 2012 20:14; Akt: 17.02.2012 12:58 Print

Neonazi-Fackelzug durch Zürcher Dorf

von Marco Lüssi - Über 50 Rechtsextreme sind am Montagabend mit Fackeln durch Hombrechtikon marschiert. Gemeinde und Polizei wussten nichts vom Neonazi-Aufmarsch.

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Die Neonazis zogen mit Fackeln und einem Transparent mit der Aufschrift «Kein Vergeben, kein Vergessen, 13. Februar 1945» durch Hombrechtikon.

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Gespenstische Szenen am Montag nach 20 Uhr in Hombrechtikon: Dutzende Männer mit brennenden Fackeln in den Händen zogen auf der Hauptstrasse durch die Zürcher Landgemeinde. Vor sich trugen sie ein Transparent, das an die Bombardierung von Dresden am 13. Februar 1945 erinnerte. Durch Bomben, die britische und amerikanische Kampfflugzeuge abwarfen, kamen damals bis zu 25 000 Menschen ums Leben. «Die Teilnehmer des Umzugs waren zwischen 20- und 30-jährig, alle waren dunkel gekleidet», sagte ein Anwohner, der die Szenerie beobachtet hatte, zu 20 Minuten. Die Gruppe sei schweigend durch das ganze Dorf marschiert.

Bei der Kantonspolizei Zürich hat man keine Kenntnis von dem Neonazi-Aufmarsch, wie es auf Anfrage hiess. Laut Hombrechtikons Gemeindepräsident Max Baur (FDP) haben die unbekannten Veranstalter nicht um eine Bewilligung ersucht. «Eine Bewilligung hätten wir auch nicht erteilt», so Baur. «Menschen mit einer solchen Gesinnung wollen wir in ihren Aktionen nicht unterstützen.» Er hoffe, dass sich so etwas nicht wiederhole. Warum die Neonazis ausgerechnet nach Hombrechtikon gekommen seien, könne er sich nicht erklären: «Wir hatten früher mal Probleme mit jungen Neonazis, aber das hat sich schon vor fünf Jahren beruhigt.» Die Initianten des Marsches scheinen stolz auf ihre Aktion zu sein: 20 Minuten wurden anonym Fotos des Fackelzugs zugeschickt – vermutlich aus diesen Kreisen.