Laborkontrolle

20. Mai 2014 14:43; Akt: 20.05.2014 16:17 Print

Nervengift in fast allen Schweizer Tomaten

Reifehormone in Schweizer Tomaten, Pestizide in Asia-Gemüse und Restaurantbesitzer, die ihre Ware zu lange behalten: Jedes achte Lebensmittel fällt bei der Kontrolle durch.

storybild

Viele Schweizer Tomaten werden mit Reifebeschleuniger behandelt. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizer Früchte und Gemüse, ein Garant für Frische und Qualität? Der Jahresbericht des Kantonalen Labors Zürich zeigt ein anderes Bild: So wurden etwa die meisten Schweizer Tomaten mit dem Reifebeschleuniger Ethephon behandelt, damit sie schön rot und schmackhaft werden. Das Kantonale Labor fand letztes Jahr in 86 Prozent der Proben Rückstände des Stoffes – bei einem Viertel der heimischen Produkte lagen diese über dem Toleranzwert.

Brisant: Keine ausländische Tomate überschritt den Ethephon-Toleranzwert, wie Kantonschemiker Rolf Etter bestätigt: «In der Schweiz muss wohl aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse nachgeholfen werden – besonders zum Saisonende.»

Mögliche Folgen einer zu hohen Ethephon-Aufnahme sind Durchfall, starker Harndrang, Reizungen auf Haut und Schleimhäuten – im schlimmsten Fall wirkt es als Nervengift. «Dafür muss man aber schon sehr viele Tomaten über einen langen Zeitraum essen – die Dosis macht das Gift», sagt Etter. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt biologische Tomaten. Hier konnte in keiner der untersuchten 17 Proben aus dem In- und Ausland Ethephon nachgewiesen werden.

Pestizide in Asia-Gemüse

Ebenfalls viel zu beanstanden hatte das Kantonale Labor bei den als «Suisse Garantie» deklarierten Kirschen: In zwei Fällen konnte es nachweisen, dass diese gar nicht aus der Schweiz, sondern aus Deutschland stammen.

Geprüft hat es die Lebensmittel auch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Während bei europäischen Produkten die gesetzlichen Vorgaben meistens eingehalten werden, ist die Beanstandungsquote von Waren aus Asien mit rund 25 Prozent nach wie vor viel zu hoch, wie Etter sagt: «Besonders bei Gemüse aus kleineren Läden stellten wir hohe Rückstände fest.» Hier seien Verbesserungen dringend nötig.

Ware im Restaurant ist nicht mehr frisch

Insgesamt 13'400 Lebensmittel hat das Kantonale Labor 2013 untersucht – davon wichen zwölf Prozent von den gesetzlichen Vorgaben ab, wie Etter sagt: «Bei mehr als der Hälfte handelte es sich um Proben leicht verderblicher Lebensmittel aus dem Gastgewerbe.» So würden etwa gewisse Restaurantbetreiber die Ware zu lange behalten. Dass das Essen nicht mehr ganz so frisch ist, merke der Konsument meistens nicht, so Etter: «Trotzdem muss man hier genauer hinschauen.»

Mit Magenbeschwerden müsse man nach einer Mahlzeit in Zürcher Restaurants aber nicht rechnen: «Die Hygiene ist meistens sehr vorbildlich. Trotzdem war im letzten Jahr bei zwölf von 9140 kontrollierten Betrieben die Lebensmittelsicherheit nicht garantiert: «Hier ordneten wir Sofortmassnahmen an», sagt Etter.

(som)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roger mafli am 20.05.2014 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb ...

    ... werden die Verantwortlichen nicht sofort gebüsst und aus dem Verkehr gezogen?

    einklappen einklappen
  • segel1100 am 20.05.2014 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das Qualitätssiegel .....

    Made in Switzerland ...... :(

    einklappen einklappen
  • D. Graf am 20.05.2014 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tomaten im Dezember

    Kommt davon, wenn man Tomaten im Dezember, Spargel im März und Erdbeeren im Oktober will.

Die neusten Leser-Kommentare

  • D. Graf am 20.05.2014 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Tomaten im Dezember

    Kommt davon, wenn man Tomaten im Dezember, Spargel im März und Erdbeeren im Oktober will.

  • Mike am 20.05.2014 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tomaten

    Also Tomaten kann ja nun jeder das ganze Jahr daheim selber anpflanzen! Mache ich seit über 5 Jahren so.. Geschmacklich kommt da keine gekaufte Tomate ran.

  • Peter Meyer am 20.05.2014 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    @Echo vum Bärgli

    Wurden immer älter... muss es heissen: ob die jüngeren Generationen welche schon über Jahre schleichend vergiftet werden auch noch so alt werden muss sich erst noch zeigen. Vor allem: "fand letztes Jahr"... wieso wird das erst jetzt publik gemacht?

  • T. K. am 20.05.2014 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirte Patent

    Das Kantonale Wirte Patent sollte wieder obligatorisch sein. Strengere Kontrollen (unangemeldet) ect. Irgendwelche freiwilligen, teure, crash-Kürsli bringen nichts. Vielleicht sollte daran erinnert werden, dass sie Teil der Tourismus Branche sind, auf welche die Schweiz angewiesen ist.

  • mike am 20.05.2014 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind schuld

    Wir wollen doch immer das beste, alle wollen schöne Tomaten, rund und rot. Die Natur ist aber nicht perfekt das heisst das die Hersteller nachhelfen müssen.