Bezirksgericht Uster

12. Januar 2018 10:29; Akt: 12.01.2018 10:29 Print

Opfer und Täterin bleiben Paar nach Tötungsversuch

Eine 30-Jährige stach im November 2016 ihren schlafenden Freund nieder. Er überlebte nur, da er selber den Notruf anrief. Trotzdem sind die beiden nach wie vor ein Paar.

storybild

Das Bezirksgericht Uster verdonnerte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. (Bild: Keystone/Patrick B. Kraemer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit mehr als 2,5 Promille Alkohol im Blut griff die 30-jährige Frau im November 2016 zu einem Messer mit einer Klinge von 20 Zentimetern Länge. Damit stach die Frau in den Oberbauch des Freundes und sagte noch, er habe Glück, dass ihre Schwester anwesend sei, die ihr beim Umzug helfe – denn ansonsten würde sie ihn enthaupten. Danach verliess sie die Wohnung, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Der 34-jährige Freund habe nur überlebt, da er den Rettungsdienst alarmiert habe und sofort ärztlich interveniert worden sei.

Die Frau musste sich am Donnerstag wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vor dem Bezirksgericht Uster verantworten. Laut dem Verteidiger hat die Frau den Tod ihres Freundes nie gewollt, sie habe nur das Bedrohungsgefühl töten wollen, da dieser sie rund zwei Wochen vor der Tat geschlagen habe. Dieses Gefühl, zusammen mit Schlafmangel, einer Alkoholvergiftung, sowie emotionaler Instabilität, sei der Grund für eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten aufgrund einer stark verminderten Schuldunfähigkeit, so der Bericht.

Frau habe Tod des Mannes in Kauf genommen

Der Staatsanwalt war da anderer Meinung, die 30-Jährige habe den Tod ihres Freundes in Kauf genommen. Deshalb forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren, die zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden soll. Das Gericht folgte der Argumentation des Staatsanwaltes und verurteilte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Trotz dem Tötungsversuch wolle das Paar nach wie vor zusammenbleiben. Der Freund habe schriftlich erklärt, dass er kein Interesse an einer Verurteilung der Frau habe. Zudem habe er ihr schon längst verziehen.

(20 Minuten)