Zürcher Kantonsrat

20. November 2017 10:12; Akt: 21.11.2017 08:33 Print

Schiffs-Fünfliber wird doch nicht abgeschafft

Trotz Empörung in den Seegemeinden und deutlichem Rückgang der Passagierzahlen: Der Zürcher Kantonsrat schafft den Schiffsfünfliber vorerst nicht ab.

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Mit 91 Nein- zu 74 Ja-Stimmen bei 10 Enthaltungen entschied der Kantonsrat am Montag, ein dringliches Postulat zur sofortigen Abschaffung des Schiffszuschlages nicht zu überweisen. Dieser Zuschlag, der die defizitäre Schifffahrt auf Zürichsee und Limmat etwas rentabler machen soll, wurde erst im Januar 2017 eingeführt.

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Das dringliche Postulat stammte von Kantonsräten von SP, EVP und BDP, die alle am See wohnen. Sie konnten in den vergangenen Monaten mit eigenen Augen beobachten, wie die Schiffe zunehmend leerer über den See kreuzten. Sogar von «Geisterschiffen» war die Rede.

«Fast eine halbe Million weniger Passagiere sollten eine Warnung sein», sagte der SP-Sprecher. Gleicher Meinung war der BDP-Sprecher, auch er ein «Seebueb», wie man im Kanton Zürich die Bewohner der Seegemeinden nennt. Was er von Passagieren und Personal über den Zuschlag zu hören bekomme, sei nicht druckreif.

«Seebuebe» und «Seemeitli»

Die Fraktion der «Seebuebe» und «Seemeitli» - unterstützt von SP, EVP, CVP, der AL und Teilen der Grünen - setzte sich jedoch nicht durch. Eine Mehrheit, bestehend aus FDP, grossen Teilen der SVP, GLP und EDU stimmte gegen das dringliche Postulat.

Die Schifffahrt sei nicht gratis, sagte der FDP-Sprecher aus Hausen am Albis, also kein «Seebueb». Die Schifffahrtsgesellschaft ZSG habe einen Deckungsgrad von miserablen 37 Prozent. Von Anfang an sei klar gewesen, dass man mit dem Schiffsfünfliber keinen Publikumspreis gewinne. Ihn aber jetzt schon wieder abzuschaffen, sei unseriös.

Der SVP-Sprecher aus Dänikon, ebenfalls nicht am See wohnhaft, erinnerte daran, dass die Schiffe nicht zur Erschliessung der Gemeinden gedacht seien, dafür gebe es Bahn und Bus. «Ein Schiff ist ein subventioniertes Freizeitangebot.»

Blauer See, rote Zahlen

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) appellierte mit Fakten an die «Seebuebe» und «Seemeitli». Der See möge blau schimmern, aber die Zahlen der ZSG seien leider tiefrot.

Jedes Jahr entstehe ein Defizit von 12 Millionen Franken. Für jeden Franken, den jemand für ein Schiffs-Billett ausgebe, zahle die Allgemeinheit heute zwei Franken obendrauf. Der Schiffsfünfliber sei deshalb notwendig, auch wenn er keine Freude mache.

Anfang 2018 will Walker Späh die detaillierten Zahlen der vergangenen zwölf Monate publizieren. Doch auch wenn diese schlecht ausfallen sollten: Die Regierung will am Zuschlag festhalten, denn bis sich dieser etabliert habe, dauere es sicher drei Jahre.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco80 am 20.11.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiterhin ohne mich

    Dann bleibe ich weiterhin fern von den Schiffe. Gibt ja zum Glück noch andere seen

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  • Gru2606 am 20.11.2017 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an allen vorbei..

    Hier wird mal wieder an den Menschen vorbei politisiert.. Könnte man hier das Gesetz nicht via Initiative kippen?

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  • RSwiss am 20.11.2017 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dem Untergang geweiht

    ja da wird die Mehrheit das Schiff meiden. Man kann auch die Schiffe auch in den Bankrott treiben mit Zuschlägen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hubit am 23.11.2017 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Die Haltung von Frau RR CWS und dem ablohnenden Teil des KR ist nur arrogant am Volk vorbei politisiert. Noch tragischer scheint mir die Stimmenthaltung von 10 Parlamentariern. Trotz einer längeren Debatte sind sie nicht in der Lage, eine Meinung abzugeben. Ich freue mich darauf , alle diese Volksvertreter in weniger als 2 Jahren abzuwählen.

  • L. Aferi am 21.11.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Theater ....

    .... im Rathaus will offenbar nicht von ihrer selbstverschuldeten Misère abrücken und mich weiterhin zusätzlich abzocken. Schämt Euch! Beratungsresistenter geht nicht mehr. Ich werde daher die Züriseeflotte wie bis anhin auch weiterhin boykottieren bis diese dem Untergang geweiht ist. Wer nicht hören will muss fühlen. Liebe Volksvertreter: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. So nicht!

  • Walter Huber am 21.11.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss mit Schifffahrten

    Nachdem ich die Schifffahrten auf dem Zürichsee schon in diesem Jahr drastisch eingeschränkt habe, streiche ich diese nach diesem Entscheid ganz von der Reiseliste. Es gibt in der Schweiz noch Seen, die ihre Schifffahrten ohne solche Abzocke betreiben.

  • Logisch, oder? am 21.11.2017 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für die Erinnerung

    «Ein Schiff ist ein subventioniertes Freizeitangebot.» Entsprechend gilt auch: «Rundfunk ist ein subventioniertes Freizeitangebot.» .... und doch haben die beiden Dienste Aspekte des Serrvice-Public zu erfüllen. Was soll sich in den 3 Jahren manifestieren, bis sich der See-Zuschlag "etabliert" hat? Ich kann keine finanzielle Besserstellung von Familien erkennen. Abbau der Kapazitäten ist auch nicht sinnvoll, da der unproduktive Grundaufwand prozentual zunehmen würde. Zudem, Querverbindungen erfüllen sehr wohl eine Aufgabe im öffentlichen Verkehr, wie u.a. die Fähre Horgen-Meilen beweist

  • Socondo am 21.11.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luxus hat seinen Preis

    Wer das Schiff benützt nimmt sich bewusst Zeit um diese Fahrt zu geniessen oder? Entschleunigung für Fr. 5.00 mehr. Diejenigen die sich stören aber gleichzeitig den besten Platz schnappen um während der Schifffahrt in ihr Händy starren..Die sollen doch den Zug nehmen! Ein Schiff kostet und den Unterhalt, Kraftstoff. Wie wäre es wenn der See in 10 Jahren mit einem schwarzen Öltepich überzogen wäre..weil marode Schiffswracks herumfahren? Kino, Zoo oder Museum ist im Abo auch nicht inklusive oder? Kommunikation wird bestraft. Einen generellen Aboaufpreis hätte man murrend akzeptiert!

    • S.Schneider am 21.11.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      Bürkliplatz - Wollishofen

      Standard, eins-zwei Stationen: mit GA 5.- und ohne Abo bewegt man sich schon im zweistelligen Bereich. So werden sich in Zukunft nur noch die Rundfahrten lohnen und es stehen mehr Arbeitsplätze auf dem Spiel als ohne Zuschlag.

    • Good Markus am 22.11.2017 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Socondo

      Kino Zoo und Museum, ist nicht etwas das ich gehen muss, sondern kann!!! Ein ZVV ist etwas worauf ich angewiesen bin!! Arbeit Schulweg !! Wenn ich die Fähre benütze und plötzlich jeden Tag 5CHF mehr bezahlen muss, Dann siehts sicher anders aus!

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