Gericht senkt Strafe

23. November 2012 15:33; Akt: 26.11.2012 09:18 Print

Prügel-Vater muss nur sieben Jahre hinter Gitter

Ein Mann hat in Zürich drei Jahre lang seine Freundin in der Wohnung eingesperrt - muckste sie oder die Kinder auf, gab es Schläge. Das Obergericht senkte nun die Strafe von elf auf sieben Jahre.

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Die Vorwürfe gegen den heute 47-jährigen Beschuldigten wogen schwer. Der zuständige Staatsanwalt Matthias Stammbach sprach gar von einem eigentlichen Herrschaftsregime eines «Kontrollfreaks». Fest steht, dass der aus dem Kosovo stammende Chauffeur mitten in Zürich seine bosnische Freundin über drei Jahre lang in der gemeinsamen Wohnung eingeschlossen hatte.

Die Frau durfte nur selten und lediglich mit ausdrücklicher Erlaubnis des Patriarchen das Haus verlassen. Die meiste Zeit musste sie aber hinter verschlossenen Fensterläden in den eigenen vier Wänden verbringen. Regelmässig überwacht von einer Videokamera, die der Beschuldigte zur ständigen Kontrolle der Geschädigten installiert hatte. Muckste die Partnerin auf, setzte es immer wieder Schläge ab. Auch für die drei gemeinsamen Kinder, die nicht nur verprügelt wurden, sondern auch mit anderen Kindern nicht spielen durften.

Mutige Tochter alarmierte Polizei

Als der Beschuldigte am 9. September 2009 seine Partnerin und ein Kind mit einem Plastikrohr verdrosch, eskalierte die Situation. Diesmal nahm eine der Töchter den ganzen Mut zusammen und alarmierte per Telefon die Polizei. Diese nahm den mit einer älteren Schweizerin verheirateten Täter kurz darauf fest. Seither sitzt er im Gefängnis.

Im April 2011 musste sich der Chauffeur zuerst am Bezirksgericht Zürich verantworten. Er wurde wegen schwerer Freiheitsberaubung, mehrfacher Körperverletzung, mehrfacher Nötigung sowie Verletzung der Fürsorge oder Erziehungspflicht zu einer hohen Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt. Während der Urteilseröffnung war es zu lautstarken Protesten der geschädigten Mutter und der Kinder gekommen. Sie hatten sich inzwischen mit ihrem Peiniger wieder versöhnt und verlangten seine Freilassung.

Schläge bagatellisiert

Am Freitag stand der Beschuldigte in einem Berufungsprozess vor dem Zürcher Obergericht. Er hinterliess nicht den besten Eindruck. So erklärte er, dass er immer noch mit der älteren Schweizerin verheiratet sei und diese liebe. Allerdings anerkannte er auch, dass ein Verfahren zur Aberkennung seines Schweizer Bürgerrechts hängig sei.

Zur Sache befragt, legte er zwar ein Teilgeständnis ab, bagatellisierte aber seine Schläge, indem er von einfachen Ohrfeigen sprach. Oder bei seinen Kindern nur von einem Spiel.

Sein Verteidiger verlangte im Hauptantrag einen vollen Freispruch und argumentierte, dass die Mutter gar nicht eingeschlossen worden sei. Sie habe sich vielmehr aus eigenem Antrieb zurückgezogen, aus Eifersucht auf die Schweizer Frau des Beschuldigten. So habe die Geschädigte ihren Partner nicht teilen und mit ihrem selbst gewählten Rückzug seine Aufmerksamkeit erheischen wollen, lautete die Theorie des Verteidigers.

Strafe deutlich gesenkt

Bei der rechtlichen Würdigung folgte das Obergericht der Staatsanwaltschaft, die eine Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils gefordert hatte. Nicht aber bei der Strafe, welche die Oberrichter als zu übersetzt einstuften und neu sieben Jahre festsetzten.

So habe der Beschuldigte das Opfer beispielsweise nicht angekettet, womit die Intensität der Taten im unteren Grenzbereich anzusiedeln sei, erklärte der Vorsitzende. Zudem hätten heute alle Geschädigten ihr Desinteresse an einer Bestrafung angemeldet. Nicht zuletzt habe der Angeschuldigte eine gewisse Einsicht gezeigt und von Fehlern gesprochen. Da er bereits 1536 Tage im Gefängnis verbüsst hat, kommt er voraussichtlich im kommenden Mai wieder frei.

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